Grüne Branche

Contracting: Energie zu einem festen Preis

Gemüseanbau Niemöller in Visbek bezieht die nächsten zwölf Jahre preiswerte Wärme – und das ohne Investitionskosten. „Wir hatten keine Investitionskosten und bekommen die Wärmeenergie die nächsten zwölf Jahre zu einem festen Preis von rund drei Cent/kWh“, freut sich Stephan Niemöller. 

Der Tomaten- und Gurkenproduzent hat lediglich die Fläche für das Blockheizkraftwerk (BHKW) auf seinem Betriebsgrundstück zur Verfügung gestellt und sorgt einmal pro Tag innen für Sichtkontrolle, weitere Kontrollen führen Techniker des Betreibers online durch.

Die Geräuschbelästigung direkt neben dem Privatgarten hält sich in Grenzen, denn das Blockheizkraftwerk steht nur auf Punktfundamenten und einem Kiesbett, welches die Geräusche gut abfedert. Draußen werden lediglich 60 dB erreicht, und es ist schon eher beängstigend, wenn das Geräusch plötzlich aussetzt.

Betreiber des BHKW ist der Biogasanlagen-Hersteller Weltec BioPower (Vechta). Theoretisch wird das BHKW mit Biomethan betrieben, praktisch jedoch mit Erdgas, welches über ein Kontingent verrechnet wird. Weltec speist in der Magdeburger Gegend ausreichend Biogas aus Mais und weiteren Grundstoffen in das Gasnetz ein und entnimmt dafür Erdgas in Visbek, um das BHKW auf dem Grundstück von Niemöller zu speisen.

Das BHKW mit 400 kW elektrischer und 450 kW thermischer Leistung könnte von seiner Leistung her etwa 600 Haushalte mit Strom versorgen. Es läuft kontinuierlich im Contracting-Verfahren. Laut Planung von Weltec muss die Anlage 7.500 Stunden im Jahr laufen. Niemöller wird die Wärme von gut 8.000 Betriebsstunden abnehmen, so seine Planung, die für beide Partner zufriedenstellend ist. Im Winter werden zu Spitzenzeiten bis zu 44 MW für die Heizung pro Tag benötigt.

Niemöller garantiert die Wärmeabnahme, dafür wiederum erhält die Betreiberfirma den KWK (Kraft-Wärme-Kopplungs)-Bonus. Im Winterhalbjahr nimmt der Gemüseproduzent 100 Prozent der Wärme ab, selbst im Hochsommer werden sechs bis sieben MW Wärme am Tag benötigt, um besonders in den Morgenstunden die Feuchte aus dem Haus zu führen und die Pflanzen zu aktivieren.

Sicherheitshalber setzt Niemöller auf einen geeichten Wärmemengenzähler. Ein solcher hat schon viel Geld gespart bei der 2008 erstellten Holzheizung, weil der Kessel nicht die Leistung wie angegeben erreicht hat. Praktisch war der inklusive aller benötigter Anschlüsse bereits vorhandene 250.000-Liter-Pufferspeicher mit einer Speicherkapazität von elf MW. Das BHKW produziert 9,7 MW pro Tag.

Der Pufferspeicher diente ursprünglich zur Speicherung der Wärme aus dem Gaskessel, mit dem CO2 für die Düngung produziert wurde. Jetzt speichert der Pufferspeicher die Wärme aus dem BHKW und der 2008 erstellten Holzheizung. Die CO2-Düngung erfolgt jetzt mit technischem CO2.

Der Heizomat Holzkessel von Döpk mit 1.500 kW Nennleistung benötigt rund einen Kubikmeter Holz für 600 kW Wärme und wird hauptsächlich mit geschreddertem, unbehandeltem Verbundholz aus der Bau- und Stahlindustrie wie Paletten und Verpackungsholz gespeist. Dreimal pro Woche kam der Holzlieferant im Winter. Heute, mit der Abwärmenutzung aus dem BHKW, reicht eine Lieferung alle 14 Tage. Von Mai bis September ist der Holzkessel komplett aus. Die alte 2,4-MW-Erdgasheizung dient nur noch als Notkessel, falls die beiden anderen Wärmequellen stillstehen.

Die Wärmekosten über die Holzheizung liegen bei 2,3 Cent plus ein Cent Arbeits-, Reparatur- und Stromkosten pro kWh und sind damit unwesentlich höher im Vergleich zur BHKW-Abwärme. Die BHKW-Wärme erfordert jedoch keine Arbeit für den Gärtner, was ein großer Vorteil gegenüber der Holzheizung ist. Fraglich bleibt zudem, wie sich der Holzpreis entwickelt. Für die BHKW-Abwärme ist der Preis für zwölf Jahre gesichert.

„Man wächst und bekommt wieder neue Kunden“, beschreibt Niemöller den Kreislauf. Die Gewächshausfläche beträgt mittlerweile 1,9 Hektar. Dieses Jahr ist der Bau eines neuen 9.000-Quadratmeter-Energiespargewächshauses geplant, den Auftrag soll Bom (NL-Naaldwijk) erhalten. In der Überlegung war außerdem ein Entfeuchtungssystem nach niederländischem Vorbild von van Dijk Heating, das jedoch mit zehn bis zwölf Euro pro Quadratmeter Kulturfläche recht teuer zu Buche schlägt. Alternativ sollen nun alle acht Meter unter den Kulturrinnen Ventilatoren plus je ein Luftschlauch installiert werden, um die Luftbewegung von unten durch den Pflanzenbestand zu fördern.

Für den geplanten Neubau ist ein Antrag auf Förderung nach dem Bundesprogramm Energieeffizienz bereits gestellt. Voraussetzung für die Förderung ist eine 35-prozentige Energieeinsparung im Vergleich zu dem bestehenden Referenzhaus mit nur einem Energieschirm. Realisiert wird dies mit einem doppelten (XLS 10 Revolux plus XLS 10 H2NO) statt einfachen Energieschirm und Stegdoppelplatten an den Stehwänden. Das Dach erhält Einfachglas 91 plus mit garantiert 91 Prozent Lichtdurchlässigkeit, „weil wir das Licht brauchen“, so die Begründung.

Der Venlo-Bau erhält eine Stehwandhöhe von fünf Metern und wird direkt an den 2006 erstellten 8.400 Quadratmeter Venlo-Block gesetzt. „Dann haben wir 1,7 Hektar zusammenhängende Fläche und eine eigene Dachwaschmaschine wird interessant“, so Niemöller, der dann gern mehrmals pro Jahr für saubere Scheiben sorgen würde. Bisher reinigt ein niederländischer Lohnunternehmer zweimal von außen und einmal von innen pro Jahr.

Die fünf Meter hohen Stehwände erlauben die Kulturen weg vom Boden auf Rinnen, was arbeitstechnisch Vorteile bringt. Die entfernten Blätter verbleiben auf dem Boden, trocknen ab, und anhaftende Nützlinge wandern zurück in die Kultur. Kultiviert wird auf Steinwollmatten in Rinnen. Im ersten Jahr stehen Tomaten in den Matten, im zweiten Jahr werden je zwei der einmal genutzten Matten übereinander neu foliert und für die Kultur der Gurken genutzt. Der Kulturwechsel dient der Pflanzenhygiene und spart das Dämpfen.

Nach dem zweiten Nutzungsjahr erfolgt die Entsorgung der Steinwollmatten über eine niederländische Firma, was relativ hohe Transportkosten verursacht. Daher startete Niemöller dieses Jahr einen Versuch mit Kokosmatten von Coir Projekt, Segnitz. Vorteil der Kokosmatten ist die mögliche Entsorgung direkt auf dem Acker. „Die ersten Erfahrungen sind gut, interessant wird es im Herbst, dann stellt sich heraus, ob das Substrat nicht zu fein und damit zu feucht ist“, meint der Gärtner. Die Kokosmatten sind günstiger im Vergleich zu den Steinwollmatten, aber nur einmal nutzbar.

Gute Erfahrungen gibt es seit zwei Jahren mit dem Arbeits- und Ernte-Registraturprogramm P-Plus von Hortimax. Die Tomaten werden direkt in die Fünf-Kilogramm-Pappsteigen mit Firmenaufdruck geerntet und in der Arbeitshalle nachgewogen. In eigener Verpackung gelangt ein Großteil der Ware auf den Großmarkt Bremen. Jede zweite Kiste enthält einen Flyer mit den Hinweisen „biologischer Pflanzenschutz“ und „aus der Region“.

Für eine über das Jahr immer gute Qualität werden Gurken in drei statt zwei Sätzen angebaut mit Pflanzung Ende Januar, Anfang Mai und Ende Juli. Das verursacht zwar etwas höhere Kosten, wirkt sich aber in höheren Verkaufspreisen auf dem Großmarkt aus. Die Jungpflanzen bezieht Niemöller von Jungpflanzen Gernert (Albertshofen). Zusammen mit Achim Gernert hat er die Meisterschule besucht, das verbindet.

Ganz ohne Werbung, nur über Mund-zu-Mund-Propaganda, werden immerhin zehn Prozent der Ernte über den kleinen Hofladen verkauft, den Mutter Monika vor 20 Jahren ins Leben rief. Durch die seit zweieinhalb Jahren geschaltete Homepage mit drei bis vier Besuchern pro Tag sind auch die Hofladenkunden zahlreicher geworden. Im Hofladen sind neben den eigenen Tomaten und Gurken auch andere Gemüseprodukte vom Großmarkt im Angebot.

1949 hat Clemens Niemöller den Betrieb für Freilandgemüse in Visbek gegründet und ihn Anfang der 1980er Jahre an seinen Sohn Clemens übergeben. Dieser führt den Betrieb heute gemeinsam mit seinem Sohn Stephan, der nach dem Abschluss der Meisterschule im Jahr 2007 in den Betrieb eintrat. Seit vier Jahren ist der Betrieb zertifiziert nach QS-GAP.

Mehr unter www.visbeker-tomate.de. (ep/Gisela Fischer-Klüver; Quelle: www.energieportal-hortigate.de)