Grüne Branche

Bund deutscher Friedhofsgärtner: Friedhöfe spiegeln die Gesellschaft wider

Zehn Punkte waren es, mit denen Dr. Margot Käßmann verdeutlichte, inwiefern der Friedhof ein Spiegelbild der Gesellschaft ist - positiv wie negativ. Einen engagierten Vortrag hierzu hielt die Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche Hannovers bei der öffentlichen Tagung des Bundes deutscher Friedhofsgärtner (BdF) am 9. Januar 2008 in Hannovers Kreuzkirche. Käßmann betonte in ihrem Vortrag, wie wichtig ein Ort der Trauer für Eltern, insbesondere für Frauen, bei Früh- oder Fehlgeburten ist. Die neuen Bestattungsmöglichkeiten, die hierfür in den vergangenen Jahren auf vielen Friedhöfen geschaffen wurden, seien ein Ausdruck - ein Spiegelbild - zunehmender Sensibilität für dieses Thema in der Bevölkerung. Friedhöfe können ein Stück Heimat darstellen, fuhr Käßmann fort. Wer die Namen der Toten kenne, fühle sich verwurzelt und eingebettet in eine Gemeinschaft. Die zunehmende Mobilität führe zu einem Kulturverlust, der sich auch auf den Friedhöfen zeige. Ebenso werde der Rückgang der Verwurzelung der Gesellschaft im christlichen Glauben auf den Friedhöfen deutlich, fuhr die Landesbischöfin fort. Mittlerweile würden nicht einmal mehr alle Kirchenmitglieder kirchlich bestattet. Der Verlust von Ritualen in unserer Gesellschaft zeige sich besonders deutlich rund um den Friedhof. Beileidsbezeugung seien, ebenso wie das Kaffeetrinken nach einer Beerdigung, ein Ritual, das es ermögliche, Gespräche mit anderen wieder aufzunehmen. Doch immer öfter werde darauf verzichtet. Derartige Rituale müssten neu bekannt gemacht, neu eingeübt werden. Auch die Aussegnung von Verstorbenen in ihren Wohnräumen gehöre dazu. Die Friedhöfe spiegeln auch die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft wider, fuhr Käßmann fort. Zum Teil befürwortete sie die Individualisierung, denn man müsse auch auf dem Friedhof mehr auf die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen eingehen. Die Zwänge seien, auch auf kirchlichen Friedhöfen, in der Vergangenheit oft zu groß gewesen. Dies bedeute aber keineswegs, dass die Gesellschaft keine öffentlichen Friedhöfe mehr benötige. Vehement plädierte Käßmann für den öffentlichen Friedhof als Bestattungsplatz und Ort des Gedenkens, wobei es ihr vor allem auf einen würdevollen Abschied, die Namensnennung am Grab und die Zugänglichkeit einer Grabstätte für die Öffentlichkeit ging. Probleme sieht sie bei der Mitnahme einer Urne nach Hause: Zum einen benötigten die Hinterbliebenen einen Abstand zum Toten. Zum anderen könne niemand allein Anspruch auf einen Toten erheben.

Kritisch äußerte sich die Landesbischöfin zu den teilweise sehr starren Regelungen auf deutschen Friedhöfen. Diese Regeln öffneten Alternativangeboten zur Erdbestattung Tür und Tor, weil viele Vorgaben dem Trend der Individualisierung entgegenstünden.