Grüne Branche

Der Tod in der Karikatur – ein Ausstellungskatalog

Professor Koos van Weringh war Initiator und Leihgeber dieser Ausstellung, die ursprünglich breiter die Darstellung des Todes in Zeitungen spiegeln sollte. Während der Vorbereitungen zeigte sich die kaum museal fassbare Vielfalt dieses Themas, weshalb man eine reizvolle Beschränkung auf Karikaturen aus dem 20. Jahrhundert vornahm. Die fertige Ausstellung mit einigen hundert Exponaten wanderte darauf von Wadgassen bei Saarlouis nach Kassel (dort noch bis 1. Mai 2011 im Sepulkralkultur-Museum).

Den Zeitläufen entsprechend waren Kriege häufig Thema europäischer Karikaturisten, nicht allein die beiden Weltkriege. Militärische Politik, Mörderhand, aber auch zunehmende Technisierung des Alltags, Verkehr, Weltraumfahrt, Aids und Umweltverschmutzung wurden besonders intensiv als Handlanger des Todes karikiert – wie es den Umständen entspricht mit sehr schwarzem Humor. Weil Diktaturen jedoch Humorlosigkeit innewohnt, stammen besonders gelungene Karikaturen des vergangenen Jahrhunderts häufig aus politisch neutralen Staaten wie beispielsweise den Niederlanden.

Das Friedhofsgewerbe findet sich eher in harmlosen Scherzhaftigkeiten wie der Idee aus dem Satiremagazin „Simplicissimus“, Jahrgang 1921, zur Unterhaltsdeckung von Gräbern „Reklametafeln“ am Grabstein anzubringen: „Müllers Mittel gegen O und X Beine“. Steinmetze erhalten überdies 19 komische Anregungen aus der 1960er Jahren zur minimalistischen Gestaltung individueller Grabsteine.

Wer einmal kritischen Umgang mit dem Todesthema sucht und unbefangen seine professionelle Pietät hinterfragen möchte, kann aus der Lektüre dieses sorgfältig edierten und mit ausführlichen historischen Informationen versehenen Katalogs originelle wie unterhaltende Anregungen empfangen.

„Der Tod in der Karikatur“, Herausgegeben von der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz Deutsches Zeitungsmuseum, 160Seiten, Klappenbroschur, Krüger Druck + Verlag, ISBN978–3–932036–41–5, Vertrieb: www.saarlandmuseum.de, € 19,90.

Bernd Litke, Frankfurt/M.