Grüne Branche

Der schwierige Weg zum fairen Kredit

Unternehmer – gerade Klein- und Mittelständler – die heutzutage einen Kredit benötigen, müssen gewaltig gut vorbereitet sein auf die Verhandlungen mit der Hausbank. „Gartenbauer haben es vielleicht noch ein bisschen schwerer, weil hier oft Werte geschaffen werden, die für die Banken kaum Sicherheiten darstellen“, sagt Jürgen Forster. Der gelernte Zierpflanzengärtner und studierte Gartenbauer arbeitet für die Gartenbau-Unternehmens-Beratungsgesellschaft (GUB) in Frankfurt. Er zeigte den Teilnehmern des diesjährigen Azaleen- und Erikenseminars die Fallstricke bei solchen Kreditverhandlungen auf.

Laut einer Umfrage im Auftrag der Kreditanstalt für Wiederaufbau, bei der 5000 mittelständische Unternehmen aus allen Sparten Auskunft gaben, werden nur noch 41 Prozent der Kreditgesuche bewilligt. Bei einem Achtel der befragten Unternehmen kündigte die Bank sogar die Geschäftsverbindung oder drohte zumindest damit.

Die besondern Produktionserschwernisse des Gartenbaus machen es den Kreditbewilligern nicht leicht. „Hier wird viel Geld verbaut. Doch muss im Falle einer Insolvenz verkauft werden, kommt davon meist nur ein geringer Bruchteil wieder rein.“ Außerdem wäre das ausgeprägte Saisongeschäft und der damit einhergehende hohe unterjährige Finanzierungsbedarf für einen fachfremden Kreditvermittler kaum kalkulierbar. „Nimmt man dann noch die Witterungsabhängigkeiten erstens bei der Produktion und zweitens auch noch beim Absatz hinzu, kann man die Vorsicht der Bankleute schon verstehen.“

Insofern dürften Bankleute gerade bei Gartenbaubetrieben froh sein, dass sie gesetzlich verpflichtet wurden, die kreditrelevanten Kriterien nicht mehr nur nach eigenem Gutdünken ermitteln zu können, sondern anhand fester Vorgaben ermitteln zu müssen. Zumal ab 2006 die Finanzierungskosten per Gesetz vom sogenannten Rating abhängig gemacht werden. Die dabei aufgestellte Abschätzung über die wirtschaftliche Fähigkeit eines Kreditnehmers, in Zukunft seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, muss demnach zwingend vorliegen.

Welche Anforderungen die Hausbank bei einer Kreditvergabe an ihre Kunden stellt und was der Antragsteller beachten sollte, fasste Jürgen Forster folgendermaßen zusammen:

• gute Vorbereitung der Verhandlung und „achten Sie darauf, dass sie nicht gestört werden, wenn das Gespräch bei ihnen im Betrieb stattfindet“,

• aktuelles Zahlenmaterial vorlegen,

• nicht kleckern, sondern klotzen und „den notwendigen Kreditrahmen nicht so klein bemessen, dass sie in Kürze einen weiteren Kredit beantragen müssten,

• Konditionen richtig vergleichen,

• negative Entwicklungen des Betriebes nicht vertuschen,

• Bank rechtzeitig über das Anliegen informieren,

• Gespräche möglichst sachlich, nicht emotional führen,

• Angebote der Bank kritisch prüfen, denn „die bieten einem auch viel Mist an, der über teure Versicherungspolicen abgedeckt werden soll“,

• Berechtigte Interessen der Bank anerkennen, doch „haben sie durchaus auch ihre eigene Meinung, was berechtigt ist und was nicht“. Die Einsicht in die private Einkommensteuererklärung beispielsweise ist nach Forsters Ansicht kein berechtigtes Interesse mehr,

• die wichtigsten Inhalte und Eckpunkte des Gespräches schriftlich festhalten und der Bank zuschicken. „Wenn darin Dinge stehen, die nach Ansicht der Bankleute so nicht vereinbart wurden, sind sie verpflichtet, Einspruch zu erheben.