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Branche wehrt sich gegen „Food-Experiment“ auf ProSieben

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Welche Auswirkungen der Konsum von stark belasteten Lebensmitteln auf den Körper hat, wollte der Journalist Jenke von Wilmsdorff in seinem jüngsten Selbstversuch wissen. Gegen viele Aussagen in der ProSieben-Sendung „Jenke. Das Food-Experiment“ wehrt sich der deutsche Obst- und Gemüsebau jetzt heftig – und zieht sogar eine Beschwerde beim Presserat in Erwägung.

Laut der TV-Sendung „Jenke. Das Food-Experiment“ können mit konventionell erzeugtem Gemüse und Obst viele Schadstoffe auf dem Teller und im Organismus landen. Symbolbild: Michael Burrows/Pexels

Jenke von Wilmsdorff führt „Food-Experiment“ fürs TV durch

Jenke von Wilmsdorff ist für seine extremen Experimente im Fernsehen bekannt. In der Vergangenheit unterzog sich der Journalist für seine TV-Reportagen beispielsweise schon einer Schönheits-OP, machte eine Extrem-Diät oder konsumierte unter professioneller Beobachtung verschiedene Drogen wie LSD, Amphetamine und Ritalin. Für seine Grenzerfahrungen erhielt der Abkömmling eines preußischen Adelsgeschlechts bereits diverse Auszeichnungen, musste immer wieder aber auch Kritik einstecken. So auch nach seinem am 1. November von ProSieben zur Hauptsendezeit ausgestrahlten „Food-Experiment“.

Unter dem Motto „Guten Appetit! Was essen wir wirklich?“ nahm von Wilmsdorff dafür zwei Wochen lang stark mit Schadstoffen belastete Nahrungsmittel zu sich und kochte etwa vor laufender Kamera ein exotisches Curry mit Dosen-Kokosmilch, indischem Reis und Gemüse aus China, das von dem TV-Journalisten vor der Zubereitung absichtlich nicht gewaschen wurde. Auch diverse Räucherfisch-Produkte, Trendnahrungsmittel wie Chia, Soja und Kichererbsen, Importerdbeeren oder ungeschälte Bananen standen auf von Wilmsdorffs Speiseplan. In der Sendung vorgestellt wurde auch das jedes Jahr von der amerikanischen Nonprofit-Organisation „Environmental Working Group“ (EWG) veröffentlichte „Dreckige Dutzend“ der zwölf am meisten durch Pestizide belasteten Obst- und Gemüsesorten, wozu aktuell unter anderem Tomaten, Staudensellerie, Birnen, Grünkohl, Spinat, Äpfel oder Trauben gehörten. Als „strahlende“ Sieger wurden schließlich Pfifferlinge aus Weißrussland und Polen präsentiert, die nach der Nuklear-Katastrophe von Tschernobyl immer noch mit radioaktivem Cäsium-137 belastet seien.

Plädoyer für regionale Bio-Lebensmittel am Ende der Sendung

In der nach zwei Wochen bei von Wilmsdorff durchgeführten Urin- und Blutanalyse wurden unter anderem Weichmacher, Quecksilber, verschiedene Pflanzenschutzmittel, Glyphosat und sogar das in der EU verbotene Chlorpyriphos nachgewiesen – oft in deutlich höherer Konzentration als vor seinem „Food-Experiment“. Der konsultierte Umweltmediziner empfahl daraufhin den Umstieg auf Bio- oder selbst angebaute Lebensmittel, um die Schadstoffbelastung im Körper zu senken. Nach nur wenigen Tagen „Bio-Diät“ hatten sich die Blut- und Urinwerte des TV-Journalisten tatsächlich deutlich gebessert, weshalb von Wilmsdorff am Ende der Sendung für „biologisch angebaute Lebensmittel, am besten aus der Region“ plädierte.

Deutscher Gartenbau „zu Unrecht mit an den Pranger gestellt“

Gegen viele der in „Jenke. Das Food-Experiment“ getätigten Aussagen wehrt sich nun allerdings der heimische Obst- und Gemüsebau. Wie der Zentralverband Gartenbau (ZVG) und die Bundesfachgruppen Obst- und Gemüsebau mitteilten, habe man sich in einem gemeinsamen Protestschreiben an Redaktion, Redakteur und Senderverantwortlichen verwandt. Der Grund: Nach der Ausstrahlung sei die Branche von verschiedenen Seiten mit den teilweise einseitigen Inhalten der Sendung konfrontiert worden, dabei sehe sich der deutsche Gartenbau zu Unrecht mit an den Pranger gestellt.

„Als Obst- und Gemüseproduzenten setzen wir uns tagtäglich für die Produktion von gesunden Lebensmitteln ein und leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt und auch zum Klimaschutz“, betonen Christian Ufen, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Gemüsebau und Jens Stechmann, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau, in dem Schreiben. „Unsere Produktion ist sicher und umweltschonend mit hohen Sozialstandards für Mitarbeiter, einschließlich Saisonarbeitskräfte. Diese Bemühungen werden durch eine tendenziöse Berichterstattung mit Vermischung von Herkünften, fraglichen Untersuchungsmethoden sowie nicht belegten Behauptungen zunichte gemacht.“ Wie der ZVG und die beiden Bundesfachgruppen erklären, sei das Schreiben mit einem Gesprächsangebot verbunden. Gleichzeitig behalte man sich vor, eine Beschwerde beim Presserat zu prüfen, wie es heißt.

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