Ein Dachgewächshaus auf Notre-Dame?

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So könnte das Gewächshaus auf dem Dach der Pariser Kathedrale Notre-Dame aussehen. Foto: Studio NAB

Vergangenes Jahr wurde ein Teil eines der Pariser Wahrzeichen durch einen Großbrand nahezu völlig zerstört. Die französische Regierung kündigte relativ zügig einen originalgetreuen Wiederaufbau des dem Feuer zum Opfer gefallenen Giebels der historischen Kathedrale Notre-Dame an. Dabei hatte ein Pariser Architektur- und Designbüro die Idee, ein Gewächshaus auf dem Dach zu errichten.

Studio NAB entwirft Gewächshausdach für Notre-Dame

Nach dem Brand, der das Dach der berühmten Pariser Kathedrale Notre-Dame am 15. und 16. April 2019 nahezu vollständig zerstörte, hatte das Pariser Design-Studio NAB ein neues Gewächshausdach für das Wahrzeichen entworfen. Der überdachte Garten würde sich laut der Pläne von Studio NAB über die gesamte Länge der Pariser Kathedrale und entlang der beiden Arme ihrer Kreuzung erstrecken, während die Turmspitze des Gebäudes als mehrstöckige, mit Bienenstöcken gefüllte Plattform wieder aufgebaut werden könnte. „Unser Vorschlag ist der Wiederaufbau einer neuen Kathedrale, die in ihrer Zeit verankert ist, in die Zukunft blickt und die Themen unserer Zeit repräsentiert“, sagte der Gründer des Studio NAB, Nicolas Abdelkader zu den Plänen seines Büros.

Verbrannte Materialien als Bausubstanz für Pflanztöpfe

Demnach wäre die ursprüngliche Silhouette der Kathedrale zu respektieren, indem das Profil des Gewächshauses an das Holzdach aus dem 13. Jahrhundert angepasst werden sollte. Der Raum sollte zudem als Garten und Bildungsraum für Workshops über Ökologie genutzt werden. Die Pflanzgefäße des Gewächshauses sollten aus den gebrannten Eichenbalken des historischen Daches hergestellt werden, auch die Kupferstatuen, die sich zuvor auf dem Dach befanden, sollten ihren Platz im neuen Gewächshaus finden. Ein Symbol für die Akzeptanz des Verlaufs der Geschichte und gleichzeitig eine Metapher zwischen alt und neu sollte damit zum Ausdruck gebracht werden.

Biodiversität, Bildung und Solidarität

Das als Kathedrale „im Grünen für alle“ beschriebene Projekt sah damit die Wiedereinführung von Biodiversität, Bildung und Solidarität vor. Das Gewächshaus würde laut Studio NAB der beruflichen Wiedereingliederung der ärmeren Bevölkerung durch Aufklärung über städtische Landwirtschaft, Gartenbau und Permakultur dienen und gleichzeitig Kinder durch pädagogische Workshops wieder mit der Natur verbinden. Die Biodiversität sollte positiv beeinflusst werden, indem die vielen Bienenstöcke zentraler Teil des wiederaufzubauenden Turmes wären. Die Bienenzüchter-Ausbildung sollte das Produktivitätsethos des Systems fortsetzen.

Wiederaufbau von Notre-Dame noch nicht begonnen

Dieser Plan war einer von vielen, die als Reaktion auf den Brand in Notre-Dame entstanden sind. Allerdings beschloss das französische Parlament ein Gesetz zum Wiederaufbau von Notre-Dame, das eine originalgetreue Instandsetzung innerhalb von fünf Jahren ermöglichen soll. Doch auch ein Jahr nach dem verheerenden Brand hat der Wiederaufbau immer noch nicht begonnen. Grund dafür sind Unmengen an ehemals verbautem und durchs Feuer freigesetztem Blei, sowie ein beschädigtes Gerüst, welches für Restaurationsmaßnahmen vor dem Brand aufgestellt und sich durch die Einwirkung der Hitze ineinander verkeilt hat. Durch die Corona-Krise sind die Arbeiten aktuell ebenfalls zum Erliegen gekommen.