Grüne Branche

CO2-Fußabdruck: Möglichkeiten im Unterglasgartenbau

„Energieeffizienz ist das Thema der Zukunft. Mit dem 1. Klimaschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen unternehmen wir den Versuch, jenseits von Legislaturperioden Klimaschutz zum Leitgesetz zu machen. Ein Gemeinschaftswerk, das offen diskutiert und nicht hinter verschlossenen Türen mit Energieversorgern verhandelt werden soll“, so Johannes Remmel, Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) im Rahmen der Fachtagung Energieeffizienz, die im September in Venlo, Niederlande, stattfand. 

Dr. Christian Geßner, ZNU, mit Martin Hannen vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW in der Diskussion mit dem Publikum. Foto: ZVG/Harring

Für den Zentralverband Gartenbau (ZVG) betonte stellvertretend Georg Hanka, Kempen, dass alle Aspekte der Nachhaltigkeit zusammengefasst werden müssten, um auf einen Nenner zu kommen. „Wir sitzen alle in einem Boot“, so Hanka. „Letztendlich geht es um Vertrauen. Vertrauen der Gesellschaft in unsere Produkte, für die wir alle gemeinsam in der Verantwortung stehen.“

Die Fachtagung im NRW-Pavillon auf der Floriade wurde im Rahmen des Projektes „Effizienter Energieeinsatz im Gartenbau“ vom ZVG zusammen mit dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen durchgeführt und spannte einen inhaltlichen Bogen von den Grundlagen des CO2-Fußabdrucks, über Möglichkeiten der Bilanzierung, der Ausstoßminimierung bis zu den rechtlichen Aspekten in der Werbung.

Dr. Michael Blanke, Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz der Universität Bonn, informierte die Teilnehmer der Tagung zum Einstieg über die Grundlagen von den Food Miles zum Carbon Footprint und der Entwicklung zum Carbon-Footprint-Standard Gartenbau PAS 2050-1 (April 2012), der jetzt als weltweiter Standard für den Gartenbau betrachtet wird. Eindrucksvoll dokumentierte er den Weg und die Perspektiven, die sich daraus für den Gartenbau ableiten lassen.

Aufbauend auf den Ausführungen zu PAS 2050-1 dokumentierte Jasper Scholten, Blonk Milieu Advies, aus dem niederländischen Gouda den Carbon-Footprint in sieben Schritten und präsentierte ein neues niederländisches Webtool für Produzenten und Handelsfirmen mit der Möglichkeit, eigene CO2-Footprints zu erstellen. Modellhaft liegen bislang Berechnungen für etwa 100 gartenbauliche Produkte vor. Für Scholten kann der CO2-Fußabdruck für interne Hot-Spot-Analysen und internes Risikomanagement genutzt werden, in der externen Kommunikation zum Einsatz kommen und Entscheidungen im Prozessablauf unterstützen.

Von ersten Erfahrungen zur CO2-Ausstoßminimierung und der Nutzung als Marketinginstrument berichtete Rupert Fey, beyond flora, Bargfeld-Stegen, für PlusPlants, einem Zusammenschluss von sieben Gartenbauproduzenten. Konzept der Gruppe ist der Aufbau einer Top-Marke für Qualitätstopfpflanzen aus deutscher, nachhaltiger Produktion von Gärtnern, die ein klares Bekenntnis zu einer nachhaltigen Produktion abgeben. Das Bemühen, den CO2-Ausstoß zu minimieren, ist dabei ein Baustein der Initiative zur Förderung der Nachhaltigkeit, die erst vor knapp einem Jahr startete.

Die rechtlichen Aspekte der Werbung mit Carbon-Footprint-Labeln werden schnell vergessen, wenn man mit Enthusiasmus erreichte Ziele kommunizieren möchte. Professor Dr. Gerhard Roller von der Fachhochschule Bingen brachte Licht in den Dschungel zur Rechtsprechung bei umweltbezogener Werbung. Wesentliche rechtliche Grundlage ist das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), das sowohl das Recht der Mitbewerber wie auch der Verbraucher im Focus hat. Wichtig ist dabei, möglichst konkret zu sein, nicht verallgemeinernd, methodisch belastbar und in Gänze wahr zu texten. Der CO2-Fußabdruck kann nur ein Baustein einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie sein und sollte nicht isoliert betrachtet werden, so der einhellige Tenor aller Referenten der Fachtagung.

Dr. Christian Geßner, Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) der Universität Witten-Herdecke, erläuterte in seinem Schlussvortrag Studienergebnisse und Untersuchungen zu Nachhaltigkeitsstrategien insbesondere im Foodbereich und den Prozess in der Unternehmensentwicklung zur Nachhaltigkeit. Dabei stehe am Anfang die Standortbestimmung, dann komme das Handeln und Messen (Benchmarking) und am Ende der Kette die Kommunikation. Für Geßner ist es wichtig, alle relevanten Anspruchsgruppen von vorn herein einzubeziehen, insbesondere die Mitarbeiter. Alle Unternehmensebenen sollten in Sachen Nachhaltigkeit qualifiziert und befähigt werden. Als Ziel der Strategie dürfe weniger eine kurzfristige Gewinnmaximierung stehen, so Geßner, als der Weg hin zu einer mittel- und langfristigen „gesunden“ Rendite.

Die Fachvorträge der Veranstaltung stehen zum Abruf zur Verfügung im Energieportal, das aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) unter Federführung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) mit Unterstützung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) finanziert wird. (zvg)