Grüne Branche

Eignungstest von Becher- und Fliederprimeln

Erleben im Zeitalter der wieder steigenden Heizenergiepreise neben Violen, Acaulis-Primeln und Topfstauden auch einige weitere im Winter kühl kultivierte und im Frühjahr blühende Zierpflanzenarten eine Renaissance? Bei der „Frühjahrsblüher“-Fachtagung am 2. März in Veitshöchheim rückten hierzu die altehrwürdigen Becherprimeln (Primula obconica) ebenso wie die Fliederprimeln (Primula malacoides) und Pericallis ‘Senetti’ in den Fokus.

Die Fliederprimeln bringen sich als Kultur mit relativ geringem Wärmebedarf wieder ins Gespräch. Foto: Edwin Hanselmann

Wie Hubert Hanke berichtete, unterzog das Zierpflanzenbau-Sachgebiet der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau im Winter 2010/11 eine Palette „kühler Frühjahrsblüher” einem Eignungstest. Zu den Becherprimeln und den Fliederprimeln lagen zum Zeitpunkt der Tagung konkrete Ergebnisse vor (Quelle: Veitshöchheimer Berichte 151/2011).

Primula obconica

Bei den Obconica handelte es sich um die Serien Grace (zehn Farben, Herkunft der Jungpflanzen: Syngenta/FloriPro Services), Twilly (acht Farben, Padana), Touch Me (acht Farben, Padana) und Touch Me Midi (sieben Farben, Padana). Die Grace wurden am 11. Oktober, die anderen Sorten am 21. Oktober getopft (12er-Töpfe/Touch Me Midi = 11er-Töpfe).

Substrat: Primelerde Patzer, aufgedüngt mit Osmocote High K (vier Kilogramm pro Kubikmeter). Keine Nachdüngung! Temperatureinstellung: zwölf Grad Heizungs- und 14 Grad Lüftungstemperatur in den ersten Wochen, ab dem 18. November dann zehn Grad Heizungs-/zwölf Grad Lüftungstemperatur.

Ein Trio war besonders früh verkaufsfertig: Zwei Varietäten der Serie Twilly (‘Twilly Pink’, ‘Twilly Violet’) sowie die Sorte ‘Touch Me Dark Orange’ erreichten das Stadium „50 Prozent der Pflanzen im Bestand blühend“ bereits in Kalenderwoche 4. Folgende Sorten hatten dieses Stadium in Kalenderwoche 5 geschafft: ‘Grace Purple’, ‘Touch Me Blue’, ‘Touch Me Blue White’, ‘Touch Me Dark Blue’, ‘Touch Me Pink’, ‘Touch Me White’, ‘Touch Me Midi Orange’, ‘Touch Me Midi Red’, ‘Touch Me Midi Rose’.

Die anderen Sorten folgten zwischen den Kalenderwochen 6 und 8. Aus der Serie Grace gingen nur vier der anfangs zehn Farben in die Bewertung ein, von den anderen Serien alle Farben.

Bei der Qualitätsbewertung erreichte Touch Me Midi das beste Ergebnis: Note 7,34 im Durchschnitt der sieben Sorten! Hierbei war ‘Touch Me Midi White’ mit der Note 8,0 am besten, gefolgt von ‘Touch Me Midi Red/White’ und ‘Touch Me Midi Dark Blue’ (jeweils Note 7,8 in der Skala von 1 = sehr schlecht bis 9 = sehr gut).

Um etwa eine Note schlechter fiel die Qualitätsbeurteilung der Serien Twilly und Touch Me aus: Note 6,58 im Durchschnitt der acht Sorten von Twilly, Note 6,25 im Durchschnitt der acht Sorten von Touch Me.

Hierbei war ‘Twilly Red White’ mit Note 7,8 am besten, gefolgt von ‘Twilly Blue’ (Note 7,4), ‘Twilly White’ (Note 7,2) und ‘Touch Me Red White’ (Note 7,2). Die vier bewerteten Sorten der Serie Grace erhielten die Qualitätsnoten 4,6 oder 4,8.

Innerhalb aller vier Serien variierten die Wuchshöhen und Pflanzendurchmesser deutlich. Bei der Serie Twilly reichten die Wuchshöhen von 17 Zentimeter (‘Twilly Violet’) bis 23 Zentimeter (‘Twilly Blue White’), bei der Serie Touch Me von 18 Zentimeter (‘Touch Me Blue White’/‘Touch Me Red White’) bis 21 Zentimeter (‘Touch Me Blue’/ ‘Touch Me Dark Orange’), bei der Serie Touch Me Midi von 14 Zentimeter (‘Touch Me Midi Rose’) bis 21 Zentimeter (‘Touch Me Midi Blue/White).

Noch größere Variationen gab es beim Pflanzendurchmesser, nämlich von 20 bis 32 Zentimetern bei den Farben der Twilly, von 25 bis 35 Zentimetern bei Touch Me, von 18 bis 27 Zentimetern bei Touch Me Midi.

 

Primula malacoides

Von den Fliederprimeln standen fünf Farben der Serie Prima auf dem Veitshöchheimer Prüfstand. Herkunft der Jungpflanzen: Nordic Ornamentals, vertrieben von Gasa Young Plants (DK-Odense).

Die am 15. Oktober in 11er-Töpfe gepflanzten Primula malacoides standen nach der etwas wärmeren Anwachsperiode ab 18. November ebenfalls bei zehn Grad (Heiztemperatur). Außerdem wurden sie wie die Obconica mit Depotdünger versorgt.

Das Stadium „50 Prozent des Bestandes blühend” erreichten diese Fliederprimeln schon in den Kalenderwochen 1 oder 2. Beim Blühtermin ebenso wie beim Wuchs waren die fünf Farben dieser Primula malacoides-Serie einheitlicher, als bei den Obconica-Serien festgestellt. Die Wuchshöhen variierten nur von 13 Zentimetern (‘Prima Pink’) bis 15 Zentimetern (‘Prima Red’), die Pflanzendurchmesser von 25 bis 28 Zentimetern.

Zwei der Farben ragten in der Qualitätsbeurteilung heraus und erreichten mit Note 8,6 fast die höchstmöglichen Werte: ‘Prima Lilac’ und ‘Prima Red’. Doch auch ‘Prima White’ (Note 7,6), ‘Prima Carminrose Impr.’ (Note 7,6) und ‘Prima Pink’ (Note 7,4) wurden mit „Gut“ bewertet.


Weitere Arten

Pericallis der Serie Senettii, Osteospermum der im vergangenen Jahr von Selecta Klemm ins Blickfeld gerückten, gefüllt blühenden Serie Flower Power Double, Calceolaria ‘Calynopsis’ und Lobularia ‘Snow Princess’ wurden ebenfalls zusammen mit den Becherprimeln und den Fliederprimeln im Winter bei zehn/zwölf Grad kultiviert. Die Ergebnisse zu diesen Kulturen lagen zur Frühjahrsblüher-Fachtagung noch nicht vor.