Grüne Branche

Eichenprozessionsspinner: Bekämpfung bundesweit genehmigt

Der Bund hat die deutschlandweite Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners mit Dipel ES genehmigt. Damit ist die Ausbringung des Pflanzenschutzmittels jetzt auch mit Luftfahrzeugen möglich – und das, im Gegensatz zum Vorjahr, sogar in Naturschutzgebieten. 

Raupen des Eichenprozessionsspinners. Foto: LFE/Dr. Katrin Möller

Eichenprozessionsspinner schädlich für Bäume und Menschen

„Der Schädling wirkt nicht nur nachteilig auf den Zustand unserer Eichen, auch viele Menschen in den Befallsgebieten leiden unter den Brennhaaren der Raupen, die kaum natürliche Feinde haben. Mit Blick auf die neue Kampagne kommt es nun darauf an, Schlussfolgerungen aus den Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre zu ziehen und alle Betroffenen frühzeitig in die Planungen zur Bekämpfung des Spinners einzubeziehen“, erklärt der brandenburgische Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger.

Die Landesregierung in Brandenburg hatte sich 2012 beim Bund dafür eingesetzt, dass mit Dipel ES ein umwelt- und gesundheitsverträgliches Mittel für die Bekämpfung des sich massiv ausbreitenden Eichenprozessionsspinners zur Verfügung steht. Damit wurde im Land erstmals 2013 der Schädling in einer umfassenden Bekämpfungsaktion effektiv zurückgedrängt. Im vergangenen Jahr konnte an diesen Erfolg wegen bundesbehördlicher Auflagen nicht überall angeknüpft werden.

2014 wurden in Brandenburg durch die Kommunen, Landkreise und die Landesbetriebe Straßenwesen und Forst trotz der Auflagen rund 1,8 Millionen Euro für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners bereitgestellt. Die Raupen wurden auf etwa 3.500 Hektar aus der Luft bekämpft. Weitere 19.000 Einzelbäume konnten aufwendig vom Boden aus behandelt werden.

Experten einig: noch keine Entwarnung beim Eichenprozessionsspinner

Durch die in den vergangenen Jahren erfolgten Bekämpfungsaktionen konnten in Brandenburg die Befallsintensität und die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners deutlich verringert werden. Es kann jedoch, so die einhellige Meinung einer Expertengruppe, noch keine Entwarnung gegeben werden, da die Überwachungsdaten der Eigelege zeigen, dass noch immer mit einer hohen Populationsdichte zu rechnen ist.

Vogelsänger: „Ein natürlicher Zusammenbruch der Massenvermehrung des Schädlings kann ausgeschlossen werden. Die Schwerpunkte der Bekämpfung werden in diesem Jahr vor allem in den Landkreisen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Havelland liegen. In allen anderen Landkreisen und Städten ist voraussichtlich nur in Ausnahmefällen mit größeren Populationen des Spinners zu rechnen.“

Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners nun auch in Naturschutzgebieten möglich

Das Mittel Dipel ES, ein Bacillus thuringiensis-Präparat, das bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners (EPS) eingesetzt wird, hat bereits eine Zulassung für die Bodenausbringung. Die Genehmigung ermöglicht es nunmehr, das Pflanzenschutzmittel Dipel ES auch mit Luftfahrzeugen auszubringen. Und das – im Gegensatz zum Vorjahr – auch in Naturschutzgebieten.

Das Mittel ist zugelassen für die Bekämpfung von Raupen freifressender Schmetterlinge, wozu auch der Eichenprozessionsspinner gehört. Es wird immer dann zum Einsatz kommen, wenn durch den Fraß der Raupen die Bäume oder der Wald gefährdet sind.

Eine Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners aus Gesundheitsschutzgründen erfolgt dagegen mit Bioziden, Dipel ES hat noch bis April 2016 eine Zulassung als Biozid nach Biozid-Recht. Eine Entscheidung über den Einsatz liegt hier bei den Landkreisen.

Die Genehmigung für die Ausbringung mit Luftfahrzeugen dagegen gilt für die gesamte Bundesrepublik und ist nach Pflanzenschutzrecht bis 2021 gültig. Auch hier eine Änderung: Bisher wurde immer nur für ein Jahr genehmigt. Wegen der neuen Anwendungsbestimmungen für Dipel ES entscheiden ab sofort die Bundesländer allein über die Genehmigung der Ausbringung mit Luftfahrzeugen in Naturschutzgebieten. Damit steigt die Verantwortung der Länder für den Schutz der Umwelt vor Pflanzenschutzmitteln, besonders im Hinblick auf naturschutzrechtlich geschützte Arten und Lebensräume. (aeg)

Mehr zum Eichenprozessionsspinner, zur Ausschreibung der Bekämpfungsmaßnahmen und zu den gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch das Schadinsekt lesen Sie in der aktuellen TASPO 12/2015.