Den Käfern auf der Spur

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Hündin Cara sucht mit Angelika Jensen in Baumschulkulturen nach Käfern. Foto: A. Jensen

Auf der jagd nach ALB und CLB
Cara, Tara, Isabell und Pauline schnüffeln, was das Zeug hält – an Bäumen, Verpackungsholz und Containerware: Inzwischen sind in Schleswig-Holstein vier Jagdgebrauchshunde mit Erfolg im Einsatz, um das Einschleppen des Asiatischen Laubholzbockkäfers und des Citrusbockkäfers im nördlichsten Bundesland zu verhindern.

Der asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis Motsch.) und der Citrusbockkäfer (), kurz ALB und CLB, gelten in Europa und auch Deutschland als Quarantäneschädlinge und stellen für den europäischen Pflanzenschutz ein großes Problem dar.

Zwar leben die aus Ostasien stammenden Insekten als ausgewachsene Käfer nur vier bis acht Wochen, große Schäden richten sie aber in den rund zwei Jahren an, in denen sie als Larve unter der Baumrinde und im Holz von Laubbäumen leben und fressen. Bei anhaltendem Befall kann der gesamte Baum absterben.
Problematisch ist, dass der Käfer in Deutschland außer dem Specht keine natürlichen Feinde hat und auch dieser eine Käfer-Population nicht regulieren kann. Der Einsatz von Pheromonfallen eignet sich nicht zur Ausrottung und auch Pflanzenschutzmittel sind nicht wirksam oder in der Anwendung so problematisch, dass bisher keine Zulassung erteilt wurde.

Bei der Einreise abfangen
Meist kommen die Baumschädlinge aus Fernost versteckt im Palettenfuß von minderwertigem Verpackungsholz ins Land, etwa bei Natursteinimporten aus China, Indien oder Taiwan (ALB), aber auch in Pflanzen wie Fächerahorn und Mini-Bonsais (CLB). Die Spürhunde-Teams helfen dabei, den Käfer bereits bei der Einreise abzufangen, beispielsweise in den Häfen von Hamburg, Bremen und Bremerhaven, oder bei der Ankunft von Baumschulgehölzen aus Befallsgebieten wie Norditalien auf dem Weg ins Pinneberger Baumschulland.

Gleichzeitig schnüffeln sie auch nach dem ebenfalls schädlichen Zitrusbockkäfer aus Asien, der bislang noch nicht in Deutschland aufgetaucht ist. Nach bisherigen Erfahrungen sind die Einfallspforten in den vom ALB befallenen Gebieten immer Naturstein-Import- und Handelsbetriebe gewesen. Deshalb unterliegen diese Betriebe sowie auch Gewerbegebiete und deren nähere Umgebung inzwischen einem regelmäßigen Monitoring.

Schädling breitet sich aus
Der Asiatische Laubholzbockkäfer zählt zu den 100 schädlichsten invasiven Tierarten für Laubhölzer weltweit. Er befällt ausschließlich lebende Laubbäume, bevorzugt Ahorn, Rosskastanie, Weide, Birke und Pappel, kann aber auch auf Obstkulturen und angrenzende Waldgebiete übergreifen.

Die geschätzten Kosten für Rodung, Monitoring und Neupflanzung belaufen sich rund um den Globus inzwischen auf mehrere Milliarden Dollar. Allein Bayern investiert jährlich 2,8 Millionen Euro in die Käferbekämpfung.

Hunde als Lösung
Ostermann, selber Jagdgebrauchshundeführer, war schnell klar, dass Spürhunde mit ihrer hervorragenden Nasenleistung eine effektive Abwehrmethode gegen Käferlarven sein können. Er hat sehr viel unternommen und Überzeugungsarbeit geleistet, damit die Käferspürhunde überhaupt ausgebildet werden konnten. Deren Ausbildungskosten sind mit 5.500 Euro pro Hund im Vergleich zum Schaden, den der Käfer anrichtet, verschwindend gering. Ostermann wandte sich an Angelika Jensen aus Heidmühlen, die seit über 40 Jahren Jagdhunde ausbildet, und auch Ostermanns Terrier in ihrer Jagdhundeausbildung begleitete.

Langwierige Ausbildung
Seit 2009 trainiert sie Hund und Hundeführer und hat inzwischen über 60 Teams erfolgreich ausgebildet, 20 davon aus Deutschland. Um die Fähigkeit des Käferschnüffelns zu lernen, konfrontierte ihre Partnerin Dr. Gabriele Sauseng, die für die Hundeausbildung zuständig ist, die Hunde bereits am ersten Kurstag mit dem Duft einer Larve des Laubholzbockkäfers.

„Die Grundausbildung besteht aus zwei aufeinander aufbauenden Kurswochen, zwischen denen über acht Wochen intensives Üben liegt“, sagt Angelika Jensen. In dieser Zeit werden Hundeführer und Hunde gleichermaßen ausgebildet. Der Hundeführer lernt alles über die Quarantäneschädlinge, Gegenmaßnahmen und Folgen, Verwechslungsmöglichkeiten mit heimischen Käferarten, Vorschriften und Vorgehensweisen, Nasenleistung der Hunde und weitere wichtige Dinge. Der Hund seinerseits wird auf verschiedene Einsatzorte vorbereitet und seine Nase sensibilisiert.

Von Hafen bis Privatgarten
Zu Angelika Jensens Aufgaben gehört auch das gelegentliche Kontrollieren von Waldgebieten sowie das Abklären von Verdachtsfällen. „Wenn der Hund etwas anzeigt, egal ob im Hafen oder im Privatgarten, kommt der zweite Hund, um den Verdachtsfall zu bestätigen. Wird ein Befall angezeigt, übernehmen die Pflanzenschutzdienste der Länder das weitere Vorgehen und es folgen die Laboruntersuchungen mit den daraus resultierenden Meldungen und dem Einleiten der Quarantänemaßnahmen, wie es die EU-Quarantäneverordnung vorschreibt.“
Claudia Kordes, Bilsen

Den ausführlichen Artikel mit vielen weiteren Informationen lesen Sie in Ausgabe 07/2017 Deutsche Baumschule.

 

 

 

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