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„Die Natur kennt keine Abfälle“: Ausstellung zeigt spannenden Einblick in die „Terra-Preta-Technologie“

Mit der Ausstellung „Die Natur kennt keine Abfälle“ präsentiert das Botanische Museum Berlin einen spannenden Einblick in die „Terra-Preta-Technologie“ und stellt aktuelle Forschungs- und Entwicklungsprojekte in Deutschland zur Thematik vor. 

Die Terra-Preta-Technologie wurde von den Ureinwohnern im Amazonasgebiet vor Jahrhunderten genutzt, um aus Fäkalien und anderen organischen Abfällen eine Art „Wundererde“ herzustellen: einen sehr nährstoffreichen Humus. Die Terra-Preta-Technologie ist heute das Zauberwort im Bereich nachhaltiger Ressourcennutzung, Klimaschutz und städtischer Landwirtschaft.

Die Ausstellung „Die Natur kennt keine Abfälle“ wurde von der Arbeitsgruppe Geoökologie des Fachbereiches Geowissenschaften und dem Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin-Dahlem der Freien Universität Berlin konzipiert. Die zweisprachige Schau in Deutsch und Englisch ist noch bis zum 30. September 2012 täglich von 10 bis 18 Uhr im Botanischen Museum Berlin-Dahlem zu sehen. Die Wanderausstellung wird 2013 in Chemnitz gezeigt.

Auf 18 Text-Bild-Tafeln werden der Ursprung der Terra-Preta-Technologie und deren Potenziale zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, Kreislaufschließung und Ressourcenerhaltung thematisiert. Mit der Ausstellung werden zwei aktuelle Forschungsprojekte zur Terra-Preta-Technologie vorgestellt: „TerraBoGa“ und „LaTerra“.

TerraBoGa läuft seit September 2010 im Botanischen Garten der Freien Universität Berlin. Eine Diaschau vermittelt einen lebendigen Einblick in die Arbeit des Projektes. Interaktive Elemente laden die Besucher zum Anfassen ein: Ausgangsstoffe wie pflanzliche Reststoffe, Gesteinsmehl oder Pflanzenkohle und die im Rahmen des Forschungsprojektes TerraBoGa hergestellten Pflanzenkohlesubstrate lassen sich ertasten und vergleichen. Eine Kloschüssel veranschaulicht, dass auch menschliche Ausscheidungen in der Terra-Preta-Technologie wiederverwertet werden. Lebendige Kompostwürmer lassen sich in einem Terrarium bei der „Arbeit“ beobachten.

Die Terra-Preta-Technologie unterscheidet sich deutlich von der herkömmlichen Kompostierung. Sie basiert auf einer verbesserten Kompostierung sowie auf Milchsäurefermentation unter Verwendung von Holzkohle. Mit Hilfe der Terra-Preta-Technologie wird der Atmosphäre für längere Zeit und mehr Kohlendioxid (CO2) entzogen und in Böden gespeichert, als bei der herkömmlichen Kompostierung. Die hergestellte sehr nährstoffreiche Erde kann als Ersatz für Dünger verwendet werden.

Das Forschungs- und Entwicklungsvorhaben TerraBoGa verfolgt den Null-Emissions-Ansatz und das damit verbundene Konzept einer fast vollständigen Kreislaufwirtschaft. Was bisher im Botanischen Garten Berlin auf dem Kompost landete oder teuer entsorgt wurde, wird jetzt im Rahmen des Projektes zur Herstellung von nährstoffreichen Pflanzenkohlesubstraten verwendet.

Das Geheimnis der „Berliner Schwarzerde“ ist die Anwendung der alten Terra-Preta-Technologie, die von den Ureinwohnern im Amazonasgebiet vor Jahrhunderten genutzt wurde. Das Projekt wird seit September 2010 für drei Jahre im Rahmen des Umweltentlastungsprogramms (UEP II) der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz unter Nutzung von Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Projektpartner sind die Freie Universität Berlin (Fachbereich Geowissenschaften sowie der Botanische Garten und das Botanische Museum Berlin-Dahlem), Palaterra GmbH & Co. KG (Terra-Preta-Technologie), Rüdersdorf und die HATI GmbH (Nachhaltige Sanitärsysteme), Berlin. (ids/ts)