Grüne Branche

Dünger für den Topftermin im zeitigen Frühjahr

Über 50 umhüllte Depotdünger in Ellerhoop geprüft
Das Angebot an ummantelten Depotdüngern für die Gehölzkultur wächst weiter. In Schleswig-Holstein ist darum ein neuer Großversuch angelaufen, um die Leistungsfähigkeit dieser Dünger zu prüfen. In diesem ersten Beitrag stellen die beiden Autoren die Versuchsergebnisse für die Gruppe von Düngern dar, die für einen frühen Topftermin im Frühjahr angeboten werden (8-9M Produkte).

Nachdem zuletzt in den Jahren 2008 und 2009 ein umfangreicher Vergleich umhüllter Depotdünger als Gemeinschaftsversuch der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und des Versuchs- und Beratungsrings Baumschulen e.V. (VuB) im Gartenbauzentrum in Ellerhoop durchgeführt wurde, war es 2015 Zeit für einen neuen Dünger-Vergleich.

Im Versuch: 22 umhüllte Depotdünger
In der März-Ausgabe der Deutschen Baumschule wird über die Ergebnisse des Versuchs mit Produkten für den Topftermin im zeitigen Frühjahr berichtet (8-9M Produkte). In der nächsten Ausgabe im April, stehen dann die umhüllten Depotdünger im Vordergrund, die für einen Topftermin im späten Frühjahr (5-6M) angeboten werden.

Mit Ausnahme der Entwicklungsprodukte wurden nur Dünger in Originalsäcken mit aufgedruckter Chargennummer akzeptiert, die, wo mit vertretbarem Aufwand möglich, im Handel besorgt wurden.
Insgesamt wurden 22 umhüllte Depotdünger mit einer Laufzeit von acht bis neun Monaten geprüft, 14 handelsübliche Produkte und acht ungenannte Prototypen von drei Firmen. Einjährig bewurzeltes Steckholz von Weigela hybr. 'Bristol Ruby' sowie Prunus laurocerasus 'Novita' im Tb 9 dienten als Versuchspflanzen, die zu Versuchsbeginn in 3-Liter-Container getopft wurden.

Die Düngeraufwandmenge betrug bei den wurzelnackten Weigelien vier Gramm pro Liter (g/l) Topfvolumen (Punktdüngung), bei den Lorbeerkirschen 5 g/l Substrat (eingemischt). Mit Ausnahme der Variante Plantacote Depot 8M wurde auf die Zugabe von Spurenelementdüngern verzichtet.

Getopft wurde am 31. März 2015. Direkt im Anschluss daran wurden die Pflanzen auf einer Containerkulturfläche des Gartenbauzentrums mit Gießwagenbewässerung in randomisierter Blockanlage aufgestellt. Der Versuch wurde zum Abschluss der Vegetationsperiode Ende Oktober beziehungsweise Anfang November ausgewertet.

Ergebnisse geprägt durch den Witterungsverlauf
Wie bei fast allen Versuchen unter freiem Himmel war auch dieser durch den Witterungsverlauf geprägt. Dabei spielte der Temperaturverlauf eine besondere Rolle, da das Freisetzungsverhalten umhüllter Dünger in einem kulturfeuchten Substrat fast ausschließlich von der Substrattemperatur abhängig ist und mit dieser zunimmt.

Im Vergleich zum 30-jährigen Mittel war die Vegetationsperiode 2015 durch hohe Temperaturen gekennzeichnet, was die Freisetzung der Nährstoffe aus den Düngern generell gefördert hat. Im Vergleich zu 2014 fällt jedoch auf, dass die Temperaturen in Ellerhoop im Jahr 2015 deutlich niedriger lagen.
Da gerade die Monate September und Oktober relativ kühl waren, fiel das spätsommerliche beziehungsweise frühherbstliche Wachstum der Versuchspflanzen insbesondere bei den Lorbeerkirschen relativ schwach aus. Dadurch konnten die Dünger, die zu diesem Zeitpunkt noch einen relativ hohen Nährstoffvorrat aufwiesen, ihre Stärke nicht mehr unter Beweis stellen. Außerdem war der Frühsommer durch sehr lange, kühle Phasen geprägt, so dass das Wachstum der Versuchspflanzen erst ab Mitte Juni richtig beginnen konnte.

Unterschiede bei Prunus laurocerasus 'Novita'
Die Lorbeerkirschen im Versuch erreichten bis zum Vegetationsende bei fast allen geprüften Düngervarianten durchweg eine verkaufsfähige Qualität. Allerdings traten bei der Blattfärbung bereits deutlich sichtbare Unterschiede auf. Auch bezüglich des erreichten Sprossfrischgewichts, der maximalen Sprosslänge und der Triebanzahl wurden erhebliche Unterschiede zwischen den Düngervarianten gemessen, die sich demzufolge auch auf die für den Baumschuler besonders interessante Sortierung der Versuchspflanzen in Verkaufsklassen ausgewirkt haben.

Auffällig ist, dass unter den besten fünf Düngern dieses Versuchs allein vier Prototypen zu finden sind.

Wurzelnackte reagierten teilweise empfindlich
Auch die Weigelien erreichten bis zum Versuchsende in fast allen geprüften Düngervarianten eine verkaufsfähige Qualität. Allerdings traten auch hier zwischen den Varianten Unterschiede auf, was die Sprosshöhe, das Sprossfrischgewicht und die Triebanzahl betrifft.

Anders als bei den Lorbeerkirschen waren bei den Weigelien die Unterschiede zwischen den Düngern weniger deutlich ausgeprägt, und es fanden sich unter den besten fünf Produkten keine Prototypen.

Auffällig war bei den wurzelnackt getopften Weigelien die große Zahl an Pflanzen, die bereits kurze Zeit nach Versuchsbeginn ausfielen. Dies wird auf einen Salzschaden zurückgeführt, da die direkt unter der nackten Wurzel punktförmig applizierten Dünger zu einer zu hohen Salzanreicherung im Bereich der Wurzeln führten, so dass diese teilweise verbrannten, obwohl eine dünne Substratschicht Wurzeln und Düngerdepot trennte.

„Komplettpaket“ eines Düngers betrachten
Außerdem sollte ein Dünger nicht allein nach den erzielten Wachstumsleistungen bewertet, sondern als „Komplettpaket“ betrachtet werden. Neben den Wuchsleistungen spielen auch die gleichbleibend gute Qualität der Dünger eine große Rolle, ebenso die Kompetenz und Verlässlichkeit der zuständigen Verkaufsberater, die kurzfristige Verfügbarkeit der Dünger am Markt sowie das Verhalten der Hersteller im Reklamationsfall. Bei einem Dünger sollte also gutes Wachstum mit der notwendigen Sicherheit verbunden sein.

Dr. Andreas Wrede,
LWK Schleswig-Holstein,
Hendrik Averdieck, VuB,
Ellerhoop


Den ganzen Versuchsaufbau mit Ergebnissen sowie viele weitere und interessante Nachrichten finden und lesen Sie in Ausgabe 03/2016 Deutsche Baumschule.