Grüne Branche

Endokrinschädliche Wirkstoffe: auch Gartenbau im Fokus

Neues Ungemach droht dem Gartenbau angesichts der europäischen Pflanzenschutz-Gesetzgebung (1107/2009/EG). Sie nämlich beinhaltet Vorgaben zum künftigen Ausschluss sogenannter endokriner (hormonell wirksamer) Stoffe von der weiteren Verwendung im Pflanzenschutz. Aktuelle Debatten im EU-Parlament befassen sich mit dem Thema, denn ein zunächst in der Entwurfsfassung vorgesehener Maßnahmen-Katalog soll bis zum 14. Dezember 2013 klären, welche konkreten Regelungen es im Sinne des Vorsorgeprinzips in der Zukunft geben kann. 

Geschütztes Arbeiten, auch im Freiland, verringert Risiken. Foto: SVLFG

Einen Eindruck davon, in welchem Rahmen sich die Diskussionen abspielen, vermittelt eine aktuelle Pressemitteilung der unabhängigen Netzwerkinitiative PAN Germany (Pestizid Aktions-Netzwerk), der eine Liste von 62, dem Vernehmen nach endokrinschädlicher Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe beigefügt ist. In der Liste enthalten sind beispielsweise die Wirkstoffe Lambda-Cyhalothrin (betrifft zum Beispiel das Insektizid Karate Zeon), Methocarb (zum Beispiel Mesurol flüssig; Insektizid), Metiram (zum Beispiel Polyram WG; Fungizid), Propamocarb (beispielsweise Proplant, Previcur N; Fungizide), Myclobutanil (zum Beispiel Systane 20 EW; Fungizid) oder Propiconazole (zum Beispiel Tilt 250 SC).

PAN Germany verweist darauf, dass Pestizide seit vielen Jahren im Verdacht stehen, sogenannte endokrine (hormonelle) Auswirkungen auf den menschlichen Organismus zu haben. Die Initiative bezieht sich in ihrer Stellungnahme auf eine Reihe von Studien in Landwirtschaft und Gartenbau, die unter anderem in den USA, Kanada, Costa Rica, Brasilien, Italien, Spanien, Dänemark und den Niederlanden durchgeführt wurden.

Dass im Unterglas-Gartenbau tätige Frauen, die dem intensiven Kontakt mit Pestizid-behandelten Pflanzen ausgesetzt waren beispielsweise weniger oft schwanger wurden als Frauen außerhalb der Branche, will PAN Germany anhand einer dänischen Studie aus dem Jahr 1995 dargelegt haben. Der Studie zufolge betraf die verminderte Fruchtbarkeit insbesondere Frauen, die ohne Handschuhe mit den behandelten Pflanzen gearbeitet hatten, während Auswirkungen des jeweiligen Pflanzenschutzmittels beim Tragen der Handschuhe nicht nachgewiesen werden konnten. Laut Studie zeigten sich auch Unterschiede zwischen den Frauen, die selbst Pflanzenschutzmittel ausgebracht hatten und solchen, die „nur“ mit den behandelten Pflanzen arbeiteten. (ks)

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der aktuellen TASPO 13/13.