Grüne Branche

Der Sonne entgegen – bestattet auf der Himmelsleiter

Vor fast fünf Jahren wurde die katholische Herz-Jesu-Kirche in Hannover-Misburg kurzzeitig entwidmet – das Bistum Hildesheim hatte sie auf die Liste der 50 Kirchen gesetzt, die es nicht mehr benötigte. Dann aber entstand dort eines von wenigen Kolumbarien in einer Kirche.

Die wunderschöne, im neuromanischen Baustil errichtetet Kirche entkam ihrem Schicksal glücklicherweise, weil sie eine Besonderheit von anderen unterschied: Sie stand und steht unter Denkmalschutz, so dass man sich auf die Suche nach einer neuen Nutzungsmöglichkeit machte. „Voraussetzung war allerdings, ein Konzept zu finden, das sich selber trägt“, erläutert Johannes Kollenda, heutiger Geschäftsführer und Inhaber einer Agentur für Unternehmenskommunikation. Und so entstand der Gedanke, aus der Herz-Jesu-Kirche ein Kolumbarium zu machen. Nach drei weiteren Kirchen im Bundesgebiet entstand so das vierte, in einer katholischen Kirche angesiedelte Kolumbarium.

Himmelsleiter als Urnenplatz

Nach zwei vorübergehenden Jahren der Entwidmung beherbergt das Kirchenschiff heute 26 Himmelsleitern aus einer Stahl-Glas-Konstruktion, die zusammen Platz für 1.300 Urnen bieten. Eine Erweiterung um 1.300 Plätze ist auf Dauer möglich. DieIdee der Himmelsleiter orientiert sich an der biblischen Geschichte der Jakobsleiter aus dem Buch Genesis. Die Himmelsleiter öffnet den Weg in die Zukunft bei Gott und ermutigt mit der Vision des Himmels zum Antritt der letzten Reise. Die Himmelsleitern befinden sich in den Seitenschiffen des Kolumbariums. An dünnen Stangen gehalten, streben lichtdurchlässige Hüllen aus Glas von der Erde gen Himmel. Darin befinden sich die Urnen der Verstorbenen. Durch das getrübte Glas bleibt die eingeschlossene Urne umrisshaft erkennbar, erst die Frontplatte aus klarem Glas gibt die Sicht auf die Urne frei. Dort werden auch der Name, dasGeburts- und Sterbedatum des Verstorbenen eingraviert.

Für den Umbau nahm das Kolumbarium einen Kredit in Höhe von 550.000 Euro auf, finanziert auf 20 Jahre. Um weiterhin Bestattungen in der Kirche möglich zu machen, wurde – sorgfältig kirchenrechtlich geprüft – der deutlich sichtbar von den Seitenflügeln getrennte Altarraum wieder zur Kirche mit seinem ewigen Licht geweiht, während die Seitenflügel mit den Himmelsleitern und die zusätzlichen Räume in den Seitenteilen als Friedhofsfläche neu eingeweiht sind. Das Kolumbarium Herz-Jesu fungiert als eigenständiges Objekt. Lesen Sie mehr dazu in der Dezember-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 22.