Grüne Branche

Der Frankfurter Hauptfriedhof – Geschichte, Gedenken, Gefallene

Rund 400 Jahre lang wurden die Toten der ehemaligen Freien Reichsstadt Frankfurt am Main zentrumsnah auf dem Petersfriedhof bestattet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts platzte der ringsum bebaute Friedhof buchstäblich aus allen Nähten. Im Norden der Stadt, damals weit außerhalb, wurde daraufhin ein neuer Friedhof geplant. Er ging am 1. Juli 1828 in Betrieb.

Erbaut 1928 für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, erinnert die Gedenkstätte seit 1945 an die Opfer aller Kriege. Im Innern liegt die Skulptur eines gefallenen Soldaten. Foto: Herrgen.

Der alte Petersfriedhof wurde mehr als 370 Jahre lang genutzt. Obwohl mehrfach erweitert, reichte der Platz schon im 18. Jahrhundert nicht mehr aus, um jeden Verstorbenen in einem eigenen, neuen Grab beizusetzen; der Friedhof war hoffnungslos überbelegt. Dies führte dazu, dass in bestehende Gräber schon nach zehn bis 15 Jahren hinzu bestattet wurde. Nach der Schließung des Domfriedhofs ab 1812, als auch Katholiken wieder auf dem Petersfriedhof beigesetzt wurden, verschärfte sich die Lage dramatisch. Die Stadt beschloss sodann die Errichtung eines neuen Friedhofs weit außerhalb des damaligen Siedlungsgebiets, auf dem Areal zwischen Eckenheimer und Friedberger Landstraße.

Der neue Friedhof

Der seinerzeit amtierende Stadtgärtner Sebastian Rinz (1782 bis 1861) legte den Neuen Friedhof im Stil eines englischen Landschaftsgartens an. Die Einteilung in Gewanne, Felder und Grabreihen folgt zwar einem orthogonalen Ordnungsprinzip. Die Einstreuung von (Sitz-) Plätzen, Grünflächen, Bäumen und gelegentlich schlängelnden Nebenwegen machte die Anlage jedoch von Beginn an auch zu einem großen Park. Kunstvolle Denkmale, Skulpturen und dauerhafter Grabschmuck, Inschriften und Gedenkplatten sorgten für die Ausgestaltung.

Maria Catherine Alewyn, eine holländische Adelige, war die erste Verstorbene, die am Eröffnungstag des Neuen Friedhofs, dem 1. Juli 1828, dort bestattet wurde. Nur 52 Jahre alt war sie während einer Reise im Frankfurter Gasthof „Zum Schwan“ plötzlich verstorben. Eine Gedenktafel im Gewann D, an der Mauer 192 erinnert heute an den Beginn der Belegung auf dem später Hauptfriedhof genannten Grabfeld.

Nach 184 Jahren sind aus den Gehölzen Baumgiganten geworden. Der Friedhof ist überwiegend schattig, Steine sind vermoost, Farne spießen aus dunkeln Ecken. „Der Frankfurter Hauptfriedhof ist ein Spiegel der Stadt, aber wie alle Friedhöfe“, schrieb die Sprachwissenschaftlerin Ebba D. Drolshagen, „spiegelt er auch die Geschichte unseres Denkens wider“. Ihr Buch „Der Melancholische Garten“ beleuchtet den Frankfurter Hauptfriedhof unter kulturhistorischem Interesse und beschäftigt sich mit der Sprache der Grabsteine und der Symbolik in den Grabhallen und Mausoleen. Lesen Sie mehr dazu in der November-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 32.