Grüne Branche

EHEC: Gefahr ist noch nicht gebannt

Das Thema EHEC greift eine aktuelle Pressemitteilung auf, die vom größten deutschen Sprossenhersteller Deiters & Florin in Zusammenarbeit mit der Laborärztlichen Arbeitsgemeinschaft für Diagnostik und Rationalisierung (LADR) in Geesthacht herausgegeben wurde. Die beiden Partner verweisen darauf, dass die Überprüfungsmoral der Lebensmittelhersteller eminent nachgelassen habe, seitdem sich das Kaufverhalten in Bezug auf frische Gemüseprodukte, darunter auch Sprossen, wieder weitgehend normalisiert hat.

Selbstkontrolle: Deiters & Florin untersucht regelmäßig seine angekeimten Sprossen, um dem nächsten Skandal schnell den Wind aus den Segeln zu nehmen. Foto: LADR GmbH

Testete die LADR während der EHEC-Krise im Jahr 2011 täglich rund 200 Gemüse-Proben auf den Escherichia coli-Stamm EHEC O104:H4, so belaufe sich diese Zahl gegenwärtig auf nur noch 20 bis 50 Proben am Tag. Eine gefährliche Entwicklung, wie Dr. Burkhard Schütze, Leiter des Bereichs Lebensmittelanalytik bei der LADR GmbH einschätzt, denn noch immer verursache EHEC jährlich bis zu 1.000 Erkrankungen. Auch andere Lebensmittelkeime stellen aus Sicht des Spezialisten eine große Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher dar.

Um mehr Sicherheit sowohl für die Verbraucher als auch für die Betriebe gewährleisten zu können, plädiert Schütze für regelmäßige Selbstkontrollen in landwirtschaftlichen Betrieben und bei den Herstellern von Risikolebensmitteln. Für Deiters & Florin spielte die Qualitätssicherung schon immer eine große Rolle. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben als einziger Sprossen-Hersteller in Europa über eine QS-Zertifizierung, wird nach DIN ISO 9001–2008 gesteuert und entspricht den Anforderungen des International Food Standard (IFS) auf höherem Niveau.

Laut eigener Aussage ließ der Betrieb seine Sprossen bereits vor der Krise regelmäßig auf pathogene Keime hin überprüfen. „Untersuchungen auf EHEC erfolgten bis Mai 2011 allerdings nur unregelmäßig“, so Norbert Deiters in der offiziellen Verlautbarung. „Wir haben in der Folge den unregelmäßigen EHEC-Test auf einen regelmäßigen Zeitablauf umgestellt.“

Wie bei vielen anderen EHEC-freien Unternehmen führte die Berichterstattung der Medien aber auch bei Deiters & Florin zu großen Absatzeinbrüchen. „Der finanzielle Schaden, den die EHEC-Epidemie verursacht hat, liegt mindestens im hohen sechsstelligen Bereich“, so Deiters. „Und die Krise ist nach wie vor nicht ganz überwunden. Bei unserer Sprossen-Frischware erzielen wir immer noch nur 60 Prozent der Altmengen.“

Solche Millionenschäden ließen sich nach Ansicht von Schütze künftig vermeiden, wenn die Lebensmittelämter verbindliche Vorgaben für regelmäßige Stichproben festlegen würden. Zwar habe das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit seinem im Mai dieses Jahres vorgestellten Maßnahmenpaket zum verbesserten Schutz vor Infektionen einen ersten Schritt hin zu strengeren Kontrollen gemacht, doch ließen sich die Maßnahmen als recht Sprossen-lastig beurteilen, kritisiert der Bereichsleiter für Lebensmittelanalytik. Nach wie vor existiere keine übergreifende Untersuchungspflicht für frische Lebensmittel, denn eindeutige Regelungen dazu, welche pathogenen Keime wie oft untersucht werden müssen, habe der Gesetzgeber noch nicht getroffen.

Dies aber sei vor dem Hintergrund des noch immer nicht eindeutig nachgewiesenen Kontaminationsweges von EHEC im Jahr 2011 nötig. „Da die EHEC-Belastung nach derzeitigem wissenschaftlichen Erkenntnisstand nicht natürlichen Ursprungs war und vermutlich durch einen menschlichen Überträger ausgelöst wurde, hätte es auch jedes andere Lebensmittel treffen können“, meint Schütze. Solange verbindliche Vorgaben fehlen, könne nur an die Eigenverantwortung der Lebensmittelproduzenten appelliert werden. „Wären sämtliche Betriebe in der Lage, lückenlose Prüfberichte darüber vorzulegen, dass ihre Erzeugnisse frei von krankmachenden Bakterien und Keimen sind, wäre künftig auch dem Medien-Hype schnell der Wind aus den Segeln genommen“, so der Experte.

Norbert Deiters sieht in den Standards zur Produktionsüberwachung und Betriebshygiene in seinem Unternehmen einen guten Weg, Risiken erheblich zu reduzieren. Aktuell lasse der Betrieb im Rahmen der unternehmensinternen Qualitätsrichtlinien einmal wöchentlich unterschiedliche Sprossen aus der laufenden Produktion prüfen.

Dabei handle es sich um angekeimte Produkte, die noch nicht zum Verkauf freigegeben seien. Wöchentlich wechseln die mikrobiologischen Parameter: So erfolge in der ersten und dritten Woche die Prüfung einer 25-Gramm-Probe auf EHEC, in der zweiten und vierten Woche die Prüfung einer 100-Gramm-Probe auf Salmonellen. In der fünften Woche schließlich werde die Keimzahl von Bacillus cereus und Listeria monocytogenes bestimmt. Zudem führt Deiters & Florin nach eigener Angabe interne Beprobungen im nicht pathogenen Bereich durch. (ts/ks)