Grüne Branche

Eine Fabrik zieht um: „Wir wollen weiter wachsen“

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Wenn eine Produktionsstätte, an der jährlich bis zu 700 Nutzfahrzeuge gebaut werden, den Standort wechselt, ist allein das schon ein Riesen-Umzug. Wenn sich gleichzeitig auch die Produktionsweise ändert, wird daraus ein logistisches Mammut-Projekt, über das Holder-Geschäftsführer Christian Mayer vor Ort mit der TASPO gesprochen hat.

Herr Mayer, die Max Holder GmbH produziert ihre Multifunktionsfahrzeuge erst seit wenigen Monaten am neuen Standort in Reutlingen. Warum war ein Umzug notwendig?

Unsere Mietverträge waren ausgelaufen. Wir waren über 90 Jahre lang am Standort Metzingen. Zuletzt hatten wir einfach zu viele Faktoren, die uns immer wieder an die Grenzen einer modernen Fertigungstechnik gebracht haben. Am alten Standort wäre unsere organische Grenze bei 800 Fahrzeugen gewesen. Wir wollen aber weiter wachsen und in Zukunft mehr Fahrzeuge produzieren.

Worin lag die größte Herausforderung?

In der Umstellung der Produktion. In Metzingen hatten wir in einer Drei-Linien-Fertigung montiert, die über die Jahre mehr oder weniger organisch gewachsen war. Anlässlich des Umzugs haben wir auf einen Ein-Linien-Modell-Mix umgestellt, haben also nur noch eine Produktionsstraße, auf der jedes Fahrzeugmodell entsteht. Durch diese Umstellung haben sich sämtliche Arbeitsinhalte komplett neu verteilt.

Wie muss man sich einen Umzug in solchen Dimensionen vorstellen?

Wir haben zunächst sehr viel Zeit – über neun Monate – in eine Idealplanung investiert. Wie müssen wir uns aufstellen, wenn alles perfekt sein soll? Wie können wir bauen beziehungsweise denken, wenn wir von allen räumlichen Zwängen frei sind?

Zu Beginn der Planung haben wir mit Hilfe einer CAD-Software die gesamte Fabrik als digitalen Zwilling aufgebaut: wirklich jeden einzelnen Takt simuliert und dann überlegt, wo jede einzelne Schraube liegen muss. Wichtig waren die Laufwege der Mitarbeiter je Fahrzeugtyp und -takt, um gleich eine laufwegoptimierte Kalkulation zu bekommen.

Mit dem digitalen Zwilling sind Sie dann losmarschiert und haben probiert, auf welches Gelände er passt?

Im Grunde ja. Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir ein passendes Gebäude finden, sondern sind davon ausgegangen, dass wir neu bauen müssen. Dann ergab sich aber die Chance, ein schon bestehendes Gebäude in Reutlingen-Nord/Kirchentellinsfurt zu beziehen. Wir haben unsere Idealplanung in das fertige Gebäude gelegt – und wie durch ein Wunder: Es passte perfekt! Wir waren sehr froh, dass wir uns auf die Zeitverzögerungen eines Neubaus nicht einlassen mussten. Allerdings ist auch in dieses Gebäude sehr viel Arbeit geflossen. Wir haben hier komplett saniert: neue Fußböden, Licht, Elektrik, Glasfaserkabel, die ganze Infrastruktur modernisiert.

Neun Monate lang Idealplanung, dann der Umbau – wie lang hat der eigentliche Umzug gedauert?

Nach genau 14 Tagen haben wir am neuen Standort in Reutlingen angefangen zu arbeiten, also zehn Arbeitstage hat der Umzug gedauert. Zehn Tage lagen zwischen dem letzten Fahrzeug vom Band drüben in Metzingen und dem ersten Fahrzeug auf dem Band hier in Reutlingen.

Unser komplettes Interview mit Holder-Geschäftsführer Christian Mayer lesen Sie in der TASPO 27/2019, die in unserem Online-Shop abrufbar ist.