Grüne Branche

Branche erleichtert über Einreisemöglichkeit für Saisonarbeiter

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Nun doch, die massive Kritik von Verbänden und Produzenten von Obst und Gemüse am Einreiseverbot für Saisonarbeiter wurde erhört. Durch die Politik wurde eine Ausnahmegenehmigung geschaffen, die es im April und Mai jeweils 40.000 Saisonkräften aus Osteuropa erlaubt nach Deutschland einzureisen. Die Verbände reagierten mit Erleichterung, doch es gab auch Kritik.

Die Branche zeigt sich überwiegend positiv über die Einigung zum Einreiseverbot für Saisonarbeitskräfte. Foto: GMH

„Notwendigkeiten der Branche sind erkannt worden“

Zur Einigung der Bundesregierung über die Einreise zusätzlicher Saisonarbeitskräfte (TASPO Online berichtete) zeigte sich Jürgen Mertz, Präsident des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG) erleichtert. „Mit großer Erleichterung nehmen wir die Einigung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Bundesinnenminister Horst Seehofer zur Kenntnis, wonach im April und Mai jeweils bis zu 40.000 Saisonarbeiter unter strengen Auflagen nach Deutschland einreisen dürfen. Die Notwendigkeiten in der Branche sind erkannt worden. Die zügige Umsetzung ist eine große Herausforderung der Betriebe, die wir umgehend angehen werden. Der Gartenbau in Deutschland leistet große Anstrengungen, um die Grundversorgung der Bevölkerung in der aktuellen Situation, aber auch darüber hinaus zu sichern“, so Mertz.

Bauernverband ebenfalls zufrieden

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, äußerte sich zur Einigung der Bundesregierung ebenfalls positiv. „Wir begrüßen sehr, dass sich die Bundesregierung geeinigt hat, zusätzlichen Saisonarbeitskräften aus Osteuropa die Einreise zu ermöglichen. In dem Konzept ist die Initiative des Deutschen Bauernverbandes und des Gesamtverbandes der deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände berücksichtigt. Jetzt geht es an die Umsetzung: Unsere Betriebe werden die Leitlinien und Vorgaben des Robert Koch-Instituts strikt einhalten, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Diese Regelung hilft uns arbeitsfähig zu bleiben“, so Rukwied.

„Gute Botschaft für Bauern und Verbraucher“

„Seit Tagen wurde im Bund der Ball in Sachen Erntehelfer hin und hergeschoben. Für unsere Landwirte, die kurz vor der Ernte und der Aussaat stehen, eine unerträgliche Situation. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, das musste jetzt auch der Bundesinnenminister einsehen. Die Nachricht, dass nun die dringend benötigten Erntehelfer aus Osteuropa einreisen dürfen, ist eine sehr gute Botschaft für die Bauern, aber auch für die Verbraucher. Wir vertrauen unseren Bauern, dass sie den Einsatz der Erntehelfer mit größter Sorgfalt umsetzten“, sagte Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk MdL am Donnerstag in Stuttgart. „Die nun gefundene Lösung ist gut. Der Vollzug muss aber nun schnell und unbürokratisch möglich sein. Wir haben schon genug Zeit für die Landwirte verloren“, so der Minister.

DRV sieht große Erleichterung

„Das ist eine große Erleichterung für die gesamte Agrarwirtschaft und damit auch für unsere genossenschaftlich orientierten Unternehmen“, sagte Franz-Josef Holzenkamp, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV). „Die Anforderungen, unter denen Erntehelfer und Saisonarbeitskräfte nach Deutschland kommen und hier arbeiten können, sind sehr hoch. Klar ist aber auch, dass der Schutz der Gesundheit aller Beteiligten oberste Priorität haben muss. Das gilt für die inländische Bevölkerung ebenso wie für die Gäste“, fügte Holzenkamp hinzu. Nun müsse allerdings auch sichergestellt werden, dass die Unternehmen die Anforderungen erfüllen können.

DFHV sieht Probleme in der Einigung

Neben der durchweg positiven Resonanz erntete die Einreisegenehmigung für Saisonarbeitskräfte beim Deutschen Fruchthandelsverbandes (DFHV) allerdings auch Kritik. Demnach werde der gefundene Kompromiss den realen Bedürfnissen der Betriebe keineswegs gerecht, benötigt werden laut DFHV rund 300.000 Saisonarbeitskräfte. Auch seien die Regelungen zu kompliziert. „In der Praxis hilft diese Regelung niemandem. Soll es jetzt an Flughäfen Versteigerungen geben, bei denen sich viele Landwirte um wenige Erntehelfer streiten, oder wer soll entscheiden, wer welche Helfer bekommt? Eine willkürliche Quote von 40.000 Personen im Monat klingt beeindruckend, ist aber nach Aussage der betroffenen Landwirte viel zu wenig“, sagt DFHV-Geschäftsführer Dr. Andreas Brügger. Auch setze sich das Innenministerium über eine Aufforderung der EU-Kommission hinweg, in der eine ungehinderte Ein- und Ausreise von systemrelevanten Arbeitskräften gefordert wurde.

Die Einzelheiten zur Einigung beim Einreiseverbot für Saisonarbeitskräfte lesen Sie in dieser Meldung.

Weitere Informationen zur Corona-Krise finden Sie außerdem unter dem Newstag „Coronavirus“.

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