Grüne Branche

Deutsche Baumpflegetage mit neuem Teilnehmerrekord

Die Veranstalter (Forum Baumpflege) der Deutschen Baumpflegetage verzeichneten in diesem Jahr einen neuen Teilnehmerrekord: rund 1.500 Besucher aus 18 Ländern kamen nach Augsburg. Auch die Ausstellerzahlen sind gestiegen: 117 Aussteller aus sechs Ländern präsentierten ihre Produkte und Dienstleistungen. Entsprechend zufrieden zeigte sich Prof. Dr. Dirk Dujesiefken, Geschäftsführer von Forum Baumpflege. 

Weltpremiere feierte der neue multifunktionale Turm im Kletterforum. Foto: Martina Borowski

Er schätzt, dass 15 bis 20 Prozent der Teilnehmer aus dem Ausland kamen. Vor allem sind diese am Kletterforum interessiert. So gab es in diesem Jahr erstmals das Angebot der Simultanübersetzungen der deutschen Vorträge, was gern angenommen wurde. Das Kletterforum hat insgesamt mehr Platz bekommen. Eine neue Halle wurde hinzugenommen, die deutlich bessere Präsentationsmöglichkeiten bot.

Ein Highlight im Kletterforum war der zehn Meter hohe Kletterturm, der in Augsburg Weltpremiere feierte. Für ihn wurde eigens ein Fundament gebaut. Das Konzept des Turmes stammt von Mark Bridge (Baumpartner CH-Basel; Treemagineers, UK-Rannoch). Gebaut wurde er in Wales, wohin er nach den Baumpflegetagen auch wieder gebracht wurde. An dem Turm fanden einige Vorführungen statt, so etwa über die dynamischen Kräfte und Ankerpunktbelastungen beim Klettern und Rigging.

„Mit dem multifunktionalen Turm können wir hoch akkurate Lastenmessungen durchführen und damit Dinge, die in der Vergangenheit vielfach diskutiert wurden, endlich erspürbar und erlebbar machen“, freute sich Mark Bridge. So waren auch viele Baumkletterer beeindruckt, welche Kräfte entstanden, wenn das 100-Kilogramm-Normgewicht in die Tiefe stürzte.

Fachpartner der diesjährigen Tagung war die Universität Kopenhagen, wo einige interessante Untersuchungen zu Standortsanierung und Baumschutz durchgeführt worden sind. So wurden die Erfahrungen mit überbaubaren Baumsubstraten in Dänemark vorgestellt und Erkenntnisse zur Baumstabilität und Baumverankerung. Ein weiteres Thema waren Baumschäden durch Auftausalze. Versuche in Dänemark mit alternativen Taumitteln und anderen Methoden zur Minderung von Salzschäden, wie zum Beispiel abschirmende Elemente, zeigen, dass es baumfreundliche Wege gibt.

Ein Konzept zur Standortsanierung von Bäumen mit Salzschäden stellten Markus Streckenbach (Sachverständigenbüro für urbane Vegetation) und Klaus Schröder (Osnabrück) vor. Das von ihnen beschriebene Konzept sieht vor, dass nach Austausch des vorhandenen Bodens das streusalzhaltige Oberflächenwasser durch bauliche Maßnahmen aus dem Wurzelraum abgeleitet wird.

Immer wichtiger wird bei der Baumkontrolle und Baumpflege der artenschutzrechtliche Aspekt, welcher von mehreren Vorträgen aufgegriffen wurde. So ging es beispielsweise um Ökologie und Lebensraumansprüche von Baumhöhlen bewohnenden Tierarten und darum, wie ein Baumkontrolleur oder Baumpfleger Habitatstrukturen der Fledermaus erkennen kann. Welche Lösungswege es gibt, wenn Bäume als Lebensraum geschützter Arten nicht mehr verkehrssicher sind, zeigte ein weiterer Vortrag auf.

Pünktlich zur Tagung erschien auch das Buch „Artenschutz und Baumpflege“ (Haymarket Media), das von einem Autorenteam fachübergreifend geschrieben wurde und einige der Themen in Augsburg vertiefend darstellt. Die Inhalte der Fachvorträge im Großen Saal sowie die Beiträge der wissenschaftlichen Posterausstellung sind nachzulesen im Jahrbuch der Baumpflege 2014 (Haymarket Media, ISBN: 9783878152460). (bo)