Grüne Branche

Droht den Alleen bald das Aus?

Parlamentarischer Abend zum Erhalt der Alleen in Deutschland
Mit der Modernisierung und Motorisierung ist der Platz nicht nur auf, sondern auch an der Straße knapp geworden. Wenn es um das Thema Verkehrssicherheit geht, sehen viele in den Alleebäumen ein tödliches Hindernis. Viele Verbände und Interessengemeinschaften fürchten um die alte Bestände und auch Neupflanzungen werden durch neue Richtlinien fast unmöglich. Sind Alleen in Deutschland bald Geschichte?

Aufklärung und Lösungsansätze suchen daher verschiedene Interessensgemeinschaften, die sich für den Schutz und den Ausbau von Alleen in Deutschland stark machen. Auf einem Parlamentarischen Abend, zu dem der Bundestagsabgeordnete Josef Göppel am 24. Februar geladen hatte, sollte in kleiner Runde neue Impulse für Lösungen gesucht werden. In der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin, einem Treffpunkt der Abgeordneten, um die persönlichen Beziehungen über Parlaments- und Parteigrenzen hinweg zu fördern, trafen sich bei der Veranstaltung, die auch von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und dem Bund deutscher Baumschulen (BdB)unterstützt wurde, Vertreter und Referenten unterschiedlichster Richtungen wie vom Bund für Natur und Umweltschutz (BUND), dem ADAC, vom Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur und der Deutschen Alleenstraße.

Die Norm aller Dinge
In Europa und speziell in Deutschland gibt es nahezu für alle Dinge eine Norm, so auch bei der zweckdienlichen Definition einer Allee: als Allee gilt eine Straße, die auf einer Mindestlänge von 50 Metern auf beiden Seite mit Bäumen besäumt ist. Bäume, im Fachjargon auch wenig charmant als Straßenbegleitgrün bezeichnet, gelten in der Richtlinie für passiven Schutz an Straßen (RPS) im Kapitel 3.3.1.1, als nicht verformbare punktuelle Einzelhindernisse, wenn der Stammumfang mehr als 25 Zentimeter beträgt. Das trifft so nahezu auf jeden Baum ab einem Durchmesser von 8 Zentimeter zu.

Das technische überarbeitete Regelwerk aus dem Jahr 2009 sorgt in den Kommunen und Straßenbaubehörden für allerlei Verwirrung und Aktionismus. Der Grund: Als Verkehrssicherungsmaßnahme wurde der Abstand der Bäume zum Straßenrand von 4,50 Meter auf 7,50 Meter erweitert, manche Straßenbaubehörde fordere sogar einen Mindestabstand von 8,50 Meter bis 12,50 Meter. Die RPS soll dabei in erster Linie auf Bundesstraßen angewendet werden, mit der Empfehlung an die Länder, auch Landstraßen mit einzubeziehen, um die Verkehrssicherheit zu verbessern.

Statt Lücken zu füllen
Rechts sind Bäume links sind Bäume und größer werden die Zwischenräume, weil aufgrund der RPS in manchen Kommunen begonnen wurde, auch alte Baumbestände abzuholzen, beziehungsweise wird bei Verlust eines Baumes keine Lückenbepflanzung mehr vorgenommen.
Und auch Neuanpflanzungen scheinen unter diesen Vorzeichen eher utopisch, da es fast unmöglich erscheint, die Vorgaben des Mindestabstandes zum Straßenrand zu erfüllen. In der Regel sind im ländlichen Bereich die Straßen von wertvollen Ackerflächen gesäumt. Deren Verkauf durch die Landwirte sei wegen wirtschaftlicher Interessen und einem Verlust an Produktionsfläche wohl kaum bezahlbar.

Die anschließende Diskussionsrunde brachte zwar kein greifbares Ergebnis, manifestierte jedoch bei den Teilnehmern um so mehr den Wunsch, das Thema Alleenschutz lösungsorientiert und auf höchster Ebene in der Bundespolitik voranzutreiben. Angesichts vieler anderer Komplikationen der heutigen Zeit ein ziemliches Luxusproblem, welches eigentlich schon durch wenige Maßnahmen ohne langwierige Abstimmungsprozesse und neue Gesetze gelöst werden könnte.

Marc Vorwerk, Berlin

Lesen Sie den ganzen Artikel mit vielen weiteren Informationen zu RPS, Lösungsvorschlägen und den Forderungen der Verbände in Ausgabe 04/2015 Deutsche Baumschule.