Briten exportieren rund 40 Prozent weniger Pflanzen in die EU

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Die Exporte Großbritanniens in die EU haben im Grünen Markt um fast 40 Prozent abgenommen. Foto: Call Me Fred/ Unsplash

Dass der Brexit Auswirkungen auf den Gartenbau haben werde, galt als unbestritten. Laut einer aktuellen Untersuchung der Horticultural Trades Assiciation (HTA) sind die Exporte von Pflanzen und Pflanzenmaterial aus Großbritannien in die EU sogar um fast 40 Prozent eingebrochen.

Exporte mit einem Volumen von 9,7 Millionen Pfund

Erhöhte Kosten und Beschränkungen für die britische Gartenbauindustrie beim Export in die EU haben in den ersten sechs Monaten des Jahres zu einem deutlichen Rückgang des Handelsvolumens geführt. Die Ausfuhren in die EU seien aufgrund von Kosten für die Inspektion von Pflanzengesundheitszeugnissen insbesondere bei kleinen Bestellungen, des Transports, insbesondere des Sammeltransports, des Papieraufwands, des Verbots von Kultursubstraten, der verbotenen Arten, der Zollformalitäten, der Gebühren für Zollagenten und der Vorbestellung von Inspektoren demnach stark eingeschränkt. Laut der HTA-Untersuchung haben die Exporte zwischen Januar und Juni dieses Jahres einen Wert von rund 9,7 Millionen Pfund (circa 11,5 Millionen Euro) betragen. Vergleichen mit dem gleichen Zeitraum 2019, als der Export noch ein Volumen von 16 Millionen Pfund (rund 19 Millionen Euro) hatte, ist ein Rückgang der Exporte von 39 Prozent zu verzeichnen. Verkäufe im Rest der Welt seien nahezu gleich geblieben, heißt es.

EU größter Markt für Großbritannien

Dennoch sei die EU immer noch der größte Markt für britische Gartenbauprodukte, wenngleich sich viele Unternehmen aufgrund von zusätzlichen Verwaltungskosten und Beschränkungen dazu entschließen, keine Märkte in der EU zu erschließen. Die 24 Milliarden Pfund schwere Gartenbauindustrie Großbritanniens bestehe laut HTA zum größten Teil aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die sich für den Grünen Handel Großbritanniens stark machen und die Pflanzen, Samen und Bäume exportieren wollen. Durch bürokratische Hindernisse und die enormen Kosten sei dies allerdings „geschäftsschädigend und unrentabel“ und hindere die Unternehmen daran, zu wachsen und eine Renaissance des Handels nach dem Brexit anzuführen.

Viele KMU sehen von Handel ab

Das berichtet auch David Millais der Millais Nurseries in Surrey. Fünf bis zehn Prozent seiner Ware verkaufte Millais vor dem Brexit in die EU und wollte diesen Wert bis auf 20 Prozent steigern. Durch die bürokratischen Hindernisse sei es ihm mittlerweile unrentabel, kleine Bestellungen über seinen Onlineshop in die EU zu verkaufen. Auch David Fryer des Saatgutunternehmens Mr. Fothergill's aus Newmarket kann von ähnlichen Erfahrungen berichten. Es müsse zusätzlich viel Zeit aufgewendet werden, um die Kosten für Inspektionen und Zertifikate, die Kosten für Planung und Management und das Risiko von Verzögerungen oder Zurückweisungen bei der Lieferung zu bewältigen. Mit der Kampagne „Let Britain Grow“ fordert die HTA die britische Regierung auf, ein Abkommen mit der EU auszuhandeln, um den Handel nach dem Brexit zu fördern.