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Bringt Salat Durchbruch für die Medizin?

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Gefriergetrocknete Salatblätter könnten die Medizin revolutionieren: Wie Forscher der University of Pennsylvania School of Dental Medicine herausgefunden haben, können die Salatblätter als Quelle für eiweißbasierte Biopharmazeutika dienen, die auch ungekühlt haltbar sind. Weiterer Vorteil: Medikamente auf Pflanzenbasis können der Studie zufolge weitaus preisgünstiger hergestellt werden als konventionelle eiweißbasierte Pharmazeutika.

Wissenschaftler der University of Pennsylvania wollen aus Salat wirksame Medikamente herstellen. Foto: UJac/Fotolia

So sei beispielsweise Insulin preislich und aufgrund der permanent erforderlichen Kühlung für den Großteil der Weltbevölkerung nicht zugänglich. Um genau diesen Hindernissen entgegenzuwirken, arbeiten Forscher der University of Pennsylvania an vergleichbaren Wirkstoffen auf Pflanzenbasis.

Effektiver Wirkstoff gegen Bluterkrankheit aus Salatblättern

So haben die Forscher laut der im Wissenschaftsjournal Biomaterials veröffentlichten Studie aus gefriergetrockneten Salatblättern einen effektiven Wirkstoff zur Behandlung der Bluterkrankheit entwickelt, der – anders als konventionelle Gerinnungsfaktoren-Konzentrate – nicht zur Bildung von neutralisierenden Antikörpern führe. Dieser Pflanzenwirkstoff erfülle die Anforderungen der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA und sei somit für die Anwendung beim Menschen geeignet. 

„Voll funktionsfähige Medikamente aus Pflanzen in großem Maßstab und ausreichender Menge für klinische Studien mit Patienten herstellen zu können, setzt einen Meilenstein auf unserem Gebiet“, erklärt Henry Daniell, Professor an der Fakultät Biochemie. Tierversuche mit den Pflanzenwirkstoffen wurden zuvor bereits an der University of Florida durchgeführt. Salat in großer Menge wird von Steve Streatfield vom amerikanischen Fraunhofer-Institut bereitgestellt.

Pharmazeutischer Salat: hydroponische Anzucht hat Vorteile

In der der FDA unterstellten Produktionsanlage des US-amerikanischen Fraunhofer-Instituts werden die Salatpflanzen hydroponisch und mit künstlicher Beleuchtung gezogen – was den Bedingungen der kommerziellen pharmazeutischen Produktion sehr nahe kommt. In einer weiteren Gewächshausanlage der University of Pennsylvania hingegen werden die Salatpflanzen in Substrat und mit Tageslicht angebaut.

Der Vorteil der hydroponischen Produktion gegenüber dem klassischen Gewächshaus liegt den Forschern zufolge darin, dass sich die Anlage jederzeit vertikal durch zusätzliche Regalböden erweitern lasse. Auf diese Weise konnten die Forscher alle vier bis sechs Wochen neuen „pharmazeutischen“ Salat ernten.