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Corona-Vorsorge: „Benachteiligung der Baumschulen in Bayern“

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Im Zuge der Ausgangsbeschränkungen, die in Bayern seit dem 21. März gelten, mussten im Freistaat auch alle Gartenmärkte und Gärtnereien geschlossen bleiben. Im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) werden dagegen weiter Pflanzen gekauft. Der Bund deutscher Baumschulen (BdB) Landesverband Bayern sieht darin eine Benachteiligung seiner Endverkaufsbetriebe und hat sich deshalb an das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) gewandt – nicht nur, um Verbesserungen für seine Mitgliedsbetriebe zu erwirken, sondern insbesondere der Bevölkerung eine sinnvolle Beschäftigung zuhause zu ermöglichen. Zum Schutz der Gesundheit wären die Betriebe bereit, sich selbst weitreichende Vorsorgemaßnahmen aufzuerlegen, die viele schon vor der Ausgangssperre realisiert hatten.

Supermärkte und Discounter in Bayern dürfen weiter Pflanzen verkaufen, Baumschulen mit Endverkaufsbetrieben dagegen nicht. Foto: privat

Nachfolgend der Brief des BdB Landesverbands Bayern an Hubert Bittlmayer, Amtschef des StMELF, im Wortlaut:

Brief des BdB Landesverband Bayern an das StMELF

„Sehr geehrter Herr Bittlmayer,

bitte gestatten Sie, dass ich mich heute mit einem Anliegen der bayerischen Baumschulen an Sie wende.

Die bayerische Staatsregierung hat mit der Verhängung einer Ausgangssperre auch eine Schließung der Gartenmärkte beschlossen. Dieser Schritt wurde damit begründet, dass sich diese Einkaufsstätten in den Tagen zuvor zu ‚beliebten Ausflugszielen von Familien, deren Kinder nicht in die Kita oder die Schule können, entwickelt hätten‘. Selbstverständlich ist es nachvollziehbar, dass gesundheitliche Aspekte gegenüber wirtschaftlichen Überlegungen Vorrang haben. Zur aktuellen gesundheitlichen Vorsorge gilt es, Menschenansammlungen zu verbieten.

In den kommenden Wochen werden einige Ketten des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) nicht nur Lebensmittel verkaufen, sondern auch mit speziellen Angeboten zum Thema ‚Garten‘ aufwarten. Mangels Alternativen wird der LEH damit einen noch deutlich intensiveren Kundenkontakt in Bayern erfahren. Hierbei werden viele Menschen auf einem engen, meist geschlossenen Raum in einem begrenzten Zeitfenster zusammenkommen.

Die bayerischen Baumschulen bieten an, diesen Prozess zu entzerren, indem sie sich – im Falle einer Wiederöffnung ihrer Endverkaufsbetriebe – umfangreiche und weitgehende Vorsorgemaßnahmen freiwillig auferlegen würden. Diese hätten unter anderem das Ziel, nur eine begrenzte Anzahl von Kunden gleichzeitig in den Markt zu lassen. Lieber Schlangen mit Abstand vor den Geschäften, als ein Gedränge im Inneren! Insbesondere der Verkauf im weitläufigen Verkaufsgelände im Freien sollte bei Beachtung gewisser Grundregeln eine Sonderstellung erfahren.

1. Beschränkung der Kundenzahl

  • Einlass nur für Einzelkunden (keine Familienausflüge mit Kindern).
  • Limitierung auf maximal zwei Kunden pro 100 Quadratmeter Verkaufsfläche: Damit würde die Anzahl an Kunden im Markt überschau- und kontrollierbar. Bei maximal zwei Personen pro 100 Quadratmeter Verkaufsfläche könnte ein Wert erreicht werden, den Virologen für unbedenklich halten (50 Quadratmeter/Person) und der weit niedriger sein dürfte als zum Beispiel im LEH.

2. Erweiterte Mindestabstände

  • An Kassen könnten beim Anstehen Markierungen in jeweils drei Meter Abstand angebracht werden.

3. Weitere Maßnahmen

  • Beratung und Verkauf vorzugsweise im Freien
  • Kassenpersonal trägt Schutzhandschuhe bei Barzahlungen
  • Bereitstellung von Einmalhandschuhen/-tüchern für Kunden zur Bedienung von EC-Kartenlesegeräten
  • Barzahlung ausschließlich über einen Zahlteller
  • Beschilderung über innerbetriebliche Vorsorgemaßnahmen mit Verhaltensregeln während des Einkaufes
  • Regelmäßige Desinfektion der Griffe von Einkaufswägen

Diese Maßnahmen gehen über das hinaus, was derzeit im LEH praktiziert wird. Das Konzept mit einem limitierten Einlass wäre ein System, das eine begrenzte Anzahl an Einzelkunden im Geschäft gewährleistet.

Seit der Schließung der Bau- und Gartenmärkte bedient der LEH dieses Segment zwischenzeitlich neben dem Online-Handel nahezu konkurrenzlos. Bei unveränderter Fortführung der bisherigen Maßnahmen in Bayern wird es zu schwerwiegenden wirtschaftlichen Verwerfungen zugunsten des LEHs und großen Online-Händlern wie Amazon kommen – zum dauerhaften Schaden des Fachhandels.

Situation in Grenzgebieten zu Baden-Württemberg und Hessen besonders angespannt

Besonders angespannt ist die Situation in den Grenzgebieten zu Baden-Württemberg und Hessen aufgrund gezielter Werbemaßnahmen dort geöffneter Gartenmärkte. Es findet eine erhebliche Benachteiligung der bayerischen Betriebe statt. Die Menschenansammlungen durch die bayerische Kundschaft in den Grenzgebieten stellen nicht nur für die dortige Bevölkerung ein zusätzliches Risiko dar, sondern – nach der Rückkehr nach Bayern – auch für hiesige Bürger. Mit einer Wiederöffnung der Endverkaufsbetriebe der bayerischen Baumschulwirtschaft wäre es möglich, den Ansturm von Kunden auf den LEH sowie auf Betriebe in den benachbarten Bundesländern zu verringern.

Die Situation könnte sich über die Osterferien weiter verschärfen, wenn niemand in den Urlaub fährt und die Menschen aufgrund der Ausgangssperre zu Hause bleiben und hier nach einer Beschäftigung suchen. Sinnvolle Tätigkeiten auf dem Balkon, der Terrasse und im Garten leisten einen Beitrag zur Entspannung und Beruhigung der verunsicherten Bürger.

Die heimischen bayerischen Gartenmärkte tragen durch den Verkauf von Saatgut und Nutzpflanzen (Gemüse, Obstbäume und Obststräucher), die im Haus oder im Garten kultiviert werden, einen nicht unerheblichen Teil zur Lebensmittelversorgung bei. Dies gilt sowohl für die ländlichen Gebiete als auch für die Städte. Je nachdem, wie lange die Krise noch andauert, könnte die Eigenversorgung der Bevölkerung in der Zukunft wieder ein wichtiger Faktor werden. Hierbei spielen Obstbäume und Obststräucher eine zentrale Rolle. Diese können jedoch nur erntbare Früchte tragen, wenn die Pflanzen mit entsprechendem Vorlauf vorher gepflanzt werden. Die bayerischen Baumschulen haben Obstgehölze in regionalen Sorten herangezüchtet und können diese den Freizeitgärtnern anbieten. Darüber hinaus vertreiben die meisten der im Endverkauf tätigen Baumschulen auch Gemüsejungpflanzen.

Im Freistaat Sachsen gibt es laut Landwirtschaftsminister Günther eine „klare Perspektive für Aussaat und Pflanzung. Denn die Versorgung mit Obst, Gemüse und anderen pflanzlichen Erzeugnissen ist sicherzustellen. Pflanz- und Aussaatzeit ist jetzt.“ Deshalb dürfen selbst produzierende und vermarktende Baumschulen und Gartenbau-Betriebe dort weiterhin geöffnet bleiben.

Weiteres Festhalten an Betriebsschließungen eine akute Existenzbedrohung

Aus Sicht der bayerischen Baumschulwirtschaft ist ein weiteres Festhalten an Betriebsschließungen eine akute Existenzbedrohung, da Pflanzenverkauf ein Saisongeschäft ist. Die meisten Betriebe tätigen in den Frühjahrsmonaten von März bis Mai rund 50 bis 70 Prozent ihres gesamten Jahresumsatzes und können nur so die Mitarbeiter das ganze Jahr über bezahlen. Da Baumschulgehölze häufig als Ballen- und Wurzelware verkauft werden, kann der Verkauf nur in einem sehr begrenzten Zeitfenster (bevor die Gehölze austreiben oder dann wieder ab Laubfall) stattfinden. Verkaufsreife Gehölze sind verderbliche Ware, da sie nur in seltenen Fällen weiterkultiviert oder eingelagert werden können.

Sehr geehrter Herr Bittlmayer, wir bayerischen Baumschulen bitten Sie, sich dafür einzusetzen, dass unsere Einzelhandels-Baumschulen wieder baldmöglichst öffnen dürfen. Wir wären bereit, uns die oben aufgeführten Vorsorgemaßnahmen für den Gesundheitsschutz unserer Mitarbeiter und Kunden aufzuerlegen. Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung und verbleiben

mit freundlichen Grüßen

Michael Kutter, Vorsitzender BdB Landesverband Bayern“

Weitere Informationen zur Corona-Krise finden Sie unter dem Newstag „Coronavirus“.

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