Grüne Branche

Das Imageproblem – der Friedhof braucht ein Gesicht

Der Friedhof hat ein Imageproblem. Menschen interessieren sich zwar für historische Bestattungskulturen und Prominentengräber, mit dem Friedhof im Wohnort will aber kaum jemand etwas zu tun haben. Ideen, wie das zu ändern ist, gibt es nachfolgend.

Natürlich gibt es überall einige eingefleischte Heimatforscher, es gibt Singles, die auf dem Friedhof noch mehr Ruhe suchen, und es gibt ein paar fleißige Grabpflegerinnen. Aber das war es. Jeder weiß allerdings ganz genau, wo sich in seiner Gemeinde der Friedhof, oder die Friedhöfe befinden. Die Menschen assoziieren mit dem Friedhof im beginnenden dritten Jahrtausend noch nicht einmal Trauer und Abschied, sondern gruselige Gestrigkeit: die mit letzter Kraft täglich zum Friedhof eilende Witwe, hohe Kosten, nicht existierende Flexibilität, juristische Hürden, Bodendecker, nierenförmige Hochglanzgrabsteine, Discount-Erika - zwölf Stück zum Preis von zehn, Verwaltung, geklaute Gießkannen, matschige Wege oder Grabschändung.

Dann erzählen die Menschen auch, mit steigender Tendenz, immer gerne die Stammtischparolen über die Abzocke mit dem Tod, dass eigentlich doch gar kein Sarg notwendig sei und dass die Kommune sich doch nur über den Friedhof saniere. Der Friedhof ist in Deutschland zu einem Antiort geworden. Eine Institution, die auf ungeschickte Art und Weise ein Low-Interest Produkt anbietet.

Seltsam ist nur, dass sich die Menschen in anderem Zusammenhang sehr für Bestattungskultur interessieren. Aber eben nur für die historischen Bestattungskulturen, oder für Prominente. Viele fahren für viel Geld nach Ägypten, um sich die Pyramiden anzusehen, die größten Grabmale der Menschheit überhaupt. Fast jeder Paris- und Pragtourist besucht die historischen Friedhöfe. In Rom sind es die Katakomben, in Potsdam es das Grab von Friedrich dem Großen, in Indien ist es das Taj Mahal, und in Tennessee ist das Grab von Elvis in Memphis ein Pflichtziel. Lesen Sie mehr dazu in der April-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 14.