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Ein Jahr InFarming im Dachgewächshaus Oberhausen

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Mit der Einweihung des Altmarktgartens auf dem Dach des Oberhausener Jobcenters fiel gleichzeitig der Startschuss des inFarming-Konzepts, bei dem Wissenschaftler die innerstädtische Lebensmittelproduktion erforschen und Obst und Gemüse dabei in verschiedenen Kultivierungssystemen, sowie verschiedenen Klimazonen anbauen.

Über 1000 m2 Fläche in vier Klimazonen. Foto: Fraunhofer UMSICHT

Einzigartiges Dachgewächshaus in Oberhausen

In einer wachsenden Bevölkerung und immer größer werdenden Städten beschäftigt eine nachhaltige Produktion von frischen und gesunden Lebensmitteln die Wissenschaftler weltweit. Die Produktion solle dabei unter optimalem Einsatz von Ressourcen wie Energie, Wasser und Nährstoffe realisiert werden. Einen Ansatz hierzu bietet das inFARMING-Konzept, welches von Wissenschaftlern des Fraunhofer UMSICHT entwickelt wurde und welches die Produktionssysteme und die Gebäudeinfrastrukturen miteinander verknüpft. In Oberhausen sei mit dem neuen Dachgewächshaus auf den Jobcenter ein Zentrum zur nachhaltigen Lebensmittelproduktion entstanden, welches laut Aussage der Forscher einzigartig in Deutschland sei.

Anbau in verschiedenen Klimazonen

Hier werden in drei verschiedenen Klimazonen Obst, Gemüse und Kräuter angebaut, in einer vierten Klimazone werde geforscht. Die einzelnen Zonen des Dachgewächshauses können je nach Bedarf der Pflanzen an Temperatur und Feuchtigkeit unterschiedlich gesteuert werden. Die produktionsorientierten Bereiche nutzen zudem unterschiedliche Kultivierungssysteme. Zum Beispiel stehen Ebbe-Flut-Tische bereits, auf denen die Pflanzen zeitgesteuert durch Flutung mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden. Außerdem wird in UV-stabilen Growbags angebaut, wo die Düngung und Wasserzugabe per Tröpfchenbewässerung erfolgen, das überschüssige Wasser wird durch ein Rinnensystem in den Wasserkreislauf zurückgeführt. Ein weiteres System sind die Floats, oder Pontons, hier befinden sich die Pflanzen auf Kulturplatten in Schwimmteichen. Durch Aussparungen in den Platten haben die Pflanzen Halt und können direkt ins Wasser wurzeln. Alle verwendeten Kultivierungssysteme sind somit hydroponisch.

Das Gebäude als Ressource

Die Nutzfläche des Dachgewächshauses beträgt mehr als 1.000 Quadratmeter, wovon das Fraunhofer UMSICHT auf 160 Quadratmeter Forschung und Entwicklung betreiben wird. „Gemeinsam mit Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen können wir neueste Entwicklungen und Technologien im Bereich der gebäudeintegrierten Landwirtschaft testen und weiterentwickeln“, erklärt Volkmar Keuter, Leiter der Abteilung Photonik und Umwelt am Fraunhofer UMSICHT. Das Gebäude diene hier als Ressource. „Wir untersuchen, inwieweit z. B. Wasserströme oder Abwärme aus dem Gebäude zur Versorgung der Pflanzen genutzt werden können“, erklärt Keuter weiter. Für die Forschenden biete der Altmarktgarten nahezu optimale Voraussetzungen, denn die Ergebnisse aus den Forschungsprojekten können nach der Entwicklungsphase direkt vor Ort in der Praxis erprobt werden.

Konzept inFarming geht auf

Seit einem Jahr zeige man nun im Altmarktgarten eindrucksvoll, dass das Konzept aufgehe, heißt es aus Kreisen des Fraunhofer Umsicht. In der dichtbesiedelten Oberhausener Innenstadt konnten so in der aktuellen Saison beispielsweise über 100 Kilogramm Erdbeeren geerntet werden. Angeboten werden die Erzeugnisse vor Ort, auf dem Markt und in den umliegenden Restaurants. „Die Nähe zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern minimiert den ökologischen Fußabdruck der Produkte. Es entfallen lange Lieferketten, was nicht nur die Umwelt schont, sondern auch die Transportkosten deutlich senkt“, erklärt Simone Krause, Abteilung Nachhaltigkeit und Partizipation am Fraunhofer Umsicht.

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