Grüne Branche

CO2-Fußabdruck: Erstes Zertifikat für holländischen Bio-Gemüsebetrieb

Der Unterglasgartenbaubetrieb BiJo Logische Groenten BV (NL-’s-Gravenzande) hat mit Ende 2011 als erstes niederländisches Gartenbau-Unternehmen das Klimaschutzzertifikat „CO2-Foetafdruk“ für die Ermittlung des CO2-Fußabdrucks (carbon footprint) für die von ihm angebauten Erzeugnisse bekommen. 

In Zukunft werden die Tomaten mit CO2-Fußabdruck verkauft. Foto: EP/Jacobsen

Die Vorsitzende der öffentlich-rechtlichen Wirtschaftsgruppe Gartenbau PT (Productschap Tuinbouw), Agnes van Ardenne, überreichte Mitte Dezember 2011 das Zertifikat an die Familie Jonker, die den biologisch wirtschaftenden Gemüsebetrieb BiJo Logische Groenten führt. Der Betrieb wird nach Angaben von Mitinhaber Arno Jonker die Zertifizierung nutzen, um seine Kunden gezielt auf die erfolgreiche Verringerung der Emissionen hinzuweisen.

Das von der international tätigen, unabhängigen Kontrolleinrichtung SGS ausgestellte Zertifikat liefert nach Angaben von PT einen genauen Überblick über die Menge an Treibhausgasen, die BiJo Logische Groenten beim Anbau seines ökologisch produzierten Gemüses freisetzt. Das CO2-Zertifikat basiert auf der standardisierten Kalkulationsmethode „PAS 2050 Carbon Footprint“. Die PT hat die Methode zusammen mit dem Institut für Landbauökonomie LEI (Landbouw-Economisch Instituut) und der Umweltberatungseinrichtung Blonk Milieu Advies an die praktischen Erfordernisse des niederländischen Unterglasanbaues angepasst.

Blonk Milieu Advies unterstützte zudem den Biobetrieb bei der Kalkulation der CO2-Werte für die einzelnen Gemüsearten. Es ergaben sich bei den einzelnen Erzeugnissen stark variierende Kohlendioxidbelastungen je Kilogramm Produktgewicht: bei Radieschen 0,32 Kilogramm, bei Salat 0,68 Kilogramm, bei Gurken 1,31 Kilogramm und bei Paprika 1,77 Kilogramm CO2. Ein Kilogramm Tomaten wies einen Ausstoß von durchschnittlich 0,92 Kilogramm Kohlendioxid auf. Damit lagen nach Schätzungen von Blonk Milieu Advies die CO2-Emissionen bei den von BiJo Logische Groenten erzeugten Tomaten um rund 30 Prozent unter dem im niederländischen Unterglasanbau üblichen Niveau.

Die geringere Klimabelastung bei BiJo Logische Groenten ist hauptsächlich auf den Betrieb einer leistungsstarken Wärmepumpe mit angeschlossener Grundwasserspeicheranlage zurückzuführen. Der Betrieb der Wärmepumpe und Speicheranlage mit „grünem“ Strom macht BiJo Logische Groenten nach eigenen Angaben vollständig unabhängig von fossilen Brennstoffen.

BiJo Logische Groenten verfügt über eine Betriebsfläche von rund 15 Hektar. Im Sommer 2010 wurde ein geschlossenes Gewächshaus mit einer Fläche von rund 2,8 Hektar eingeweiht, das eine mit nachhaltig erzeugtem Strom betriebene Wärmepumpe zu Heizzwecken nutzt. Mithilfe des neuen Gewächshauses sowie einer Grundwasserspeicheranlage zur Nutzung überschüssiger Wärmeenergie kann BiJo Logische Groenten eine weitere, mit Blattgemüse bepflanzte Unterglasanbaufläche von etwa 7,4 Hektar beheizen. Durch diese nachhaltige Produktionsmethode kann das Unternehmen nach eigenen Angaben jährlich rund zwei Millionen Kubikmeter Erdgas und 3,5 Millionen Kilogramm CO2 einsparen.

BiJo Logische Groenten gilt als Vorzeigeunternehmen für das niederländische Branchenprogramm „Gewächshäuser als Energiequelle“ („Kas als Energiebron“). Das Unternehmen arbeitet schon seit längerem unter anderem mit der renommierten Universität Wageningen und der PT zusammen. In Verbindung damit hat BiJo Logische Groenten wiederholt finanzielle Hilfen der PT und des niederländischen Ministeriums für Wirtschaft, Landwirtschaft und Innovation erhalten. (EP/Hermann Schieß; Quelle: www.energieportal-hortigate.de)