Grüne Branche

Deutschlands Dächer werden grün

Das „Ländle“ macht‘s vor
Grüne Dächer, grüne Carports, grüne Tiefgaragen, von der einfachen extensiven Begrünung bis zum aufwändig intensiv begrünten Dachgarten - Dachbegrünungen sieht man immer häufiger und in manchen Gegenden sind sie schon fast selbstverständlich. Besonders in stark besiedelten Ballungsräumen, in denen das Stadtbild durch Asphalt, Stein und Beton geprägt ist, kompensieren Dachbegrünungen die abhanden gekommene Natur.

Foto: GPP/ZinCo.

Gründach für die Umwelt
Jedes Jahr werden mehrere Millionen Quadratmeter Dachflächen in extensive Grünflächen oder intensiv begrünte Dachgärten und Naturoasen umgewandelt. Dies geschieht mit besten Gründen für Gebäude, Umwelt und vor allem für die Menschen. Ein Grünes Dach sorgt für einen verbesserten Wärme- und Kälteschutz, es schafft neuen (Ersatz-) Lebensraum für Pflanzen, Tiere und auch für die Menschen. Besonders begehbare Dachgärten haben einen unmittelbaren Einfluss auf das Wohn- und Lebensgefühl. Durch die Bindung und Filterung von Staub- und Schadstoffen wird auch das Kleinklima in der direkten Umgebung verbessert. Die temperaturausgleichende Wirkung verbessert den Kälte- und Wärmeschutz des Hauses erheblich, die Energiekosten werden gesenkt und die Lebensdauer des Daches verlängert. Außerdem haben die Gärten oben auf dem Dach für ihre Bewohner einen ganz besonderen himmelnahen Reiz und erhöhen den Wert der Immobilien.

Engagement zahlt sich aus
Darüber hinaus wird das ökologische Engagement der Hausbesitzer mit grünen Dächern von vielen Städten und Kommunen mit einer Senkung der Abwassergebühren belohnt. Denn die Vegetationsschicht einer Dachbegrünung wirkt als Wasserspeicher mit Filterwirkung und entlastet dadurch die Kanalisation und das Portemonnaie der Hausbesitzer zusätzlich. Der Verwaltungsgerichtshof VGH mit Sitz in Mannheim hat in einem Gerichtsurteil vom März 2010 bestimmt, dass Abwassergebühren für Schmutz- und Niederschlagswasser in Baden-Württemberg nicht mehr alleine nach dem Wasserverbrauch berechnet werden dürfen. Das heißt, dass Gemeinden bei der Berechnung der Abwassergebühren - sowohl für die Ableitung von Schmutz- wie auch von Niederschlagswasser nicht mehr einen einheitlichen Frischwassermaßstab zugrunde legen dürfen. Hier ergeben sich deutliche Einsparpotentiale für Besitzer von Gebäuden mit Dachbegrünungen. Denn durch diese neu geschaffenen entsiegelten Flächen kommt es bei Niederschlag neben der vermehrten Pflanzen- und Bodenverdunstung zu einem geringeren Oberflächenabfluss. Ganz im Gegensatz zu Grundstücken mit versiegelten Flächen, von denen das Regenwasser nicht direkt ins Erdreich versickern kann. Daher leisten Dachbegrünungen auch einen wichtigen Beitrag beim Hochwasserschutz. Je nach Bau- und Begrünungsart können bis zu 90 Prozent der Niederschläge auf den Dachflächen zurückgehalten werden. Durch vermehrte Verdunstung über die Pflanzen und das Vegetationssubstrat  wird der Niederschlag direkt in den natürlichen Wasserkreislauf zurückgeführt.

Mit gutem Beispiel voran

In Baden-Württemberg sind in den letzten Jahrzehnten bereits viele Quadratmeter Dachflächen begrünt worden - Tendenz steigend. Werden neue Baugebiete in Städten und Kommunen ausgeschrieben, gibt es teilweise Baugenehmigungen nur mit der Auflage, Flachdächer und Carports zu begrünen oder gleich ganze Dachflächen in grüne Ausgleichsflächen umzuwandeln. „Grün macht Schule" hieß es beispielsweise bereits vor rund zehn Jahren als die Grund- und Hauptschule in Unterensingen eine Dach- und Fassadensanierung bekam. Die Gebäude erhielten nicht nur eine extensive Begrünung mit einem Sedumteppich, auch eine gemeinschaftlich betriebene Solaranlage wurde gleich mit installiert. In Freiburg entstanden auf dem so genannten „Sonnenschiff" - einem Gebäudekomplex, der als Abriegelung zwischen der Merzhauser Straße und der Solarsiedlung Freiburg-Schlierberg dient - mehrere Penthäuser. Zwischen den Penthäusern wurden begehbare Dachgärten angelegt. Landschaftsgärtner errichteten zusätzlich neben einer Sonnenterrasse Hügelbeete, in denen beispielsweise Sträucher als Sichtschutz gepflanzt wurden. Ein außergewöhnliches Gründach entstand auf dem Wohn- und Geschäftshaus Zoller in Vaihingen/Enz. Aufgrund der erschwerten Zugangsmöglichkeiten zum Tonnendach musste die Begrünung dauerhaft pflegearm und dennoch so gut verwurzelt sein, dass es zu keinen Erosionserscheinungen kommt. Eine Herausforderung für Planer und Landschaftsgärtner und ein Beispiel, das zeigt, dass auch bei schwierigsten Dachverhältnissen eine Begrünung möglich ist.