Grüne Branche

Eine Episode aus 100 Jahren

Der Erfurter Hauptfriedhof begeht in diesem Jahr sein 100. Jubiläum. Stellvertretend für die lange Geschichte berichtet Eberhard Menzel von einem heute nicht mehr erkennbaren Grabfeld.

Mit diesem Entwurf des Erfurter Zentralfriedhofs gewannen die Hannoveraner Architekten W. Hennings und R. Pfennig einen 1912 von der Stadt Erfurt ausgelobten Preis in einem Gestaltungswettbewerb. Foto: Eigentum Eberhard Menzel

Als Erfurt im Jahr 1906 mit 200.000 Einwohnern den Charakter einer Großstadt erreicht hatte, ahnten die Stadtoberen nicht, dass ihnen ein verheerender Weltkrieg die Anlage soldatischer Begräbnisstätten aufbürden würde. Die Bevölkerungsexplosion in Betracht ziehend, waren sie vorerst bemüht, einen kommunalen Zentralfriedhof zu konzipieren. Kritische Reformer des gerade im preußischen Regierungsbezirk Erfurt gegründeten Bundes Heimatschutz betrachteten dies als günstige Gelegenheit, eine neue Begräbniskultur zu entwickeln. Gartendirektor Otto Linne befürwortete den Bau eines parkähnlichen Friedhofs mit eingehegten Grabfeldern und blühenden Baumarten. Kastanien, Ulmen, Linden und Haselbäume sollten mit ihrem Kreislauf von Blühen, Fruchtansetzen und Laubabfall die Friedhofssymbolik vom Werden, Vergehen und Neuanfang widerspiegeln. Dazu berechnete Linne für einen hundertjährigen Zeitraum die Flächengröße von 55 Hektar. Den 1912 von der Stadt ausgeschriebenen Wettbewerb gewann der Gartenarchitekt Hennings aus Hannover. Bereits 1913 begann Linnes Nachfolger Gartendirektor Hermann Braband, den in Formen des Jugendstil entworfenen Plan zunächst über 18 Hektar umzusetzen. Vorgesehen war die Eröffnung zum Frühjahr 1915.

Lesen Sie mehr in der Friedhofskultur 7/2014 ab Seite 17.