Grüne Branche

Ende der EHEC-Krise?

Die EHEC-Krise ist überstanden, zumindest aus Sicht der EU-Kommission. Sie bewilligte nach dem Eingang der Schadensmeldungen aller betroffenen EU-Staaten am 28. Juli 2011 überraschend 227 Millionen Euro als Entschädigungsbudget. Ursprünglich waren 210 Millionen Euro vorgesehen.

Nach Angaben aus Brüssel reicht der nun auf 227 Millionen Euro aufgestockte Entschädigungs-Etat aus, um allen Schadenersatzanträgen der von der Krise betroffenen Länder zu entsprechen.

Den größten Anteil beansprucht Spanien mit 71 Millionen Euro. In Polen schlagen Schäden in Höhe von 46 Millionen Euro zu Buche, in Italien 34 Millionen und in den Niederlanden 27 Millionen Euro.

Deutschlands Gemüseerzeuger beantragten insgesamt eine Entschädigungssumme von 16 Millionen Euro, die nun voraussichtlich im August, spätestens jedoch am 15. Oktober zur Auszahlung bereit stehen soll. Die betroffenen Gemüseerzeuger werden somit zu 50 Prozent für entstandene Vermarktungsausfälle entschädigt, dies zumindest. Hatte die EU-Kommission doch im Vorfeld noch eventuelle Kürzungen des Budgets in Aussicht gestellt.

Gerhard Schulz, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Gemüsebau und Vorsitzender des Bundesausschusses Obst und Gemüse (BOG), hatte gegenüber Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner allerdings kritisiert, dass zur Wertermittlung nicht aktuelle, sondern durchschnittliche Marktpreise aus dem Zeitraum 2007 bis 2009 herangezogen wurden, damit bleibe die Entschädigung real unter 50 Prozent.

So erhalten betroffene Erzeuger, die Gemüse vom Markt nehmen und entsorgen mussten, bezogen auf eine Menge von jeweils 100 Kilogramm 33,20 Euro für Tomaten, 38,90 Euro für Salat, 24 Euro für Gurken, 44,40 Euro für Paprika und 29,60 Euro für Zucchini. Für nicht oder unreif geerntetes Gemüse belaufen sich die Entschädigungssätze je Hektar auf 10.853,40 Euro für Tomaten, 8.952,10 Euro für Salat, 9.233,80 Euro für Gurken, 3.833,60 Euro für Paprika und 4.628,70 Euro für Zucchini.

Nach Information des Bundeslandwirtschaftsministeriums entfallen 21,5 Prozent der Entschädigungsleistungen auf die Gemüseerzeuger in Mecklenburg-Vorpommern, gefolgt von den Betrieben in Rheinland-Pfalz (19,1 Prozent), Niedersachsen (18,7 Prozent), Nordrhein-Westfalen (15,3 Prozent), Bayern (12,5 Prozent) und Baden-Württemberg (6,5 Prozent).

Nach wie vor bezieht sich die Entschädigung nur auf Vermarktungsverluste, die bis zum 30. Juni in den Kulturen Gurken, Tomaten, Zucchini und bei bestimmten Salat-arten auftraten. Produzenten von Rucola, Feldsalat, Chinakohl, Radicchio oder Sprossen bleiben auf ihrem Schaden sitzen. Nach Einschätzung des BOG hat sich die Absatzlage bei Gemüse innerhalb der EU immer noch nicht normalisiert, da der Konsum nur zögerlich wieder anläuft.

Von Kathrin Scheumann