Brunnenkresse: Würze aus dem Wasser

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Brunnenkresse zur Blütezeit im Sommer. Foto: Pixabay

Beim Blick auf die Blüten könnte man es fast schon vermuten: Die Brunnenkresse (Nasturtium officinale) gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und ist eng mit Radieschen und Senf verwandt. Ihre Kulturansprüche sind allerdings vollkommen anders.

Nasse Füße erwünscht

Die Brunnenkresse, die in einigen Regionen auch Bachbitterkraut oder Wassersenf heißt, ist eine echte Wasserpflanze, die stets nasse Füße und langsam fließendes Wasser wünscht. Sie wächst in Mitteleuropa wild in klaren Bächen.

Um sich dort fest zu verankern, bildet sie zusätzlich Wurzeln an den Blattachseln, eine Eigenschaft, welche die Vermehrung der Pflanze sehr vereinfacht. Frisch geschnittene Triebe werden einfach auf eine feuchte Humusschicht gestreut und wachsen innerhalb von zwei Wochen an.

Brunnenkresse seit über 250 Jahre in Kultur

In Kultur ist die Brunnenkresse seit über 250 Jahren. Sie wird in Anlagen aus Wasserbecken, sogenannten Klingen, kultiviert, bei denen sich durch eine Art Schleusensystem der Wasserstand regulieren lässt. Dieser wird etwa eine Woche vor der geplanten Ernte kontinuierlich erhöht, die Pflanzen wachsen mit, damit ihre Triebspitzen, an denen im Sommer die weißen Blüten sitzen, oberhalb des Wasserspiegels liegen.

Zur Ernte muss sich der Produzent mit Gummistiefeln ins Becken begeben oder alternativ liegend von übergelegten Planken aus arbeiten. Geerntet wird von September bis April, bei Temperaturen von unter sieben Grad Celsius stellt die Brunnenkresse ihr Wachstum allerdings ein. Bei Frost müssen die Pflanzen zudem durch Netze oder ähnliches nach unten in frostfreie Bereiche der Gewässer gedrückt werden, um danach weiterernten zu können.

Produktionsstandort Erfurt

In Deutschland ist vor allem Erfurt als Produktionsstandort bekannt, denn dort existieren Beckenanlagen, die durch eine natürliche Quelle gespeist werden, deren Wasser das ganze Jahr gleichmäßig elf Grad Celsius kühl ist. Bereits um 1740 wurde die Erfurter Anbaumethode entwickelt, die Brunnenkresse-Gärtnerei Fischer ist inzwischen das einzige Unternehmen Deutschlands, das Brunnenkresse in diesem sogenannten Dreibrunnengebiet in größerem Stil anbaut.

Das Besondere an der Brunnenkresse ist ihre erfrischende, prickelnde Schärfe, die durch enthaltene Senföle erzeugt wird. Als vitaminreiches Wintergemüse ist sie ein echtes Superfood. Die Blätter enthalten mehr Vitamin C als Zitrusfrüchte, außerdem die Vitamine A, B1, B2 und E sowie viel Kalium, Kalzium, Eisen und Jod. Sogar zur Prävention gegen Erkältungskrankheiten ist sie geeignet.