Grüne Branche

BVL widerrief die Zulassung für Methamidophos und Fenarimol ohne Aufbrauchfrist

Zum 30. Juni 2008 hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln mit den Wirkstoffen Methamidophos und Fenarimol widerrufen. Für die Aufbrauchfrist wurde dabei ebenfalls dieses Datum festgesetzt. Erfolgen musste dieser Schritt nach Angaben der Behörde, weil mit dem Auslaufen der Listung dieser Wirkstoffe in Anhang-I (die so genannte Positivliste) der Richtlinie 91/414/EWG über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln die Zulassungsvoraussetzungen für Mittel mit Fenarimol und Methamidophos nicht mehr gegeben waren. Methamidophos ist im Insektizid Tamaron enthalten, Fenarimol als Wirkstoff in verschiedenen Präparaten im Haus- und Kleingartenbereich (Pflanzen Paral gegen Pilzkrankheiten, auch vertreten als: Rosenspray Saprol F, Compo Rosen-Spray N, Pilz-frei Spiess Urania, Chrysal Rosenspray, recozit Rosenspray Pilzfrei, Rosenspray Pilz-Frei Rosal, Detia Rosen-und Zierpflanzenspray Pilzfrei sowie Delu Rosenspray Pilzfrei). Tamaron war nach Auskunft des BVL seit Anfang 2007 nur noch zugelassen -gegen Kartoffelkäfer und Blattläuse als Virusvektoren in Kartoffeln. Bis Dezember 2005 hatte das Mittel auch Indikationen gegen beißende Insekten, saugende Insekten und Kohlmottenschildlaus in Wirsing, Rotkohl, Weißkohl, Kohlrabi, Blumenkohl und Brokkoli; (bei Brokkoli handelte es sich um die Genehmigung für eine Lückenindikation, die noch bis Oktober 2006 lief). Fenarimol war zuletzt nur noch für Zierpflanzen im Haus- und Kleingartenbereich zugelassen. In früheren Jahren hatte es auch Zulassungen in Obstbau, Weinbau und Hopfen gegeben. Die Wirkstoffe Fenarimol und Methamidophos wurden im Dezember 2006 in den erwähnten Anhang I der Richtlinie 91/414/EWG aufgenommen, die die Positivliste zulässiger Wirkstoffe ("Für die Verwendung in Pflanzenschutzmitteln zulässige Wirkstoffe") darstellt. Allerdings gab es bei beiden Wirkstoffen gewisse Bedenken gegen die Aufnahme in die Positivliste, erläutert das BVL. So habe Fenarimol potenziell endokrin (hormonell) wirkende Eigenschaften. Die Aufnahme sei deshalb jeweils nur für bestimmte Verwendungszwecke und nur für 18 Monate (1. Januar 2007 bis 30. Juni 2008) erfolgt. Es wurde zwar ausdrücklich eine Verlängerungsmöglichkeit eingeräumt, aber zu einer solchen Verlängerung sei es dann weder bei Fenarimol noch bei Methamidophos gekommen. Der Widerruf von Zulassungen im Zusammenhang mit dem Zeitablauf einer Anhang-I-Listung ist neu. Bisher erfolgten Widerrufe von Zulassungen nach Angaben des BVL immer, weil auf EU-Ebene entschieden wurde, einen Wirkstoff gar nicht in die Positivliste aufzunehmen. Im Falle solcher negativen Entscheidungen (gar keine Aufnahme) sehe das Pflanzenschutzgesetz nach der letzten Novelle einerseits eine Aufbrauchfrist und andererseits eine Entsorgungspflicht nach Ende der Aufbrauchfrist vor. Auf fenarimol- und methamidophoshaltige Mittel sei -diese Regelung jedoch nicht anwendbar. Bestehen Chancen für eine Wiederzulassung? Wenn Wirkstoffe nicht in die -Positivliste aufgenommen wurden oder wenn - wie bei Fenarimol und Methamidophos - die Listung durch Zeitablauf endet, muss dies nicht das endgültige Aus in der EU bedeuten, führt das BVL zu dieser Frage aus. Grundsätzlich bestehe immer die Möglichkeit, die Wirkstoffbewertung wieder aufzunehmen. Dazu müsse die -Industrie allerdings Anträge stellen, dabei die bestehenden Bedenken durch zusätzliche Unterlagen ausräumen und eventuell noch bestehende Datenlücken füllen. Anfang 2008 gab es laut BVL noch etwa 180 "alte" Wirkstoffe, für die die Be-wertung im EU-Gemeinschaftsverfahren noch nicht abgeschlossen war. Für einige dieser Wirkstoffe werde es sicher Nichtaufnahme-Entscheidungen geben mit der Folge, dass zugelassene Mittel mit diesen Wirkstoffen widerrufen werden müssten.