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Die Häuser der Toten - Nutzungsideen für historische Grabgebäude

In Mecklenburg-Vorpommern gab es einst über 200 Mausoleen und Grabkapellen auf städtischen Friedhöfen, die im Zuge der Friedhofsverlegungen nach 1800 entstanden sind. Bis in die heutige Zeit überdauerte davon nur ein Viertel, das kaum Zeugnis von der ursprünglichen Friedhofslandschaft ablegen kann. Umso wichtiger ist die Bewahrung des erhalten gebliebenen sepulkralen Erbes mithilfe von sinnvollen und zukunftsträchtigen Nutzungskonzepten.

Ausstellungsraum in der Backsteinkapelle auf dem Alten Friedhof in Schwerin mit dem Mahnmal „Die Jahrhundertspur“ des 2006 verstorbenen Künstlers Otto Dressler. Foto: Kretschmer

Als Angebot der Stadt für die Bürger, die ihre traditionellen Erbbegräbnisstätten in den Kirchen besaßen, sich eine private Grabkapelle auf dem neuen außerstädtischen Friedhofsareal zu erbauen, avancierte dieser Architekturtyp in Mecklenburg-Vorpommern bald zu dem bürgerlichen Repräsentationsbau des 19. Jahrhunderts. Die Bestattung in und um die Kirchen, wie sie seit dem Mittelalter durchgeführt wurde, stieß längst an ihre räumlichen und hygienischen Grenzen, sodass Bestattungsanlagen vor der Stadtperipherie entstanden. Die Errichtung eines solchen Platzes bedurfte ganz neuer gärtnerischer und stadtplanerischer Diskurse, weshalb der Dessauer Neue Begräbnisplatz, der von 1787 bis 1789 von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736 bis 1800) als Vier-Felder-Anlage konzipiert worden war, als mustergültig für ganz Deutschland angesehen werden kann.

Allein in Mecklenburg-Vorpommern folgen drei Friedhöfe maßgeblich dieser Gestaltungsrichtlinie. An bevorzugten Standorten innerhalb der neuen Bestattungsanlage erhielten die privilegierten Stadtbewohner als Entschädigung eine unentgeltliche Grabstelle, die sie mit der Errichtung eines privaten Grabgebäudes versehen konnten. Von Bedeutsamkeit ist ferner die Anzahl der Bauwerke aus der Handwerkerschicht, die vor allem zur Zeit der Industrialisierung als Ausdruck des wirtschaftlichen Aufschwungs entstanden. Längst befinden sich diese Solitäre in Besitz der Kommunen, denen die Bauherren einst horrende Summen für eine ewige Erhaltung zahlten. Um sie langfristig zu erhalten, bedarf es einer Erarbeitung von zweckmäßigen Nutzungsmodellen, die dem Charakter des Gebäudes entsprechen und in einigen Städten bereits Umsetzung fanden. Lesen Sie mehr dazu in der Dezember-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 16.