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Einzelhandel: Lohnt sich verkaufsoffener Sonntag?

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Neu entfacht ist in den vergangenen Wochen die Diskussion um Ladenöffnungszeiten an Sonntagen. Aber bringt ein verkaufsoffener Sonntag dem Einzelhandel wirklich mehr Umsatz – oder verschiebt er sich nur?

Bringen verkaufsoffene Sonntage dem Einzelhandel wirklich mehr Umsatz? Foto: biker3/Fotolia

Sonntag in Zeiten von Online-Shopping beliebtester Einkaufstag

Äußerer Anlass für die neu in Gang gesetzte Diskussion ist die Initiative „Selbstbestimmter Sonntag“, mit der Einzelhandelsgrößen wie Karstadt, Kaufhof oder auch das Berliner Kaufhaus KaDeWe erreichen wollen, dass die Sonntagsöffnungszeiten deutlich gelockert werden. Das Hauptargument: Der Sonntag sei in Zeiten zunehmenden Online-Shoppings der beliebteste Einkaufstag, für den stationären Handel müsse Wettbewerbsgleichheit gelten.

Seit 2006 ist die Entscheidung, wie oft der Einzelhandel an Sonntagen geöffnet haben darf, Ländersache. Die Bundesländer geben den Rahmen vor, die Städte und Kommunen entscheiden auf Antrag über die einzelnen Tage.

Einzelhandel in Berlin darf an bis zu zehn Sonntagen öffnen

In den meisten Ländern hat man sich auf drei oder vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr geeinigt (in einigen Kurorten deutlich mehr), in Berlin darf an bis zu zehn Sonntagen geöffnet werden. Die Initiative „Selbstbestimmter Sonntag“ möchte nun eine bundesweite Harmonisierung der Regelungen erreichen, die auf dem Berliner Modell basieren.

Auf der anderen Seite stehen die Gewerkschaften und Kirchen, die Arbeitnehmerrechte und eine religiös-kulturelle Tradition verteidigen. So klagt die Gewerkschaft Ver.di regelmäßig gegen Genehmigungen von Kommunen zu Sonntagsöffnungen.

Handel und Kommunen ärgern sich vor allem darüber, dass viele Klagen in Eilverfahren durchgeführt werden. Oft wurde etwa schon in Werbemaßnahmen investiert, bei abschlägigem Bescheid wurden die Gelder dann in den Sand gesetzt. Die Gewerkschaften hingegen verteidigen ihre Last-Minute-Taktik mit dem Hinweis, dass die Kommunen die geplanten Sonntagsöffnungen so spät bekannt machen, dass nur noch Eilverfahren möglich seien.

Können verkaufsoffene Sonntage die Innenstädte beleben?

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte Ende Mai, dass die allgemein üblichen vier Sonntagsöffnungen ausreichen. Es ist aber kaum damit zu rechnen, dass das die Lobby-Arbeit der Initiative „Selbstbestimmter Sonntag“ einschränken wird. Wobei sich natürlich die Frage stellt: Lohnt sich ein verkaufsoffener Sonntag überhaupt, kann der stationäre Handel damit dem Online-Shopping Paroli bieten und die Innenstädte beleben?

Eine Studie der Credit Suisse für die Schweiz hält fest: Längere Einkaufszeiten steigern bloß die Betriebskosten, die Umsätze würden sich nur verschieben, mehr verkauft würde kaum.

Verkaufsoffener Sonntag: Blumeneinzelhandel unmittelbar betroffen

Wie auch immer es weitergeht, der Blumeneinzelhandel ist unmittelbar betroffen. Insbesondere durch den Druck des Lebensmitteleinzelhandels, der in den Metropolen bis 20 oder sogar 22 Uhr geöffnet hat, haben viele Blumengeschäfte ihre Öffnungszeiten ebenfalls verlängert – dies bei einer ohnehin angespannten Personalsituation. Eine weitere Ausweitung auf den Sonntag würde die Sache nicht einfacher machen.