Grüne Branche

Das Ohlsdorfer Friedensfest 2012

Zum „Ohlsdorfer Friedensfest“ vom 21. Juli bis 5. August 2012 fanden zahlreiche kulturelle Veranstaltungen an den Sammelgräbern der Bombenopfer auf dem Friedhof Ohlsdorf statt, um der Opfer des Zweiten Weltkrieges und des Nationalsozialismus’ zu gedenken und an Verfolgung und Widerstand zu erinnern.

Das Hauptthema des Friedensfestes 2012 war die Frage: „Wie werden traumatisierende Erfahrungen an die Folgegenerationen weitergegeben?“ Veranstalter ist das Bündnis Ohlsdorfer Friedensfest.

Der historische Hintergrund: Der Hamburger Feuersturm im Juli und August 1943 hat zahlreiche Opfer unter den Hamburgern verursacht, viele Überlebende traumatisiert und tiefe Spuren im Stadtbild hinterlassen.

Es gibt zur Erinnerung an diese Katastrophe eine zentrale Grabanlage, die unmittelbar nach den Bombardierungen Hamburgs auf dem Ohlsdorfer Friedhof angelegt wurde sowie eine etwas später eröffnete Gedenkstätte, das Bombenopfer-Mahnmal.

Was geschah am Bombenopfer-Mahnmal?

Am Mahnmal versammelten sich - jeweils im August der Jahre 2006 bis 2009 - Rechtsradikale. Sie marschierten schwarz gekleidet auf die Anlage, sangen alle Strophen des Deutschlandliedes, zeigten schwarze Flaggen und legten Kränze nieder, fotografierten die eigenen Aktionen und stellten sie mit Text auf Internetforen der rechten Szene. Ziel sei die Erinnerung an den „alliierten Bombenterror“, den „Bombenholocaust“, so ihre Darstellung. Da diese Veranstaltungen bei der Friedhofsverwaltung nicht angemeldet wurden und an Sonntagen stattfanden, waren Art und Umfang der Aktionen unbekannt.

Erst als im Folgejahr die Veranstaltung von einem Verein zur Erhaltung von Denk- und Ehrenmälern mit Genehmigung unter strengen Auflagen stattfand, wurde offensichtlich, dass es sich dabei um eine rechtsradikale Tarnorganisation handelte. Da gegen die Auflagen verstoßen wurde, die beispielsweise das Marschieren in geschlossenen Verbänden und das uniform-ähnliche Auftreten verboten, konnte die Veranstaltung im Jahr 2010 ganz untersagt werden. Mit Unterstützung der Polizei wurden die anrückenden „Kameraden“ gestoppt. Sie wurden aufgefordert, den Friedhof zu verlassen. Dieser Aufforderung kamen sie zwar nach, es war jedoch eine Woche später dennoch ein Kranz am Bombenopfer-Mahnmal niedergelegt. Diese Erzwingung eines ungenehmigten Gedenkens verstärkte nochmals die Bemühungen, das Treiben der Rechtsradikalen mit anderen Mitteln als dem Verbotsverfahren voran zu treiben.

Fazit: Das Verbotsverfahren war im Ergebnis erfolgreich, da es sich auf konkrete Verstöße gegen die Auflagen stützen konnte. Es konnte nur in Zusammenarbeit mit Friedhofsverwaltung, Geschäftsführung der Hamburger Friedhöfe AöR sowie Aufsichtsbehörde (in diesem Fall der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt) erarbeitet und mit Unterstützung der Polizei durchgesetzt werden. Die Friedhofs- und die Bezirksverwaltung sowie die Polizei wurden nach den Vorkommnissen aufmerksam und unterstützen einander mit Informationen, Ideen und gegebenenfalls Beamten vor Ort.

Die Gründung des Bündnisses Ohlsdorfer Friedensfest

Doch dies reichte nicht aus, denn der Ort sollte für einen konstruktiven Umgang mit der Geschichte und zur Entwicklung einer gegenwärtigen Gedenkkultur zurückgewonnen werden. Die Beteiligten kamen zu dem Schluss, dass die Opfer des Bombenkrieges nicht dazu missbraucht werden dürfen, die Ursachen des Zweiten Weltkrieges umzudeuten und die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren, was die Neonazis durch ihre Kundgebungen auf dem Friedhof wiederholt versucht haben. Es galt, insbesondere den geschichtsrevisionistischen Tendenzen der Neonazis entgegen zu treten und zwar durch inhaltliche Akzente und offensive Gegenentwürfe zur „Gedenkkultur“ der Neonazis. Mehr dazu in der Oktober-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 15.