Grüne Branche

Dramatische Entwicklung an Unis: BHGL besorgt um Gartenbauwissenschaft

Fehlende Nachwuchskräfte an Universitäten und Hochschulen, das war das Thema, mit dem sich eine Pressekonferenz des Bundesverbandes Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur (BHGL) in Berlin befasste. In den letzten Jahren habe sich ein schleichender Prozess eingestellt, in dessen Folge die Präsenz der Gartenbauwissenschaften an deutschen Hochschulen und Universitäten spürbare Einbußen erlitten habe, sagte BHGL-Präsident Prof. Uwe Schmidt in Berlin. Es sei daher höchste Zeit, die Diskussion zum Thema in der Öffentlichkeit und auch im Berufsstand anzustoßen. 

Gemeinsamer Appell (v. l.): Jochen Flenker, Vertreter der Studentenschaft BHGL, Vizepräsident Jörg Freimuth und Präsident Prof. Uwe Schmidt. Foto: Kathrin Scheumann

Die dramatische Entwicklung im Hinblick auf Kapazitäten, Personal und Leistungen werde insbesondere an den Universitäten deutlich, so Schmidt weiter. Einerseits folge diese universitären Umstrukturierungsprozessen. Andererseits werde eine Austrocknung der Fachgebiete in den Instituten sichtbar. Ein Beispiel dafür zeige sich in Hannover, wo das Fachgebiet Technik im Gartenbau nach dem Ausscheiden von Prof. Dr. Hans-Jürgen Tantau gestrichen worden sei. Große Probleme mit der Nachbesetzung im gleichen Fachgebiet zeigen sich laut Schmidt auch in München.

Aktuell sind die Gartenbauwissenschaften in Deutschland an fünf Universitäts-Standorten vertreten. Führungsfunktion haben dabei die Leibniz-Universität Hannover, die Technische Universität München und die Humboldt-Universität zu Berlin, an denen auch gartenbauliche Studiengänge angeboten werden. Daneben unterhält die Universität Bonn einen Lehrstuhl für Gartenbauwissenschaften; an der Universität Stuttgart-Hohenheim ist das Fach Gärtnerische Sonderkulturen beheimatet.

„Wir haben in ganz Deutschland an den genannten fünf Universitäten nur noch 15 Professuren, die in den Gartenbauwissenschaften ihr Kerngeschäft sehen“, so Schmidt. Beziehe man diese Zahl auf die Ausstattung vor noch 20 Jahren, als für eine Fakultät mit rund zehn Professuren zu rechnen war, werde die starke Reduktion deutlich. „Wir haben uns ausgehend von Hannover, München und Berlin halbiert, und wir sehen bei den Verfahren, die jetzt laufen, in mindestens drei Fällen große Probleme, sodass dann die Gesamtzahl der Professuren an den drei großen Universitäten doch eher gegen zehn geht“, sagte Schmidt in Berlin.

Auswirkungen zeige der zunehmende Mangel an Nachwuchskräften mittlerweile auch an den Fachhochschulen, wo die Zahl geeigneter Bewerber ebenfalls stetig abnehme. Letztlich könne sich die Entwicklung auch auf die künftige Verfügbarkeit von Fachschullehrern auswirken. Universitäten und Hochschulen, aber auch der Berufsstand seien aufgerufen, für die Notwendigkeit einer umfassenden gartenbauwissenschaftlichen Lehre und Forschung an den Universitäten einzutreten. (ks)

Mehr zu diesem Thema in der aktuellen TASPO Ausgabe 29/13.