Grüne Branche

Der Sukkulenten-Doktor: vom „Freak“ zum Unternehmer

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Wo man in der Branche auch immer hinhört, weit verbreitet ist die Meinung: Es ist ungeheuer schwer, junge Nachfolger für Gartenbau-Betriebe zu finden. Noch viel seltener finden sich junge Menschen, die eine Gärtnerei neu gründen. Daher ist das, was Dr. Sebastian Wittek aus dem Boden stampft, außergewöhnlich. Zumal der junge Biologe sich einem Produkt widmet, das bisher ein Nischendasein führt: Sukkulenten.

Witteks Liebe zu Sukkulenten schon früh geweckt

Das Faible von Dr. Sebastian Wittek (Jahrgang 1988) für Sukkulenten ist ein klassisches Beispiel dafür, wie schon in der Kindheit zufällig Leidenschaften geweckt werden, die das weitere Leben prägen. Er war gerade einmal sieben Jahre alt, als er in einem Baumarkt zwei kleine Sukkulenten entdeckte, die ihn durch ihre skurrile Erscheinung sofort faszinierten. Schon mit 13 Jahren verkaufte er dann auf Trödelmärkten Sukkulenten aus eigener Produktion. Mit 15 Jahren erhielt er bei einer Friedhofsgärtnerei die Möglichkeit, ein Gewächshaus zu nutzen. Die Mietkosten arbeitete er ab.

Mit 16 Jahren arbeitete er neben dem Schulbesuch in einer weiteren Gärtnerei, „um mehr Erfahrungen im Gartenbau zu sammeln“. Während seine Freunde ein Leben zwischen Disco, Party und anderen, in dem Alter üblichen Freizeitvergnügen führten, drehte sich bei Sebastian Wittek alles um seine Sukkulenten-Sammlung. „Natürlich galt ich als Exot, als Freak“, erinnert er sich.

Sukkulenten-Doktor nennt etwa 250.000 Pflanzen sein Eigen

Aus dem Freak wurde ein Unternehmer, der sein „Hobby zum Beruf gemacht hat“ und heute etwa 250.000 Töpfe sukkulente Pflanzen sein Eigen nennt. Und dies, obwohl er alternativ zu seinem heutigen „16-Stunden-Tag“ eine akademische Laufbahn hätte einschlagen können. Sebastian Wittek studierte in Köln Biologie mit Schwerpunkt Botanik und dem Spezialgebiet der In-vitro-Vermehrung.

2017 promovierte er, im Oktober des Jahres gründete er in Rommerskirchen seinen Gartenbau-Betrieb. Den führt er alleine, nur seine Mutter hilft beim Topfen. In drei Gewächshäusern mit je 150 Quadratmetern kultiviert er Zimmersukkulenten, auf weiteren 150 Quadratmeter winterharte Sukkulenten plus 150 Quadratmeter Freiland. „Alles in Handarbeit, ohne Kreditaufnahme, nur mit dem Geld, das ich seit meinem 13. Lebensjahr angespart habe.“ Schon mit 31 Jahren spricht Dr. Sebastian Wittek von „meinem Lebenswerk“.

Portfolio von Wittek umfasst rund 1.500 Sorten

Rund 1.500 Sorten (80 Prozent Sukkulente, 20 Prozent Kakteen) umfasst sein Portfolio. Eine ungeheure Vielfalt, wenn man bedenkt, dass in einem durchschnittlichen Gartencenter gerade mal 20, 30 Sorten verkauft werden. Dr. Sebastian Wittek ist im wörtlichen Sinne selbstständig. „Ich mache meine eigenen Kreuzungen und mische meine Substrate selbst, aus Humus und Vulkangestein“, erklärt er.

Im Durchschnitt dauert es ein Jahr, bis eine Pflanze verkaufsfertig ist – es können aber auch über fünf Jahre sein. Die Topfgrößen sind 5er-, 7er-, 9er-, 12er- und auch einige 16er- sowie Minitöpfe. „Mir geht es um Qualität, ich kultiviere hart, mit viel Licht“, erklärt er seinen Anspruch. Schwierig sei es, an außergewöhnliche Mutterpflanzen zu kommen: „Es gibt für viele Arten keine Jungpflanzen-Betriebe, ich bin ständig auf der Suche.“ Verkauft werden seine Sukkulenten und Kakteen über Pflanzenbörsen, Kakteenmärkte, aber auch Stadtfeste.

Mehr über den „Sukkulenten-Doktor“ Dr. Sebastian Wittek lesen Sie in der TASPO 32/2019, die in unserem Online-Shop abrufbar ist.