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Der Glanz des Lebens: Aschediamant und Erinnerungskörper

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Bestattungskultur und Trauerprozesse verändern sich. Die Vorstellung, aus der Kremationsasche Verstorbener Schmuckgegenstände zu erzeugen, ist längst keine Science Fiction mehr, sondern mitten in Europa Realität. Anders als im deutschen Bestattungsrecht besteht im europäischen Ausland die Möglichkeit, aus der Asche von Verstorbenen Schmuckstücke herstellen zu lassen.

Sogenannte Erinnerungsdiamanten werden aus Teilen der Totenasche oder einer kleinen Haarmenge hergestellt. Symbolbild: Pixabay

Buch beantwortet Fragen rund um Aschediamanten

Auf technischem Wege werden hier Erinnerungsartefakte produziert, die die Verstorbenen repräsentieren. Neu ist, dass die sterblichen Überreste post mortem materiell im Artefakt enthalten sind. In der Bestattungskultur gibt es dafür keine Vorbilder.

Welche Rolle spielen diese Aschediamanten im Trauerprozess? Wie gehen Angehörige mit ihnen um? Welche Rolle spielt Ästhetik? Wie reagiert das soziale Umfeld auf diese Metamorphose? Inwiefern wird hier die Idee der Reliquie erneuert? Diese Fragen beantwortet das Buch „Der Glanz des Lebens – Aschediamant und Erinnerungskörper“ von Thorsten Benkel, Thomas Klie und Matthias Meitzler. Es basiert auf Interviews mit Personen, die sich für diese Form des Totengedenkens entschieden haben. Auf rund 70 Seiten haben die Autoren Stimmen aus der Alltagspraxis zusammengestellt.

Autoren besuchten Produktionsstätten von Aschediamanten

Neben der zentralen Fragestellung zur ursprünglichen Entscheidung und dem Wissen über diese Möglichkeit, erfuhren sie beispielsweise, mit welcher Methode der Wunsch nach einem Diamanten umgesetzt werden konnte und ob im Sinne des Verstorbenen gehandelt wurde. Zusätzlich zu den geführten Alltagsinterviews haben die Autoren Produktionsstätten der Edelsteine besucht und konnten die Produktionsabläufe kennenlernen. Sie haben mit Experten gesprochen und waren bei Übergaberitualen anwesend. Außer praktisch-theologischen und soziologischen Bewertungen kommen in Fallanalysen Betroffene zu Wort.

Verändern Aschediamanten Trauerprozesse?

Am Ende beleuchten Benkel, Klie und Meitzler in dem Kapitel „Einsichten und Aussichten“ beispielsweise den Wert und die Wirkung eines Diamanten und beschäftigen sich mit der Frage, ob der Diamant Trauerprozesse verändert.

Wie Ascheteilung, Erinnerungsschmuck und -diamanten aus Totenasche rechtlich einzuordnen sind, lesen Sie in der Friedhofskultur 2/2020. Dort fasst Torsten Schmitt, Rechtsanwalt und Rechtsreferent bei der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas, die rechtlichen Aspekte der funeralen Sachkultur zusammen.