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DBU-Projekt: erster Leitfaden Torfmoosvermehrung

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Ergebnis eines dreijährigen DBU-Projekts: Erstmals gibt es Handlungsempfehlungen zur Vermehrung von Bulttorfmoosen in der Hochmoor-Renaturierung. „Leitfaden zur Torfmoosvermehrung für Renaturierungszwecke“ nennen sich die 64-seitigen Ausführungen.

Gramoflor führte bereits 2011 die ersten Versuche zur Vermehrung von Bulttorfmoosen durch. Das Foto zeigt die Anzuchtstation im Werk in Vechta. Foto: Gramoflor

Verfahren zur Vermehrung und aktiven Ausbringung von Bulttorfmoosen

Entstanden ist die Handlungsempfehlung im Rahmen gemeinsamer Forschungsarbeiten der Stiftung Lebensraum Moor, des Substratherstellers Gramoflor und des Instituts für Landschaftsökologie (ILÖK) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Gemeinsam haben die Projektpartner erstmalig Verfahren zur Vermehrung und aktiven Ausbringung von Bulttorfmoosen in wiedervernässten Hochmooren nach Abtorfung entwickelt, wie Gramoflor dazu bekannt gibt.

Bulttorfmoose wesentlich für die Regeneration von Hochmooren

Bereits seit den 1980er-Jahren werden in Nordwestdeutschland industriell abgetorfte Hochmoorflächen als Folgenutzung für die Renaturierung hergerichtet und wiedervernässt. Bei der Mehrzahl dieser Renaturierungsflächen wurde das Ziel einer Hochmoor-Regeneration jedoch noch nicht erreicht.

Ein wesentlicher Grund dafür ist der Mangel an hochmoortypischen Pflanzenarten, insbesondere an Bulte bildenden Torfmoosen, deren spezifische Eigenschaften wesentlich für die Regeneration von Hochmooren und deren Ökosystem-Funktionen sind. Hauptursache hierfür ist das heute meist vollständige Fehlen von Spenderpopulationen im Umfeld der Abbaufläche.

Langfristig wieder Torf bildende Hochmoore in Deutschland?

Bereits 2011 hatte Gramoflor die ersten Vermehrungsversuche durchgeführt, um die begrenzt vorhandenen heimischen Bulttorfmoose zurück in die Renaturierungsflächen zu bringen, 2015 war das Kooperationsprojekt offiziell gestartet.

Die Erfolge der mehr als dreijährigen Forschungsarbeiten, die die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 147.000 Euro gefördert hat, lassen darauf hoffen, langfristig wieder wachsende und Torf bildende Hochmoore im Nordwesten Deutschlands etablieren zu können.

Leitfaden nennt Beispiele erfolgreicher Vermehrungsanlagen

In dem 64-seitigen Leitfaden finden sich unter anderem auch sechs Beispiele erfolgreicher Vermehrungsanlagen sowie umfangreiche Informationen zur Vermehrung. Demnach haben sich für eine rasche und effiziente Vermehrung seltener Bulttorfmoose Bewässerungstische oder Kisten im Freiland als geeignet erwiesen, um die Moose durch die wechselnden Witterungsbedingungen abzuhärten.

Neben einer geeigneten Flächenherrichtung ist die Verfügbarkeit von Wasser mit ausreichender Qualität eines der größten Hindernisse für eine Vermehrung im Freiland, informiert der Leitfaden. Für die Nutzung eines Wasserreservoirs können der starke Zersetzungsgrad des Torfs und die Wasserqualität begrenzende Faktoren sein.

Folgeprojekt überprüft Durchführung und Nachhaltigkeit

In einem weiterführenden und erneut von der DBU fachlich und finanziell geförderten Forschungsprojekt wird nun in den kommenden drei Jahren die Durchführung und Nachhaltigkeit der aktiven Einbringung von Bulttorfmoosen unter praxisnahen Bedingungen und in größerem Maßstab überprüft – auch, um die Erreichbarkeit von Renaturierungserfolgen für die Zukunft besser einschätzen zu können.

Die Ergebnisse sollen 2022 in Form eines zweiten Handlungsleitfadens veröffentlicht werden.