Grüne Branche

Durchbruch: Tarifvertrag für Floristikbranche Ost

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Durchbruch für Floristen in den östlichen Bundesländern: Erstmals nach elf Jahren konnten sich die Tarifkommissionen von FDF und IG BAU auf einen Tarifvertrag für die Beschäftigten in der Floristikbranche in Ostdeutschland einigen. Wie die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) als Arbeitnehmervertreter mitteilt, steigen die Löhne damit zwischen 1,2 und 12,9 Prozent.

Mehr Geld bekommen künftig die Beschäftigten in der Floristikbranche Ost. Foto: Kzenon/Fotolia

Ausgangspunkt der gestern Abend nach fast siebenstündiger Sitzung erfolgreich abgeschlossenen Verhandlungen war ein Stundenlohn von 8,50 Euro, der mit Inkrafttreten des gesetzlichen Mindestlohns in sämtlichen Entgeltgruppen für ostdeutsche Floristik-Beschäftigte galt – vom ungelernten Floristen bis zum Floristmeister.

Tarifabschluss: Entgelte steigen bis zu 12,9 Prozent

Wie die Gewerkschaft weiter mitteilt, steigen die Entgelte mit dem jetzt erfolgten Tarifabschluss zwischen 1,2 und 12,9 Prozent (Eckentgelt: plus 3,5 Prozent) und seien damit von nun an bei der Entgeltstruktur deckungsgleich mit dem Westtarifvertrag. Die Vergütungen für die ostdeutschen Floristik-Auszubildenden erhöhen sich mit dem Tarifabschluss zwischen 85 und 140 Euro monatlich.

„Das ist ein wichtiger Schritt für die Branche. Er gibt Arbeitgebern und Arbeitnehmern in den neuen Bundesländern eine Sicherheit und eine an den Marktrealitäten ausgerichtete Tarifstruktur an die Hand“, erklärte Andreas Richter, Mitglied der Tarifkommission des Fachverbands Deutscher Floristen (FDF). „Wichtig für uns ist, dass die neuen Entgelttarife dem Grundsatz der wirtschaftlichen Machbarkeit in den Betrieben folgen“, so Richter.

Unter anderem durch die Übernahme des im Westen bewährten Lohnrasters mit den entsprechenden Lohngruppen (A1, A2, A3, A3/1, A4 und A5) erhalte die Tarifsituation in den neuen Bundesländern eine gute Vergleichbarkeit zum Tarif in den alten Bundesländern. Selbst wenn die Entgelttarife im Tarifvertragswerk Ost noch nicht auf dem gleichen Niveau wie im Westen sind, schaffe dies eine praktikable Basis für eine langfristige Harmonisierung der Tarife bundesweit, heißt es von Seiten des FDF.

„Meilensteine in Richtung Ost-Westangleichung“ gesetzt

„Wir haben uns seit Jahren dafür eingesetzt, die Tariflandschaft in der Floristik in Ostdeutschland gerechter zu gestalten. Mit dem gestrigen Abschluss wurden Meilensteine gesetzt in Richtung Ost-Westangleichung und neuer Tarifstruktur“, meint dazu IG BAU-Bundesvorstandsmitglied Harald Schaum. Zugleich sind die „neuen“ Bundesländer – Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – damit erstmals in einem gemeinsamen Entgelttarifvertrag zusammengefasst.

Als weiteren „Meilenstein“ des Tarifabschlusses, der ab 1. Oktober 2015 in Kraft tritt, bezeichnet die Gewerkschaft die Senkung der Wochenarbeitszeit von bisher 41 auf 39 Stunden – ebenfalls in Angleichung an das Tarifgebiet West. Gescheitert ist hingegen der Vorschlag der IG BAU-Tarifkommission, die Entgelte in der Floristik Ost an West bis 1. Mai 2018 stufenweise anzugleichen.

Lohnerhöhung auch für Floristikbranche West

Parallel zum Tarifabschluss für die ostdeutschen Floristen einigten sich die Tarifpartner auf einen weiteren Entgelttarifvertrag für die sogenannten „alten“ Bundesländer. Ebenfalls mit Wirkung ab 1. Oktober steigt der Ecklohn für Floristen um 2,6 Prozent. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich eine Erhöhung um 5,0 Prozent gefordert. Besitzstände, die aus den Überleitungstarifverträgen von 2009 herrühren, werden laut IG BAU „ausdrücklich bestätigt und bei prozentualer Erhöhung entsprechend berücksichtigt“. Beide Tarifverträge haben eine Laufzeit bis 31. Dezember 2016.

Für die Floristikbranche West hatten sich die Tarifpartner bereits 2013 auf einen neuen Entgelttarifvertrag geeinigt. Mit einem Lohnplus von insgesamt 4,9 Prozent hatten sich damit insbesondere die Löhne der unteren Entgeltgruppen und Ausbildungsvergütungen überproportional erhöht, was als klares Signal für die Branche gewertet wurde.