Grüne Branche

Das Große im Kleinen: Blumen Jentsch in Bargteheide

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Manchmal ist es ganz sinnvoll, das Kleine zu betrachten, um zu erkennen, wie die Herausforderungen im Großen aussehen. Man kann nach Schleswig-Holstein schauen, in das Städtchen Bargteheide im Hamburger Speckgürtel, in die Gärtnerei von Birte und Kai Jentsch. Dort sieht man im Kleinen, wie ein Endverkaufsbetrieb erfolgreich große Themen angeht.

Birte und Kai Jentsch stellen sich in ihrem Betrieb den Herausforderungen – von der Ausbildungsfrage über die Sicherstellung der Produktqualität bis hin zum Umweltschutz. Foto: Blumen Jentsch

Gute Chancen für Blumen- und Pflanzenfachgeschäfte

Erfolgreich und beispielhaft sind Birte (Meisterfloristin) und Kai Jentsch (Meisterflorist und ausgebildeter Gärtner) wichtige Themen wie Mitarbeiterbindung, Umweltschutz, Markenbildung oder die Sicherstellung der Produktqualität auf hohem Niveau angegangen, seit sie 1997 in vierter Generation den elterlichen Betrieb übernommen haben. Verbunden war das mit dem Umbau und der deutlichen Erweiterung der Geschäftsräume um 800 Quadratmeter. Ihr Beispiel macht deutlich, dass für Blumen- und Pflanzenfachgeschäfte gute Chancen bestehen, wenn sie sich den Herausforderungen stellen.

Um Mitarbeiter zu binden beziehungsweise zu locken, bastelt ein Großteil der deutschen Unternehmen an Personalprogrammen. In diese Richtung agieren auch Birte und Kai Jentsch. Ihr Unternehmen ist Mitglied von „Beruf und Familie im Hansebelt“. Die gemeinnützige GmbH hat die Aufgabe, für Mitarbeiter der teilnehmenden Firmen eine Notfallbetreuung für Kinder zu organisieren. Bei den vielen weiblichen Mitarbeitern im Blumeneinzelhandel ist das – für beide Seiten – eine attraktive Zusatzleistung im Rahmen der Mitarbeiterbindung.

Umweltschutz in der Gärtnerei Jentsch

In puncto Umweltschutz ist es Birte und Kai Jentsch in den vergangenen zehn Jahren gelungen, „den CO2-Ausstoß des Betriebes um 95 Prozent zu verringern“. Die Heizanlage wurde umgebaut, Öko-Strom wird bezogen, der Fuhrpark wurde auf Elektrofahrzeuge (kürzlich kam das vierte E-Fahrzeug dazu) und die Beleuchtung auf LED umgestellt, gegossen wird mit Regenwasser.

Die Eigenproduktion – darunter Tulpen, Frühjahrsblüher, Beet- und Balkonpflanzen, Schnittchrysanthemen, Herbstzauber und Weihnachtssterne – wurde auf den eigenen Bedarf ausgerichtet und darauf beschränkt. „Das relativ breite Programm rechnet sich“, sagen Birte und Kai Jentsch, es bietet eine gewisse Unabhängigkeit vom globalisierten Blumen- und Pflanzenhandel. Wichtiger noch ist „der Aspekt der Kundenorientierung“, der regionalen und lokalen Ausrichtung. Die Kunden aus der Region kaufen Saisonprodukte aus der Region.

Innovationspreis Gartenbau für federführend initiiertes Regionalprojekt

Zentrale Bezugsquelle ist ansonsten der Blumengroßmarkt Hamburg, weit über hundert Erzeuger bieten dort regionale, tagesfrische Ware aus den Vier- und Marschlanden an. Dieses regionale Bekenntnis zieht sich durch das gesamte Unternehmenskonzept. Über das federführend durch Birte und Kai Jentsch initiierte Regionalprojekt Nordfreun.de soll über ein „Netzwerk entlang der gesamten Wertschöpfungskette“ die Verfügbarkeit regional produzierter Ware transparent gemacht werden – auch für diejenigen, die wegen der Entfernung nicht auf dem Blumengroßmarkt Hamburg einkaufen können. Die Initiative wird von der Hamburger Wirtschaftsbehörde unterstützt.

„Die Bedeutung regional produzierter Ware soll deutlich gemacht werden, diese soll in weiterem Umkreis als bisher zur Verfügung stehen und auch die soziale Rolle der Vier- und Marschlande als Kulturlandschaft soll gestärkt werden“, erklärt Kai Jentsch. Nordfreun.de wurde mit dem Innovationspreis Gartenbau ausgezeichnet.

Welche Strategien Birte und Kai Jentsch noch verfolgen – etwa in der Ausbildungsfrage, zur Darstellung im öffentlichen Raum, der Ansprache jüngerer Zielgruppen oder der Markenbildung – lesen Sie in unserem ausführlichen Porträt in der Gärtnerbörse 9/2019.