Die „Echten“ bewahren vor Enttäuschungen

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Zwerg- und Säulenobst für kleine Gärten
Schöne Blüten, interessanter Wuchs und attraktive Laubfarbe – das reicht vielen Kunden nicht, sie wollen ihre Pflanzen auch schmecken. So gewinnen Naschgärten an Bedeutung. Neben Gemüsepflanzen wie Küchenkräutern, Tomaten und Chili profitieren Obstgehölze von diesem Trend. Doch dieser sollte richtig bedient werden.

Eine relativ neue Gruppe von Obstgehölzen, die sich besonders gut für kleine Gärten eignen, sind die Säulenäpfel. Sie stammen genetisch alle von einer einzigen, natürlichen Mutation ab, die 1963 an einem Baum der Sorte 'McIntosh' in Kanada gefunden wurde.

Diese Mutation vererbt ihre Eigenschaften willig an viele ihrer Nachkommen weiter: gestauchte, dicke Triebe mit sehr engen Internodien und eine stark verminderte Neigung zur Bildung von Seitenzweigen. Ungeschnitten entwickeln diese Säulenäpfel einen kaktusartigen Wuchs mit wenigen, aufrecht wachsenden Seitenästen, aber mit geringem Schnittaufwand können sich durch starkes Einkürzen dieser wenigen Seitenzweige leicht eintriebige Säulen anziehen lassen.

Säulenwachstum
Die Wuchsstärke der Säulenapfel-Sorten ist recht unterschiedlich. Das liegt aber nicht nur an den Sorteneigenschaften, sondern vor allem an den verwendeten Veredlungsunterlagen. Pflanzen auf stärker wachsenden Unterlagen wie A 2 können eine Wuchshöhe von zwei oder drei Metern bei günstigen Standortbedingungen in wenigen Jahren überschreiten. Daher verwenden einige Baumschulen ausschließlich die schwach wachsende Unterlage M 26, auf der die Pflanzen deutlich länger brauchen, bis sie eine Höhe von 1,50 – 2,00 m erreichen und diese später nicht oder kaum überschreiten.

Weiteres Säulenobst
Mit dem Erfolg der Säulenäpfel wurde bald der Ruf nach Säulensorten anderer Obstarten laut. Dieser Bedarf wurde schnell befriedigt, obwohl die genetisch bedingte Wuchsform der Säulenäpfel nicht auf andere Obstsorten übertragbar war. Säulenbirnen, Säulenkirschen sowie Säulenpflaumen kamen auf den Markt, manchmal sogar völlig unsinnige Angebote wie Säulenbrombeeren und Säulenhimbeeren.

Das genetisch bedingte Wachstum der meisten dieser Säulenobstbäume ist völlig normal, also arttypisch mehr oder weniger breit und stark verzweigt. Lediglich in der Anzucht unterscheiden sich die Säulenbäume von herkömmlichen Buschbäumen. Sie werden höher angeschnitten und das Seitenholz stark eingekürzt, so dass die Pflanzen auf eine Weiterkultur in eintriebiger Säulenform vorbereitet sind.

Zwerg oder kompakt?
Auch bei den Zwergsorten ist die Einteilung schwierig, und nicht jeder „Zwerg“ entwickelt sich zu dem, was der Kunde unter diesem Begriff erwartet.

Besonders bei Pfirsichen, Nektarinen, Birnen und Äpfeln gibt es Sorten, die, ähnlich wie manche Zwerg-Ziergehölze, genetisch bedingt sehr klein bleiben und mit Recht als „Zwerge“ bezeichnet werden. Meist wird davon ausgegangen, dass „richtige Zwerge“ höchstens etwa ein Drittel so groß werden wie die normal wachsenden Sorten. Aber oft werden auch Obstsorten als Zwerge angeboten, die genetisch bedingt eher kompakt als zwergig wachsen und eine Größe von etwa zwei Dritteln der normalen Sorten erreichen. Aber auch durch die verwendeten Veredlungsunterlagen lässt sich Zwergwuchs erzielen.

Beerenzwerge
Eine interessante Entwicklung hat in den letzten Jahren eingesetzt, seit vor allem Brom- und Himbeersorten angeboten werden, die nur kurze Ruten bilden und daher für die Bepflanzung von Kübeln besonders gut geeignet sind.

Und auch bei den Blaubeeren sind viele kompakte oder zwergige Sorten auf dem Markt, bei denen das kompakte Wachstum und zum Teil auch die Zierde eine größere Rolle spielen als ein hoher Fruchtertrag. Zum Beispiel in der Gruppe der „Brazelberries“ sind solche Sorten zusammengefasst.
Heinrich Beltz,
Bad Zwischenahn



Erfahren Sie mehr über Zwerg- und Säulenobstsorten in dem ausführlichen Artikel der Ausgabe 11/2017 Deutsche Baumschule.

 

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