Grüne Branche

Die Bedeutung der Baumpflege wächst, besonders in der Stadt.

Mit dem Schwerpunkt "Klimawandel und Umweltveränderungen" griffen die Deutschen Baumpflegetage in diesem Jahr ein aktuelles Thema auf. Der Besucherrekord von 840 Teilnehmern bestätigte die Themenwahl und das Konzept der Tagung, die vom 15. bis 17. April in Augsburg stattfand. Die Auswirkungen des Klimawandels tauchten in den verschiedenen Fachvorträgen immer wieder auf - ob es dabei um die veränderten Standortbedingungen für Stadtbäume, neu eingeschleppte Schädlinge, sich stark ausbreitende Baumkrankheiten oder auch Stammanstrichstoffe als thermischen Rindenschutz ging. Es scheint, als ob sich die ohnehin schon bekannten Problemfelder der Stadtbäume durch den Klimawandel weiter verschärfen. Prof. Dr. Steffen Rust von der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), Göttingen, vertrat sogar die Meinung, dass in Zukunft generell von einer kürzeren Lebenserwartung von Bäumen an urbanen Standorten auszugehen sei. Andererseits wächst durch den Klimawandel und die damit verbundenen längeren und häufigeren Hitzewellen im Sommer auch die Wertschätzung des Stadtgrüns. "Die Lebensqualität in unseren Städten hängt stark vom so genannten Straßengrün ab. Bäume in Parks und an Straßenrändern sind Nahrung für unsere Seele. Sie müssen daher bei zunehmender Verstädterung nicht nur erhalten, sondern auch stark vermehrt werden", betonte Prof. Dr. Hartmut Graßl, ehemaliger Professor für Allgemeine Meteorologie der Universität Hamburg und ehemaliger Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Seiner Meinung nach wird in Zukunft Baumpflege noch viel intensiver notwendig sein als bisher. Ähnlich sieht es Florian Bellin-Harder, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Landschaftsbau/Vegetationstechnik der Universität Kassel. Angesichts des Klimawandels seien nicht allein neue, trockenheitsresistente Baumarten für die Stadt zu diskutieren, sondern die Pflege der Bäume stehe mit neuer Aktualität auf der Tagesordnung. "Das Gedeihen von Bäumen in der Stadt wird wesentlich von der Planung bestimmt, die die künftige Pflege mit bedenkt oder nicht." Bellin-Harder bezog sich dabei vor allem auf das Aufasten der Straßenbäume. Dabei gehe es nicht nur um das möglichst frühzeitige Aufasten, sondern auch um die letztendliche Aufastungshöhe, das Lichtraumprofil von 4,50 Meter, welche viele Bäume nicht aufweisen.