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BUGA Heilbronn: „Jede Führung ist wie eine Wundertüte“

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Über 770.000 Besucher hat die Bundesgartenschau (BUGA) in Heilbronn bislang bereits angezogen. Einige davon dürften dabei Petra Heinzelmann begegnet sein: Die gebürtige Heilbronnerin, die im „normalen“ Leben als Assistentin der Geschäftsleitung tätig ist, führt in ihrer Freizeit Gäste über das BUGA-Gelände. Wir sprachen mit ihr über Lampenfieber, persönliche Highlights und besondere Herausforderungen.

Versucht, die BUGA-Besucher mit ihrer Begeisterung für die Bundesgartenschau und für Heilbronn anzustecken: Gästeführerin Petra Heinzelmann. Foto: privat

Haben Sie vor der BUGA Heilbronn schon Erfahrungen mit Gästeführungen gesammelt?

Mit der nebenberuflichen Ausbildung 2017 zur Heilbronner Gästeführerin durch die HMG (Heilbronn Marketing GmbH) wurden uns Techniken und Wissen für unsere Stadtführungen vermittelt. Nach dieser dreimonatigen Stadtführer-Ausbildung wurden wir schon im Vorfeld in vielen abendlichen Stunden mit spezifischen Themen rund um die BUGA versorgt und konnten dieses Wissen in den letzten zwei Jahren auch schon auf den inzwischen legendären und bei den Heilbronnern sehr begehrten Baustellen-Führungen auf dem BUGA Gelände anwenden – in meinem Fall überwiegend als „Ausgleich“ am Wochenende, da ich unter der Woche normal berufstätig war und bin.

Ich bin zwar keine Blumen-Spezialistin, versuche dafür aber, die Gäste mit meiner Begeisterung für die Bundesgartenschau und vor allem für Heilbronn anzustecken – was bisher ganz gut geklappt hat.

Wie groß ist das Interesse an den Führungen? Welches war die größte Gruppe, welches die kleinste, die Sie bisher über das BUGA-Gelände geführt haben?

Das Interesse an den Führungen ist sehr groß. Viele Wiederholungstäter möchten nun das Gelände nach der Baustellen-Zeit sehen und auch weiterhin aus erster Hand vermittelt bekommen, warum, wieso und weshalb hier was entstanden ist. Seit Beginn der BUGA bestand meine bislang kleinste Gruppe aus zwei Personen, meine größte aus 30 Personen. Damit ist aber auch das Maximum für einen Guide erreicht, obwohl wir auch schon Gruppenbuchungen mit über 100 Personen hatten, welche sich dann auf vier Gästeführer aufteilen.

Die Gruppen sind sehr unterschiedlich, von geplanten Städte- und Busreisen, Betriebsausflügen bis hin zum Konfirmationsausflug und Verwandtenbesuch war schon alles dabei. Am Eingang Wohlgelegen geht es zu wie in einem Taubenschlag, dort wird eine nach der anderen Gruppe von uns Gästeführern freundlich empfangen und in die Welt der fünf Atmosphären der BUGA „entführt“.

Planen Sie die Inhalte und Stationen Ihrer Führung selbst?

Jede Führung ist für mich wie eine „Wundertüte“, oder wie Forrest Gump sagen würde, wie eine Pralinenschachtel: „Man weiß nie, was man bekommt“. Keine einzige meiner Führungen lief bislang gleich ab, sondern man passt sich individuell an die Gruppe an – je nachdem, ob es Kinder oder Senioren in der Gruppe gibt, in der Mobilität eingeschränkte Personen oder eher sportliche, Pflanzen- oder Architekturbegeisterte oder einfach Genießer.

Wenn der Auftrag zu einer Führung eingeht, schaue ich, woher die Gruppe kommt, schreibe diese meistens vorher an und frage deren Wünsche kurz ab. Das hat sich bewährt. Bei einer öffentlichen Führung ist das noch spannender, da können Einheimische wie auch Touristen dabei sein.

Wichtig ist aber auch zu schauen, wie viele Kollegen gerade wo mit Führungen unterwegs sind, wie viele Gäste generell auf dem Gelände sind oder ob es einen Aktionstag mit vielen Nebengeräuschen gibt. Das alles muss man als Gästeführer beachten und dann aus dem Kopf den entsprechenden Baustein abrufen.

Ich habe vor jeder Führung immer noch ein bisschen „Lampenfieber“, weil ich meinen Gästen in schönen anderthalb Stunden „meine“ BUGA näherbringen möchte. Eines ist allerdings immer für mich fix: Der Abschluss meiner Führung findet immer im Garten der Heilbronner statt, wo die Fundstücke des Geländes ausgestellt sind. Ein alter Schiffsbug, gebrandet mit dem Schriftzug „Bundesgartenschau“, ist hier das Highlight und ein sehr beliebter Fotopunkt.

Was werden Sie von den BUGA-Gästen am häufigsten gefragt?

Im Moment ist es die Frage nach den Blumen: Was passiert mit den Blumen nach deren Blütezeit beziehungsweise wenn der entsprechende Blütenflor gewechselt wird. Da gab es schon die Anregung, man könnte etwa die verblühten Tulpenzwiebeln doch aussortieren und sortenrein verkaufen oder verschenken. Das möchte aber vermutlich dann doch niemand den Gärtnern, die hier auf der BUGA einen wirklich tollen Job machen, zumuten. Die Gäste sind nur so begeistert von dem tollen Blumenbild auf dem Gelände, dass sie davon gerne ein Stück mit nach Hause nehmen möchten.

Welche Stationen, Geschichten und Attraktionen rufen bei Ihren Gruppen das meiste Interesse hervor?

Den Gästen gefällt neben den tollen Blumen-Arrangements auf dem Gelände vor allem, dass unser heimischer Fluss so toll in Szene gesetzt wurde. Unter uns Heilbronnern ist der Neckar auch der heimliche und eigentliche Star der BUGA. Wer das Gebiet vor der BUGA kannte, weiß, dass der Neckar dort nicht sichtbar war und vor allem nicht zugänglich. Die Planung, hier gemeinsam mit einer Bundesgartenschau ein neues Stadtviertel am Fluss ins Leben zu rufen, finden viele Gäste sehr überzeugend und wünschen sich das teilweise auch für ihre eigene Stadt. Der Neckar setzt mit dem neuen Neckaruferpark und dem Steg knapp einen Meter über dem Wasser im nördlichen Teil der BUGA  komplett neue Akzente und hat neuen Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschaffen.

Ein weiteres Highlight sind aber natürlich auch die Blumenshows der Floristen im Fruchtschuppen. Die wechselnden Shows mit Themen wie „Vergiss die Rose nicht“, „Liebeschlösser“ oder aber auch „Vintage“ verblüffen immer wieder unsere Gäste.

Haben umgekehrt Gäste schon einmal Sie zum Staunen gebracht?

Meine Gäste bringen mich immer am Ende einer Führung zum Staunen, weil sie anderthalb Stunden und knapp fünf Kilometer Strecke durchgehalten haben – und das bei Temperaturen von aktuell 30 Grad, oder eiskaltem Wind wie Anfang Mai, oder auch bei strömendem Regen. Eine Gruppe hat als Dankeschön eine Flasche Wein dagelassen, oder es gibt nach der Führung positive Rückmeldungen in Form einer Dankesmail oder eines nochmaligen Besuchs – das freut einen dann doch sehr und hinterlässt ein gewisses Glücksgefühl.

Gibt es Geschichten zu erzählen?

Geschichten gibt es viele zu erzählen, aber: Was auf der BUGA passiert, bleibt auf der BUGA (lacht). Am besten sollte jeder selber ein Teil seiner Geschichte werden und einen Besuch auf der BUGA vornehmen. Und kombiniert mit einer Führung von uns Gästeführern kann das nur gut und sehr unterhaltsam werden!