Grüne Branche

Die Anfänge des Gärtnerberufs: Arme Krauter, kundige Mönche und rührige Zunftmeister

Die diesjährige Sonderausstellung des Deutschen Gartenbaumuseums (DGBM) in Erfurt „Gärtner – Beruf mit Tradition und Zukunft“ wagt einen langen Blick zurück in die Vergangenheit des Berufsstandes. Aber bis zum Gärtner und Gärtnermeister heutiger Zeit war es ein verschlungener Weg. 

Gärtner vor Gartenbeet: Holzschnitt n. Hans Weiditz d. J. 1557, Original: Staatl. Museen zu Berlin, Kunstbibliothek. Foto: DGBM

Die vom Deutschen Gartenbaumuseum konzipierte Sonderausstellung zeigt bis zum 31. Oktober anhand zahlreicher originaler Exponate die Facetten des Gärtnerberufs vom 15. bis ins 20. Jahrhundert. Abbildungen, Fotografien und Dokumente veranschaulichen die Wandlungen des Gärtnerberufs durch die Epochen.

Wenn in frühesten Schriftquellen des Mittelalters „gertari“ oder „gartineri“ genannt werden, so handelte es sich keinesfalls um Gärtner im heutigen Verständnis, sondern lediglich um Menschen, die ein Stück Gartenland bewirtschafteten. Die Besitzer oder Pächter solcher Gartenstücke gehörten in dieser frühen Zeit einer ärmeren, bestenfalls kleinbäuerlichen Schicht an (Kätner, Krauter, Häusler), die sich eher notdürftig u. a. von ihren Gartengewächsen ernährte und relativ geringes Ansehen besaß. Von einer Gärtnerausbildung konnte keine Rede sein. Man wirtschaftete einfach nach bestem Wissen, wie es schon die Großeltern taten.

Einen ersten, kräftigen Schritt in Richtung eines professionellen Gärtners unternahmen die mittelalterlichen Klöster. Besonders die Zisterzienser betrieben seit etwa 1100 in Form von Mustergütern in entlegenen Landesteilen neben Landwirtschaft auch Gartenbau für Kräuter, Obst und Gemüse. Ihre theoretischen Kenntnisse über den Gartenbau bezogen die Mönche aus Fachbüchern der Antike und von Kirchenlehrern. Manche von ihnen verfassten selber Schriften über Gartengewächse und ihre Kultivierung wie beispielsweise der Benediktiner Walahfrid Strabo auf der Insel Reichenau im Bodensee. Er schrieb im Jahr 827 sein berühmtes „Liber de cultura hortorum“ („Buch über die Gartenkultur“).

Einzelne Klosterbrüder waren von ihrer Gemeinschaft dazu ausersehen, die praktische Gartenarbeit zu erledigen. Insofern könnte man mit einiger Berechtigung die mittelalterlichen Klöster als früheste Keimzellen eines späteren Gärtnerberufs bezeichnen. Dort wurde gärtnerisches Fachwissen systematisch gesammelt und von zu Gärtnern bestimmten Klosterbrüdern praktisch angewendet. Durch die Klöster gewann der Gartenbau deutlich an Gewicht.

Die nächste Etappe hin zu einer Gärtnerprofession erfolgte vor den Toren der mittelalterlichen Städte. Dort wohnten Menschen, die größere Gartenflächen speziell für Gemüse kultivierten, ihre Familien mit Gartengewächsen versorgten und überschüssige Produkte auf den städtischen Märkten verkauften. In Frankfurt am Main beispielsweise wurden erstmals im Jahr 1215 Gärtner urkundlich erwähnt und in der späteren Gartenbaumetropole Erfurt im Jahr 1315 ein gewisser „Heinrich der Gertenere“ namentlich genannt. In den Gärten vor der Stadt arbeitete die ganze Familie, wobei es oft Frauen waren, die für den Verkauf sorgten. Allerdings war der Erlös aus der Gartenbewirtschaftung bescheiden. Man konnte kaum davon leben. Ihre Besitzer gehörten immer noch zur ärmeren Bevölkerung.

In bedeutenden Städten des späten Mittelalters, in denen der Gartenbau intensiver betrieben wurde, schlossen sich die im Gartenbau tätigen Einwohner ähnlich wie die Handwerker in Zünften zusammen. Aus Basel ist die älteste bekannte Gärtnerzunft von 1268 bekannt, 1351 in Straßburg, 1370 in Lübeck und 1373 in Würzburg. Die Gärtnerzünfte waren die ersten Kooperationen, die in ihren Statuten für eine geregelte Ausbildung zum Gärtner sorgten. Der Meister einer Zunft als Lehrherr musste einen anerkannt guten persönlichen und fachlichen Ruf genießen. Er durfte nur einen Lehrling aufnehmen.

Die Lehrzeit dauerte in der Regel drei Jahre und endete mit dem Gesellenbrief. Es schlossen sich zwei bis drei Jahre gärtnerischer Tätigkeit bei anderen in der Gärtnerei erfahrenen Meistern an. Nach Abschluss dieser Gesellenzeit bot sich die Möglichkeit, die Meisterprüfung abzulegen. Sie bestand im Nachweis von Kenntnissen in der Pflanzen- und Obstsortenkunde sowie in der Pelzerei (Obstveredelung). Seit der Renaissance im 16. Jahrhundert musste der Kandidat mit einem Meisterstück zeigen, dass er beispielsweise in der Lage war, einen Wurz- oder Irrgarten anzulegen.

Aber Zünfte waren für vieles mehr zuständig als nur für die Ausbildung. Sie regelten alle Belange ihres Berufsstandes und vertraten gegenüber dem Magistrat ihre Interessen. An der Spitze standen Zunftmeister. Zu den Aufgaben einer Gärtnerzunft gehörten: Regelung des Anbaus, Qualitätskontrolle der Gartenprodukte, Einhaltung der Marktregeln und Verkaufspreise, Entscheid über die Niederlassung von Gärtnern. Darüber hinaus unterhielten Zünfte Unterstützungskassen bei Krankheit und Tod. Ferner wirkten sie bei der Brandbekämpfung und Verteidigung ihrer Stadt mit.

Zünfte wachten auch über das Privatleben ihrer Mitglieder und deren Auftreten in der Öffentlichkeit. Schon damals war „Imagepflege“ ein wichtiger Punkt. Der gute Ruf galt viel. Gärtnerzünfte hatten sehr lange Bestand. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts mussten sie neuen Entwicklungen weichen. An ihre Stelle traten Vereine und Verbände. (dgbm)