Grüne Branche

Core Recycling: Erdkegel-Wiederaufarbeitung mit Sparpotenzial

Eine Weltneuheit für die Wiederaufarbeitung von Erdkegeln hat Wiedenmann (Rammingen) entwickelt: Der sogenannte Core Recycler dient zum Aufnehmen und Aufbereiten von Erdkegeln, die beim Aerifizieren von Sport- oder Golfrasen ausgestochen werden. Der Vorteil: Durch das Recyceln der Erdkegel lässt sich bares Geld sparen. 

Die Erdkegel vor (li.) und nach dem Recyclingdurchlauf (re.) mit dem Core Recycler. Foto: Wiedenmann

17.000 Euro pro Jahr gespart durch Core Recycling

Einer der ersten, der sich den sogenannten Core Recycler angeschafft hat, ist Paul Brown, Course Manager des 1904 gegründeten Fullwell Golf Clubs. Brown kann seitdem gar nicht genug Erdkegel recyclen: Sein Fulwell Golf Club, einer der renommiertesten in Großbritannien spart dadurch über 17.000 Euro pro Jahr ein.

Eigentlich sei der konventionelle Pflegeansatz in jeder Hinsicht ein Irrsinn, so Brown: „Zwar verringern wir damit den unerwünschten Filzanteil, entfernen aber auch viel wertvolles Substrat, welches wir zuvor mühsam und teuer aufgebaut haben“, erklärt Brown. Das entnommene Material werde weggeworfen und durch neues, biologisch steriles ersetzt.

Core Recycling für geringere Ausfallzeiten

Beim Core Recycling, auf gut Deutsch „Erdkegel-Wiederaufarbeitung“, wird hingegen das biologisch aktive, mit unverzichtbarem Dünger, lebenden Mikroben und Rasenwurzelpilzen angereicherte Rasentragschichtgemisch vom Erdkegel abgetrennt und zugleich dem Boden wieder zugeführt. „Was an Biomasse erhalten bleibt, muss nicht ersetzt werden.“

Anfang 2015, nach gut eineinhalb Jahren Erfahrung, zog Brown Bilanz. Bei einer Rasenqualität auf optisch gleichem Niveau konnte das Vertikutieren mit Sandverfüllung auf eine einzige Anwendung pro Jahr reduziert werden. Auch das Aerifizieren wurde zurückgefahren. Finanziell war der Effekt deutlich spürbar: Den Club kostet diese Rasenpflege jetzt nur noch 3.530 Euro für Löhne (30 Manntage) und 6.178 Euro für gerade mal 100 Tonnen Sand, zusammen also 9.708 Euro. Macht insgesamt 17.348 Euro Einsparung – pro Jahr!

Höhere Platzqualität dank Core Recycling

Die Maßnahme kommt dem Boden nicht nur optisch zugute, sondern auch strukturell. Der Rasen sei in der kalten Jahreszeit weniger krankheitsanfällig. Obwohl 2013/14 der nasseste Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnung gewesen sei, habe die Menge an organischem Material abgenommen, was den Pflegebedarf verkleinerte, so Brown.

Der Brite bearbeitet seine Grüns mit dem Core Recycler. Technisch praktikabel ist die Maschine laut Hersteller allerdings auch für Tees, Vorgrüns und Bunkerkanten sowie sehr gut auf Mutterböden verwendbar. Sie kann unmittelbar nach dem Einsatz der Belüftungsmaschine verwendet werden, also die frisch ausgestochenen Erdkegel sofort verarbeiten. Die Anwendung ist denkbar einfach und an einem Wochenende erlernbar.

Core Recycler schafft bis zu 4.000 Quadratmeter pro Stunde

Ausgestattet mit Verbrennungsmotor und hydrostatischem Fahrantrieb, schafft die Maschine mit 120 Zentimetern Arbeitsbreite bis zu 4.000 Quadratmeter pro Stunde. Sie verfügt über einen 400 Liter fassenden Sammelbehälter mit Hochentleerung für den abgetrennten Rasenfilz. Brown reinigt den Core Recycler nach jedem Arbeitstag. Die einzige zu erwartende Abnutzung betrifft die Aufnahmebürste.

„Noch drei Jahre, dann hat sich die Maschine amortisiert“, schätzt Brown. Faktisch sei die Rechnung aber noch besser, und zwar nicht nur wegen geringerer Pflegekosten und der Einnahmen aus dem Spielbetrieb aufgrund kürzerer Ausfallzeit: „Wir werden aufgrund der guten Ergebnisse künftig mehr Flächen als bislang aerifizieren und vertikutieren, und von der dadurch gestiegenen Platzqualität profitieren.“ An diese Maßnahme zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sei früher aus Kostengründen gar nicht zu denken gewesen. (ts)