Grüne Branche

Bundesweite Praktika: Politiker schnuppern Baumschul-Luft

Einen detaillierten Einblick in die wirtschaftliche Situation und die eigentliche Arbeit von Baumschulbetrieben wollen derzeit wieder Bundespolitiker aller Parteien bei einem sogenannten Politikerpraktikum gewinnen.

Im Rahmen der vom Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft (BDWi) initiierten Veranstaltungsreihe „Praxis für Politik“ sollen Abgeordnete, Baumschulgärtner und die Vertreter des Berufsverbandes so ein Forum zum gemeinsamen Meinungsaustausch und der Darlegung branchenbezogener Themen erhalten.

Insgesamt 16 Abgeordnete wollen in diesem Jahr ein Politikerpraktikum in Mitgliedsbetrieben des Bundes deutscher Baumschulen (BdB) absolvieren, teilt der BdB mit. „Dabei können wir sogar eine Steigerung des Interesses an unserer Branche gegenüber den Vorjahren ausmachen“, beschreibt BdB-Präsident Helmut Selders den Erfolg dieser Aktion.

Den Anfang machten in diesem Jahr Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) in der Baumschule Kessler (Wehr) und Ralph Brinkhaus (CDU/CSU) in der Baumschule Kaltefleiter (Verl). Baumschulbetriebe in ihrem jeweiligen Wahlkreis besuchten auch Christian Lange (SPD) – Rosenstein-Baumschulen Koch-Fischer in Lautern – und Ansgar Heveling (CDU/CSU) – Baumschule Johannes Topphoff in Kaarst.

Die Abgeordneten durften sich während ihrer Kurzpraktika nicht nur an Tätigkeiten wie dem Gehölzformschnitt versuchen. Es kamen auch kontroverse Themen zur Sprache wie die Schwierigkeiten bei der Nachwuchswerbung und auch die große Konkurrenz am Ausbildungsmarkt. In diesem Zusammenhang wurde auf die Aktivitäten des Verbandes zur Image- und Nachwuchswerbung hingewiesen, die unterstützend und additiv mit weiteren Maßnahmen kombiniert werden sollten, um langfristig ein ausreichendes Fachkräftepotenzial zu sichern.

Ebenfalls diskutiert wurden steuerliche Fragen. So sieht etwa Rita Schwarzelühr-Sutter kaum Chancen, den verminderten Mehrwertsteuersatz für Baumschulprodukte mittelfristig beibehalten zu können, da der Bedarf des Staates an finanziellen Mitteln eher steigen als sinken werde.

Begrüßt wird dagegen von den Abgeordneten die Forderung nach steuerlichen Rücklagen für „Notfälle“, die durch widrige Witterungseinflüsse und Schaderreger entstehen. Allerdings merkten sie an, dass eine gesetzliche Regelung für den gesamten landwirtschaftlichen Bereich installiert werden müsse.

Zustimmung und Anerkennung bekamen die Vertreter der Baumschulbranche für die Leistungen ihrer Produkte in Bezug auf Wohlbefinden und Gesundheit. Begrüßt wurden daher von den Abgeordneten die Forderungen des BdB nach mehr Gehölzpflanzungen im urbanen und ländlichen Raum. Dies gilt laut BdB auch für die Schaffung einer „Nationalen Strategie für grüne Stadtentwicklung“ und der damit verbundenen interdisziplinären Koordination von Maßnahmen zum Erhalt und Ausbau des Stadtgrüns.

Ebenfalls Thema war die Lohnsituation. So zeigte sich Christian Lange befriedigt darüber, dass der Ecklohn der Branche deutlich über dem vorgegebenen Mindestlohn von 8,50 Euro liegt. Diskutiert wurde auch die Tarifsituation und festgestellt, dass in vielen Betrieben Engagement, eine hohe fachliche Qualifikation und eine positive Einstellung zum „grünen“ Beruf wichtige und lohnende Voraussetzungen für eine übertarifliche Bezahlung sind. (ts/bdb)