Grüne Branche

Digitaler Nachlass von den wenigsten geregelt

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Acht von zehn Internetnutzern, insbesondere der jüngsten und ältesten Generation, haben ihren digitalen Nachlass überhaupt noch nicht geregelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Rund neun Prozent haben ihren digitalen Nachlass bislang wenigstens teilweise, weitere neun Prozent vollständig geregelt.

Die wenigsten Internetnutzer machen sich zu Lebzeiten Gedanken über ihren digitalen Nachlass. Foto: Pixabay

Wer verwaltet die eigenen Daten nach dem Tod?

„Jeder sollte frühzeitig schriftlich festhalten, wie und durch wen nach dem Tod die eigenen Daten verwaltet oder gelöscht werden sollen“, sagt Bitkom-Geschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Das könne ein Testament oder eine Vollmacht regeln. Vor allem für Soziale Netzwerke, E-Mail-Konten oder Cloud-Dienste ist dies wichtig.

„Im Gegensatz zum Erbrecht an Sachgegenständen gibt es noch keine gesetzlichen Regelungen zum Umgang mit dem digitalen Nachlass. Viele Online-Dienste berufen sich etwa auf den Datenschutz, übergeben das Konto eines Verstorbenen nicht ohne entsprechende Verfügung an Angehörige“, so Rohleder.

Gesetzliche Regelung zum digitalen Nachlass sinnvoll?

Mehr als die Hälfte derjenigen, die sich bereits um ihren digitalen Nachlass gekümmert haben, hinterlegten eine Vollmacht beim Internet-Dienstleister oder der Online-Plattform. 29 Prozent haben testamentarisch oder mit einer Verfügung vorgesorgt. 17 Prozent sagten, dass sie einen Anbieter damit beauftragt haben, im Todesfall alle Online-Konten zu löschen.

Sechs von zehn Nutzern sei die Bedeutung der Nachlassregelung bewusst. 69 Prozent der Nutzer geben an, dass ihnen die Informationen fehlen, um den digitalen Nachlass zu regeln. 72 Prozent fänden es sogar gut, wenn es eine gesetzliche Regelung zum digitalen Nachlass gäbe.

Tipps von Bitkom zum digitalen Nachlass

Persönliche Informationen auf Datenträgern: Wenn im Testament nichts anderes geregelt ist, werden die Erben Eigentümer aller Gegenstände des Verstorbenen, also auch des Computers, Smartphones oder lokaler Speichermedien. Damit dürfen sie die dort gespeicherten Daten uneingeschränkt lesen.

Deshalb sollte man zu Lebzeiten entscheiden, ob die Hinterbliebenen nach dem Tod Einblick in die digitale Privatsphäre haben sollen. So kann ein Notar oder Nachlassverwalter entsprechende Dateien oder ganze Datenträger vernichten oder konservieren lassen.

Online-Dienste wie E-Mail-Konto oder Cloud-Speicher: Hinterbliebene treten auch in die Verträge des Verstorben ein. Gegenüber E-Mail- und Cloud-Anbietern haben sie in der Regel Sonderkündigungsrechte. Bei der Online-Kommunikation gilt zugleich das Fernmeldegeheimnis, das auch die Rechte der Kommunikationspartner des Verstorbenen schützt.

In der Praxis gelingt der Zugang zu den Konten am besten, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten geregelt hat, ob und in welchem Umfang die Erben im Todesfall Zugriff auf die Accounts erhalten. Zudem kann man die Zugangsdaten beim Notar hinterlegen.

Profile in Sozialen Netzwerken: Hinterbliebene sollten die Betreiber von Sozialen Netzwerken benachrichtigen, wenn sie entsprechende Mitgliedschaften des Verstorbenen kennen. Viele Betreiber verlangen die Vorlage einer Sterbeurkunde. Bei Facebook können Nutzer zu Lebzeiten einen Nachlasskontakt bestimmen, der das Profilfoto des Verstorbenen ändern oder auf Freundschaftsanfragen reagieren darf. Eine Anmeldung unter dem Konto des Verstorbenen oder das Lesen von dessen Chats ist aber auch dem Nachlasskontakt nicht möglich.

Angehörige können darüber hinaus beantragen, das Profil in einen „Gedenkzustand“ zu versetzen. Die Profilinhalte bleiben dann erhalten und Freunde oder Familienmitglieder können in der Chronik Erinnerungen teilen. Bei beruflichen Netzwerken wie etwa Xing wird das Profil deaktiviert, sobald der Betreiber vom Tod eines Mitglieds erfährt.