Corona-Krise: Gartenbau blickt optimistisch in die Zukunft

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Gartencenter, Gärtnereien und Blumenfachgeschäfte sind in den meisten Ländern wieder für den Verkauf geöffnet. Das kommt auch den Pflanzenproduzenten zu Gute. Foto: Christin Noelle/Unsplash

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf den Gartenbau weltweit aus? Das wollten die International Association of Horticultural Producers (AIPH) und FloraCulture International (FCI) wissen und befragten dazu Verbände in 27 Ländern. Das Ergebnis: 71 Prozent der Umfrage-Teilnehmer glauben, dass sich der Blumen- und Pflanzensektor nach der Krise bald wieder erholen wird.

Öffnung von Gartencentern und Blumenläden gibt der Branche Auftrieb

Die aktuellen Umfrage-Ergebnisse stehen im krassen Gegensatz zur vorherigen Befragung, bei der 70 Prozent der Teilnehmer noch davon ausgegangen waren, dass bis zum Ende des laufenden Jahres viele Pflanzenerzeuger ihren Betrieb aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie aufgeben müssen. „Zu sehen, dass der Optimismus in der Grünen Branche zurückgekehrt ist, macht Mut“, kommentiert AIPH-Generalsekretär Tim Briercliffe die aktuellen Prognosen.

Auftrieb dürfte der Branche unter anderem gegeben haben, dass in den meisten Ländern Gartencenter (96 Prozent) und Blumenfachgeschäfte (85 Prozent) als „essenzielle Dienstleistung“ wahrgenommen werden und demzufolge – teilweise noch vor anderen Einzelhandelsgeschäften – wieder für den Verkauf öffnen durften. Rund 46 Prozent der Befragten gehen laut AIPH und FCI davon aus, dass die Nachfrage nach Blumen und Pflanzen in den kommenden Wochen höher sein wird als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Viele Gartenfachhändler hoffen, damit die Umsatzeinbußen während des Lockdowns zumindest teilweise kompensieren zu können. 78 Prozent der internationalen Umfrage-Teilnehmer gehen ungeachtet dessen dennoch davon aus, dass die Umsätze in diesem Jahr durch die Corona-Auswirkungen insgesamt geringer ausfallen werden als 2019.

Nur wenige Länder mit staatlichen Hilfspaketen speziell für den Gartenbau

Dass Gartencenter und Blumenläden in den meisten Ländern nur vorübergehend oder gar nicht schließen mussten, hat der Umfrage zufolge auch die Überlebenschancen vieler Erzeugerbetriebe verbessert. Eine weitere Unterstützung stellen staatliche Finanzhilfeleistungen dar, die es in 78 Prozent der teilnehmenden Länder gibt. So besteht bei 44 Prozent der Befragten die Möglichkeit, Zuschüsse zu den Lohn- und Gehaltszahlungen zu beantragen, in 59 Prozent der teilnehmenden Länder werden spezielle Hilfsdarlehen angeboten, und bei einem Drittel gibt es Programme zum Ausgleich von Umsatzverlusten.

Allerdings, so schränken AIPH und FCI ein, haben nur sehr wenige Nationen speziell auf den Gartenbau zugeschnittene Hilfspakete. In Europa zum Beispiel verfügen bis dato lediglich die Niederlande über einen Notfallfonds für Landwirtschaft und Gartenbau, bei dem die Unternehmen bis zu 70 Prozent des entgangenen Umsatzes geltend machen können, wenn die Verkäufe aufgrund der Corona-Pandemie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent zurückgegangen sind. Viele Länder setzen sich bei ihren jeweiligen Regierungen für ein ähnlich maßgeschneidertes Rettungspaket ein – die Erfolgschancen dafür seien jedoch eher gering, teilen AIPH und FCI mit.

Blick in die Zukunft: Online-Handel mit Blumen und Pflanzen wird zunehmen

Mit Blick auf die Zukunft gaben 81 Prozent der Umfrage-Teilnehmer an, dass der Anteil des Online-Handels steigen wird. Da dies in den vergangenen Monaten vielerorts die einzige Möglichkeit war, Blumen und Pflanzen zu kaufen, werden viele Verbraucher voraussichtlich auch weiterhin diesen Kanal nutzen. 33 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich dadurch die Anzahl der Akteure in der Lieferkette verringern wird. 56 Prozent erwarten darüber hinaus einen Personalabbau bei den Gartenbau-Produzenten, und 30 Prozent der Befragten vermuten, dass die Blumen- und Pflanzenimporte zugunsten der heimischen Produktion sinken werden.