Grüne Branche

Einheitserdewerk Patzer baut Holzfaseranlage

Wer sich auf den Weg macht zum Einheitserdewerk Patzer in Sinntal im Spessart, kann nicht daran vorbei schauen: Viel Landschaft gibt es dort und vor allem Wald. Letzterer war dann auch der Grund für die geschäftsführenden Gesellschafter Stephan und Herwig Patzer, sich auf ihrer Suche nach weiteren Torfersatzstoffen für die Holzfaser zu entscheiden. 

Links gröbere, rechts feinere Holzfaser. Foto: Iris Anger

„Die Rohstoffversorgung mit Kiefern- und Fichtenhäcksel aus örtlichen Sägewerken ist kein Problem“, sagt Stephan Patzer, „selbst wenn wir unter Volllast produzieren, verwerten wir nur rund 20 Prozent der Reststoffe aus dem uns beliefernden Sägewerk.“ Der Nachschub ist also gesichert durch heimische, nachwachsende und regional angebundene Rohstoffe.

Holzfaser als Torfersatzstoff

Ziel ist beim Einheitserdewerk Patzer wie bei anderen Substratlieferanten, den Torfpart in Substrat- und Blumenerdenmischungen zu reduzieren. So sieht die Planung vor, durch die neue Holzfaseranlage den Anteil an Torfersatzstoffen von heute 20 auf zukünftig bis zu 35 Prozent zu erhöhen. Schon bisher setzte Patzer seinen Substraten und Erden Naturton als wichtigste Grundlage bei, aber auch Substratkompost, Rindenhumus, zugekaufte Holzfaser und mineralische Bestandteile.

Der Holzfaseranteil wird inzwischen mit der neuen Anlage selbst erzeugt, was zu einer gleichbleibenderen Qualität führt, sagt Patzer, da man nicht mehr auf die am Markt verfügbare Holzfaser angewiesen sei. Bis zu 100.000 Kubikmeter an Holzfaser kann die Anlage im Jahr erzeugen. Eine zweite Ausbaustufe der Extruderanlage ist vorbereitet. Dann würde sich diese Menge noch einmal verdoppeln.

Neue Produkte mit Holzfaser

Die Holzfasern aus der neuen Anlage bei Patzer werden in zwei Fraktionen gesiebt: die feinen Fasern bis zehn Millimeter und die groben Fasern zwischen zehn und 20 Millimeter. Dabei finden die feinen Fasern aus optischen Gründen vor allem im Hobbybereich ihre Verwendung:

  • Blumenerde: So beinhaltet die Blumenerde neuerdings 20 Prozent Holzfaser, zehn Prozent Substratkompost, 50 Prozent Weißtorf und einen 20-prozentigen Anteil an Ton. Damit wird ein Teil des bisher eingesetzten Weißtorfes durch Holzfaser ersetzt.
  • Torffreies Profisubstrat: Schon jetzt gibt es ein torffreies Topfpflanzensubstrat ohne „Öko-Anspruch“. Es kommt ohne organischen Dünger aus und ist auch mit einem Netzmittel versehen, sodass es sich von der Handhabung ganz ähnlich wie entsprechende torfhaltige Substrate verhält.
  • Holzfaser als Mulchmaterial: Aus der stickstoffstabilisierten Holzfaser, gemischt mit Grüngutkompost und Rindenkompost, gewinnt Patzer auch ein neues, vielseitig einsetzbares Abdeckmaterial. Das Mulchmaterial enthält keine Gerbsäuren wie Rindenmulch und eignet sich deshalb besonders für empfindliche Kulturen wie Stauden, Rosen und Zwerggehölze. Besonderer Vorteil: Das Material muss nicht wieder entfernt werden, sondern kann einfach eingefräst werden. Der Mulch verzahnt sich außerdem gut und kann deshalb auch an Hanglagen eingesetzt werden. Empfehlenswert ist auch der Einsatz als Container-Abdeckmaterial in der Baumschule, weil die Holzfaser nicht aus dem Topf herausfällt, sondern haftet.
  • Umstellung der kompletten Bio-Produkte auf Anteile von zehn bis 30 Prozent Holzfaser. (ia)