Grüne Branche

Bund der Steuerzahler mag keine bunten Bio-Möhren

Der Bund der Steuerzahler (BdSt) wirft der Bundesregierung vor, Steuergelder für angeblich absurde Projekte zu verschwenden. Auf der vom BdSt vorgelegten Streichliste für den Bundeshaushalt steht unter anderem ein Projekt des Bundeslandwirtschafts-ministeriums (BMELV) zum Züchten von bunten Möhren. 

Verschiedenfarbige Bio-Möhren könnten die Absatzchancen deutscher Gemüseproduzenten erhöhen. Foto: Julius Kühn-Institut

Rund 230.000 Euro gebe das BMELV für dieses „staatlich organisierte Finetuning von Biomöhren“ aus. Auf die Kritik des Steuerzahlerbundes reagierte die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) mit einer Presseinformation. Darin bestätigt die BLE, dass es ein dreijähriges Forschungsprojekt im Auftrag des BMELV gibt, unterstützt von der BLE.

Doch gehe es nicht um bunte Möhren. Das Ziel sei vielmehr, die Sortenvielfalt und die Züchtung von Bio-Möhren zu verbessern. Öko-Erzeugern in Deutschland sollen damit eine bessere Marktbasis und ökonomische Vorteile auf dem Weltmarkt ermöglicht werden. Den BLE-Angaben zufolge zeigte sich, dass unterschiedliche Möhrenfarben genetisch mit gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen verknüpft sind. Also haben die Forscher dieses Kriterium in die Selektion des Saatgutes mit einbezogen, denn die Färbung lasse sich beim Vermarkten zum Vorteil des heimischen Möhrenanbaus nutzen.
Alle bei der BLE eingereichten Forschungsanträge inklusive dem Bio-Möhrenzüchtungsprojekt werden vorab von unabhängigen Experten auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft, schreibt die BLE weiter.

Arbeitstitel des Projektes ist: Entwicklung verschiedenfarbiger Möhrensorten für den Bioanbau. Es wird über das von der BLE koordinierte Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) abgewickelt. Mit BÖLN-Mitteln in Höhe von 230.000 Euro wird das dreijährige Projekt gefördert. Das Projekt läuft noch bis zum 31. Oktober 2014. Beteiligte Projektpartner sind: das JKI-Institut für Züchtungsforschung an landwirtschaftlichen Kulturen in Sanitz, die Satimex Quedlinburg Handelsgesellschaft mbH, die Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Sachsen-Anhalt in Bernburg-Strenzfeld. Detailinformationen zum Projekt gibt es unter www.fisaonline.de (Rubrik Projekte – Pflanzenproduktion – Gemüse).

Da Öko-Erzeuger auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verzichten, müssen die Pflanzen unter anderem durch verbesserte Sortenzüchtungen widerstandsfähiger gegen Pilzbefall und andere Krankheiten gemacht werden. Die Wissenschaftler wollen die vorhandenen genetischen Ressourcen nutzen, weiterentwickeln und züchterisch erschließen. Dadurch soll ein qualitativ besseres sowie größeres Sortiment für alle Möhren-Erzeuger entstehen – sowohl ökologische als auch konventionelle Erzeuger.

Die Wissenschaftler wollen vor allem samenfeste und damit durch Landwirte direkt vermehrbare Sorten züchten. Diese sollen lange lagerfähig sein, Resistenzen gegen diverse Krankheiten besitzen und einen hohen Gehalt gesundheitsfördernder Inhaltsstoffe aufweisen. Ausgangspunkt der Untersuchungen waren daher die Qualitätskriterien: Inhaltsstoffe wie etwa Vitamingehalt, sensorische Eigenschaften und Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten (Alternaria dauci, A. radicina oder Botrytis cinerea), Schossfestigkeit, morphologische Homogenität, Erträge sowie Lagerfähigkeit. (rh)